französischen Republik - als die Weiber von Schwyz die Kanonen herbeizogen , um die Männer im Kampfe gegen die Franzosen zu unterstützen ; und dagegen diese hündische Treue , einem Ludwig XVI. den Fahneneid zu halten , auf der Seite eines Königs wider ein Volk zu stehen .... « - » Lelio ! « fuhr Judith heftig auf , » fühlen Sie nicht , daß Sie sich ein Brandmal auf Stirn und Herz durch Verachtung des Fahneneides drücken ? « » Ich fühlte es nicht ! « erwiderte er gelassen und fuhr fort : » Und dagegen diese mehr als hündische Unterwürfigkeit vor einer Religion , welche die heftigste Gegnerin aller Freiheit ist und von ihrem ersten Anbeginn das edelste und beste , was der Mensch hat : die Freiheit seines Willens - nicht sowohl in Ketten , als in Windeln legte : ich konnte einen so schreienden Widerspruch nicht begreifen und kaum ertragen . Als ich vom Rigi herabsteigend das grüne Alpenland des Kantons Schwyz durchwanderte , fand ich nach und nach eine Menge von Reisegefährten , Männer und Weiber , die mit einem Bündel auf dem Rücken , mit bestaubten Schuhen , manche mit der Perlenschnur des Rosenkranzes in der Hand , andere auf einen Stab sich stützend , des Weges zogen . Einige gingen in grösseren Scharen , einige in kleinen Häuflein , bekümmerten sich weder um die Gegend , noch um Reisebegebenheiten , beteten Litaneien und Rosenkranz und knieten oftmals vor den Kruzifixen nieder , welche dort so häufig sind , daß sie naturwüchsig zu sein scheinen . Fragte ich den einen oder anderen : Wohin des Weges ? - so antwortete jeder : Nach Einsiedeln , zur Engelweihe . - Ha ! dacht ' ich , das kommt dir gerade recht ! da gehst du auch hin und schaust dir einen Aufzug der Farce mit an , welche von der katholischen Kirche zum besten der leichtgläubigen Menschheit aufgeführt wird . Ich ging noch über ein paar Berge und durch eine Strecke grünen stillen Hirtenlandes - dann durch einen großen Flecken , dessen Häuser von außen förmlich mit Wirtshausschildern tapeziert sind - und war in Einsiedeln . Im Hintergrund des weiten Tales , gelehnt an einen mächtigen , mit Schwarzwald bedeckten Bergrücken , erhebt sich das großartige , majestätische Kloster , das mit seiner von zwei Türmen überragten Kirche zwischen zwei langen Seitenflügeln ein stattliches Gebäude im Stil des vorigen Jahrhunderts bildet und von den Häusern des Fleckens durch einen großen freien Platz abgesondert ist . In der Mitte desselben steht eine Muttergottesstatue auf einem Springbrunnen , der beständig in zwölf Strahlen Wasser speit und rings herum liegen kleine unansehnliche Boutiken , in denen Kruzifixe , Medaillen , Rosenkränze , Heiligenbildchen und dergleichen Gegenstände , welche die Andacht liebt , feilgehalten werden . Verstehen Sie mich , Signora ? « fragte Lelio , plötzlich abbrechend . Halb mit leisem Lächeln , halb mit leichtem Achselzucken neigte Judith bejahend ihr schönes Haupt - und Lelio fuhr fort : doch mit so verändertem ernsten Ausdruck , daß auch sie unwillkürlich ganz ernst wurde . » Vor dreizehnhundert Jahren lebte ein Jüngling , der hieß Benedikt , und der wurde von einer ganz wundersamen Liebe ergriffen - von einer Liebe , welche die Welt nicht begreift , weil sie nicht mit Fleisch und Blut zusammenhängt - von der Liebe zu Gott , zu dem menschgewordenen , leidenvollen , gekreuzigten Gott der christlichen Offenbarung . Er war jung und von hoher Geburt ; aber er vergrub seine Jugend und ihre Ansprüche in einer Felsenhöhle - denn von einer ganz anderen Höhe stieg der Herr des Himmels und der Erde in die Felsenhöhle von Bethlehem hinab . Weil der Gegenstand seiner Liebe ein gekreuzigtes Leben führte , wollte Benedikt es nicht anders haben . Das ist Urgesetz der Liebe : alles teilen mit dem Geliebten , ähnlich sein dem Geliebten , um unzertrennlich zu sein vom Geliebten ! Das begreift jedes Herz ; das stellt auch die griechische Mythe lieblich und tiefsinnig in den Brüdern Castor und Pollux dar . Pollux war ein Göttersohn , Castor der Sohn eines Sterblichen , und als nun Castor sterben mußte und , gemäß dem Menschenschicksal , in den Orcus versinken sollte , da erklärte Pollux , der unsterbliche , er wolle zeitweise mit seinem geliebten Bruder in der Unterwelt weilen ; dafür solle dieser dann zeitweise die Wonnen des Olymps mit ihm teilen . Das ist Liebe . Die Griechen dichteten von ihr ; Christus übte sie ; aber - da er Gott war , so übte er sie als Gott , immer und für alle . Auch darin suchte Benedikt ihm ähnlich zu werden und die Ströme der Liebe , welche sich in seinem für die Irdischkeit abgestorbenen Herzen angesammelt hatten , für die Menschen , seine Brüder , auszugießen . Was braucht der Mensch zu seinem Glück ? - die richtige Erkenntnis Gottes . Sie ist der klare Born , aus dem der Trunk der Ruhe geschöpft wird , der Ruhe , die über alle Unruhe der Welt tröstend hinweghilft . Die richtige Erkenntnis Gottes wollte Benedikt in der Menschheit fördern , das Apostelamt fortsetzen und ausbreiten . Es sammelten sich gleichgesinnte Männer zu ihm , um ihren guten Willen an seiner höheren Erleuchtung und Kraft zu stärken , um durch Gemeinschaft ihre Unvollkommenheit zu ergänzen . Benedikt lehrte sie zuerst , die sinnliche Natur zu besiegen durch Selbstverleugnung , Gebet und Arbeit ; und dann dem Nächsten zu dienen , wie Gott es fügen würde . Und Gott nahm große Dienste von diesen Männern aus Benedikts Schule an ! Was Europa von Kultur und Civilisation besitzt , hat es ihnen zu danken . Sie drangen aus Italien immer weiter gen Norden ; sie hielten in der vielfach vermorschten , und mit dem Christentum häufig nur übertünchten , römischen Gesittung das christliche Ideal aufrecht und zündeten wie auf einem Leuchtturm das Licht an , das ein Signal der Rettung für alle war