ich sie reiten gelehrt , daß ihr nun wohl so leicht keine darin gleichkommt ; und so bin ich wieder mit ihr jung gewesen und hab ' mich nie nach Kindern gesehnt , denn sie war ja mein liebes , herziges Kind , obgleich ich nur ein armer unwissender Reitersmann und sie ein fürnehmes , hochadeliges Fräulein war . Und ich habe manchmal so in meinem Sinn gedacht : ob sie es nicht besser im Leben gehabt hätte , wenn sie wirklich mein Kind gewesen wäre . Denn vornehm sein und reich sein , das ist Alles recht gut , aber ich meine doch , wen Gott lieb hat , den läßt er arm geboren werden . Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen , mein eigen Fleisch und Blut um schnöden Mammon zu verkaufen ; ich hätte nie vor meinem Kinde auf den Knieen gelegen und geflennt : Dein Vater ist ehrlos , wenn Du nicht den und den heirathest , von dem ich wohl weiß , daß Du ihn nicht liebst , der aber so viel Geld hat , daß er alle meine Schulden bezahlen kann und doch noch genug für euch Beide behält . Und es stand gar nicht einmal so schlimm mit Herrn von Barnewitz . Was er im Spiel verloren hatte , konnte er auch im Spiel wieder gewinnen , und hat ' s auch hernach zum Theil wiedergewonnen , so daß er später , wenn er zu viel getrunken , oft zu mir gesagt hat : hätte ich gewußt , Baumann , daß ich noch solch Glück im Pharao haben würde , da hätte der - es war ein häßliches Wort und ein ordentlicher Mensch bringt es nicht gern über die Lippen , - da hätte ich Herrn von Berkow auch etwas anderes gegeben , als meine Tochter . Mein einziger Trost ist nur , daß er ' s nicht lange mehr treibt , und dann kann sie ja noch immer einen andern heirathen . Nun , der gnädige Herr trieb es selbst nicht lange mehr , aber doch noch lange genug , daß er das Unglück , welches er angerichtet hatte , mit seinen leiblichen Augen sehen konnte . Er hätte viel drum gegeben , um ungeschehen zu machen , was geschehen war ; aber wer sich mit dem Teufel einläßt , darf sich nicht wundern , wenn der liebe Gott nichts von ihm wissen will . So war die schöne junge Frau eine Wittwe und war es doch auch wieder nicht . Reichthum hatte sie nun , die Hülle und Fülle ; aber mir däucht , sie wäre glücklicher gewesen , wenn sie unter einem Strohdach mit einem braven Mann gelebt hätte , als so mutterseelenallein in dem großen , öden Hause . Nun war freilich der Julius da , aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer , und ein Kind ist noch immer keine Familie . Sehen Sie , junger Herr , das hat mein altes Herz oft bluten machen , und wenn ich die liebe gnädige Frau so des Abends allein durch den einsamen Garten wandeln sah , da habe ich oft den lieben Gott gebeten , er solle den armen Herrn von Berkow in Gnaden zu sich nehmen , und verstatten , daß die arme gnädige Frau doch einmal in ihrem Leben glücklich wird , wie andere Frauen , die nicht werth sind , daß sie ihr die Schuhriemen lösen . Reich braucht der Mann nicht zu sein , denn sie hat , wenn ' s doch ja Reichthum sein soll , genug für Beide , - aber Kopf und Herz muß er auf dem rechten Fleck haben und lieb muß er sie haben , mehr als seinen Augapfel . Und wenn ich einen solchen Mann wüßte , und ihr einen solchen Mann verschaffen könnte , und ich sähe sie nun glücklich an der Seite dieses Mannes , da wollte ich auch beten : Herr , lasse Deinen Diener in Frieden fahren . - Aber da sind wir ja schon am Thore . Nun , wohlschlafende Nacht , junger Herr ! Wenn Sie morgen früh vielleicht eine Antwort auf den Brief von der gnädigen Frau fertig haben , so will ich einen Büchsenschuß weiter in den Wald hinein zwischen fünf und sechs darauf warten . Die gnädige Frau würde sich doch freuen , wenn Sie recht bald schrieben . Ich werde pünktlich um fünf dort sein , sagte Oswald . Na , auf eine halbe Stunde kommt es schon nicht an , sagte der alte Baumann , sein Pferd besteigend . Die Post geht nicht vor acht Uhr , und bis dahin bin ich mit dem Brownlock zweimal hin und zurück . Ich wünsche nochmals wohlschlafende Nacht . Der alte Mann faßte salutirend an seine Mütze , lenkte den Brownlock herum und trabte durch die Tannen zurück nach Berkow . Oswald eilte auf seine Stube , ohne Jemand zu begegnen , da die Gesellschaft von ihrem Spaziergang noch nicht heimgekehrt war . Mit zitternder Hand öffnete er den Brief und durchflog ihn mit athemloser Hast , um ihn dann langsam wieder und wieder zu lesen , wie man Briefe liest , von denen jedes einzelne Wort uns berührt , wie ein Kuß von geliebten Lippen . Als er sich spät am Abend hinsetzte , die Antwort zu schreiben , ertönte derselbe Gesang , der ihn gestern Abend in so überschwängliche Begeisterung versetzt hatte ; heute aber schloß er das Fenster , denn er fühlte , daß seine Bewunderung für das schöne Mädchen im Grunde ein Verrath seiner Liebe zu Melitta sei , obgleich er die anklagende Stimme seines Gewissens möglichst zu überhören versuchte . Vierzigstes Capitel Oswald konnte es sich nicht versagen , noch ein wenig im Garten zu promeniren , als er am nächsten Morgen aus dem Wald zurückkehrte , wo Baumann den Brief entgegengenommen hatte . Er wollte eigentlich nur einige Minuten bleiben , nur eben einmal auf dem Wall die Runde um den Garten machen ;