War dir an meinen Freunden , am Neffen nichts gelegen ? Nicht magst du dich entschuld ' gen , wenn ich auch ferne stand , An Waffen und Gestalt war ich dir gut bekannt . Und doch hat mir dein Schwert den zarten Sproß gemäht , Den teuren blonden Jungen . Da war die Freundschaft wett . Drum heisch ' ich itzt von dir nicht Gold , nicht Bruderbund , Von deiner Hand verlang ' ich den toten Neffen zur Stund ' ! « Von Rosses Rücken schwang sich Hagen nun zur Erde , Da ließen auch Walthari und König Gunther die Pferde . Zum Fußkampf standen sie , zwei wider einen Mann . Die zweite Frühstund ' war ' s , da hub das Streiten an . Erst brach den Frieden Hagen und warf mit Macht den Speer , Der flog in hohem Bogen mit Zisch und Zasch daher . Walthari mochte nicht ausbeugen , doch er hielt Zu schräger Richtung ihm entgegen seinen Schild ; Rückprallte das Geschoß , als wie von Marmelstein , Und wühlte bis an den Nagel sich in den nahen Rain . Dann warf auch König Gunther den schweren Eschenschaft , Er warf ihn kecken Mutes , doch nur mit schwacher Kraft , Den Schildrand traf er nur , und konnt ' ihn nicht zerreißen , Walthari schüttelte , da fiel das matte Eisen . Das war ein schlimmes Zeichen . Itzt griffen sie zum Schwerte , Doch grimmen Blicks Walthari sich mit der Lanze wehrte . Die Klingen waren kurz , sie reichten nicht an ihn , Da fuhr ein schlimmer Plan dem König durch den Sinn . Sein abgeschoßner Speer lag vor Waltharis Füßen , Den hätt ' er heimlich gern zu sich zurückgerissen - Er winkte mit dem Aug ' , daß Hagen vorwärts dringe , Und stieß zurück zur Scheide die goldgeschmückte Klinge , Da ward die Rechte frei zum Diebsgriff - und den Schaft Hielt er schon festgepackt - und hätt ' ihn auch errafft . Doch auf den Hagen stürmte Walthari plötzlich her Und trat mit starkem Fuß auf den gegriffnen Speer . Der Überraschung ward der König sehr erschrocken , Die Kniee wankten ihm , sein Atem wollte stocken , Schon war der Tod ihm nah . Doch sprang in schnellem Lauf Ihm schirmend Hagen bei . Da stund er zitternd auf , Es ward der bittre Kampf itzt ungesäumt erneut , Fest stand Walthari noch , doch ungleich war der Streit - Er stand : so steht der Bär , gejagt von wilder Hatze , Unwillig vor der Meute und droht mit scharfer Tatze , Und duckt das Haupt und knurrt . Weh dem , der an ihn schwirrt : Er preßt ihn und umarmt ihn , bis er sich nimmer rührt , Scheu flieht der Rüden Schar mit heulendem Gebelle . - So flutete die Schlacht schon auf der höchsten Welle , Dreifache Not des Todes auf jeder Stirne stand : Die Wut , die Last des Kampfes und glüher Sonnenbrand . Gepreßten Herzens schaute bereits Walthari um , Ob sich kein Ausweg öffne . Zu Hagen rief er drum : » O Hagdorn , grün im Laub , du magst so gern mich stechen Und mir die Heldenkraft mit schlauen Sprüngen brechen , So schwerer Mühe satt , will ich mit dir itzt ringen - Und bist du riesenstark , ich will dich näher bringen ! « Er sprach ' s und hochaufspringend warf er die Lanze keck , Sie traf und riß ein Stück ihm von der Rüstung weg Und streifte seine Haut , doch nur ein wenig , an , Dieweil gar starken Panzer sich Hagen umgetan . Walthari aber riß das Schwert aus seiner Scheide Und stürmt auf Gunther ein und schlug den Schild beiseite - So wundersam gewalt ' gen Schwertschlag tat er behende , Daß er ihm Bein und Schenkel ganz von der Hüfte trennte . Halbtot auf seinem Schilde lag König Gunther da , Selbst Hagen wurde blaß , wie solchen Schlag er sah . Hoch schwang Walthari itzt die blutgefleckte Klinge , Auf daß der wunde König den Todesstreich empfinge , Doch Hagen warf dem Hieb das eigne Haupt entgegen , Da sprühte von dem Helm hoch auf ein Funkenregen ; Der Helm war hart geschmiedet . Drum brach das Schwert mit Klirren , Durch Luft und Busch und Gras zahllose Trümmer schwirren . Walthari , wie ihm so die Klinge war zersplittert , Fuhr unwirsch auf , es ward sein Herz von Zorn durchschüttert , Wegwarf verächtlich er den Griff - was sollt ' er nützen , Ob er auch kunstgefüget von Golde mocht ' erblitzen ? Doch wie er unbedacht die Hand zum Wurf ausreckte , Tat Hagen einen Hieb , der sie zu Boden streckte . Da lag die tapfre Rechte , so furchtbar manchem Land , So siegespreisgeschmückt - nun blutend in dem Sand . Ob zwar ein linker Mann - Walthari war noch nicht Der Kunst des Fliehens kundig , starr blieb sein Angesicht , Er biß den Schmerz zusamm ' und in den Schild einschob er Den blut ' gen Stumpf , und schnell mit linker Faust erhob er Das krumme Halbschwert , das er einst im Hunnenland Als Notbehelf sich um die rechte Hüfte band . Das rächte ihn am Feind . Da ward dem grimmen Hagen Sein rechtes Auge ganz aus dem Gesicht geschlagen , Zersäbelt war die Stirn - die Lippen aufgeschlissen , Dazu sechs Backenzähne ihm aus dem Mund gerissen . So ward der Kampf geschlichtet - wohl durften beide ruhn . Laut mahnten Durst und Wunden , die Waffen abzutun . Da schieden hochgemut die Helden aus dem Streit , An Kraft der Arme gleich und gleich an Tapferkeit . Wahrzeichen ließ jedweder zurück von dem Gefechte , Hier lag des Königs Fuß - dort lag Waltharis Rechte , Dort zuckte Hagens Aug ' : so hob an jenem Platz Sich jeder seinen Teil vom großen