kriegen Sie den Rittmeister nicht mehr rein ! « lächelte St. Real . » Es wird sich ja ein Versteck finden . Lassen Sie ihn auf den Boden springen , aufs Dach klettern . « » Und ! - Er muß doch auch vom Dach wieder herunter . Ich meine , was das Ende vom Liede sein soll ? « » Kommt Zeit , kommt Rath , Legationsrath ; schlagen Sie einen alten Roman nach . Vom Dach werden wir ihn nicht fallen lassen . « » Mit einem Worte , verlangen Sie eine Entführung oder nur - « » Prächtig ! eine Entführung . Göttermensch , Sie stehlen mir ' s aus der Seele . Wie lange ist in Berlin Keine entführt worden . Das giebt ein Gerede , Kinder , einen Spaß ! Ich will selbst die Postrelais bezahlen , mit Seegebarth sprechen , die schnellsten Postpferde sollen sie haben . « » St. Real schüttelte den Kopf : Alles sehr schön . Wer soll sie aber verfolgen ? « » Nun , Ihr Mann ! « Kaum war es über die Lippen , als er selbst in das stille Gelächter der Andern einstimmen musste . » Er lacht sich vor Vergnügen todt , wenn er ' s hört . « Es war ein unerwarteter Querstrich . Bovillard riß die gekreuzten Arme auseinander , mit denen er eine Weile vor sich sinnend gesessen . » Er thut ' s doch vielleicht ! « » Der Baron ! Er schämte sich in den Tod , daß man ihn für eifersüchtig hält . « » Wer spricht von Eifersucht , St. Real ! Neunzigtausend Thaler gehen ihm durch . Kann er neunzigtausend Thaler mir nichts dir nichts über die Grenze lassen ! « » Neunzigtausend Thaler , « wiederholte der Legationsrath . » Sie haben freilich getrennte Gütergemeinschaft , « sagte der Kammerherr . » Ihn schätzt man eben so hoch . « » Hundertachtzigtausend Thaler unter Brüdern , meine Herren , « fuhr Bovillard fort , » die zerreißen wir . Bedenken Sie das wohl . « » Hundertachtzigtausend Thaler ! « wiederholte der Legationsrath . » Was so ernsthaft , Wandel ? « » Die Sache ist es . Er müsste sich nach dem Eklat scheiden lassen , sie würde den Rittmeister heirathen , und wir verschaffen ihm eine Frau mit neunzigtausend Thalern . Meine Herren , Sie räumen mir ein , daß die Sache dadurch ein ganz anderes Fundament gewinnt . Es ist kein Divertissement mehr , es wird zu einem reinen Geschäft , und wir müssten uns fragen - das heißt , ich bitte Sie , sich darüber zu entscheiden , welche Raison Sie haben , den Herrn von Dohleneck zu einem reichen Mann zu machen ? « » Raison ! Pah , was kommt ' s drauf an ! Und hab ' ich keine ! Der Rittmeister hat sich nobel gegen meinen Taugenichts benommen . Blutvergießen verhindert . Sie auch , Legationsrath . Sollen Sie sie entführen ? Hätte nichts dagegen . Neunzigtausend Thaler , wir sind ja in einer generösen Laune und er hat Schulden wie Haare auf dem Kopfe . « Die vierte Flasche war entkorkt und die Gesicher leuchteten . » Handeln wir wie die Vorsehung , welche die Güter dieser Welt ausgleicht . Angestoßen auf den großen Gedanken , Freunde ! Für die Menschheit - « » Das heißt für Stiers Gläubiger . « » Das Gefühl uneigennützigen Handelns für die Zwecke der Humanität stärke uns . Reine Liebe edler Seelen , neunzigtausend Thaler in ersten Hypotheken und schlesischen Pfandbriefen und eine wunderschöne Frau und dumm ! Was Götter selbst beneiden könnten , wir schenken ' s einem verschuldeten Kavallerieoffizier . « Der Legationsrath stimmte nicht in die Ausgelassenheit : » Sie zerstören Ihre eigenen Beschlüsse , wenn Sie zu hastig losgehen . « » Legationsrath , ein edler Entschluß darf nicht Runzeln bekommen . « » Aber ein Witz nicht zur Spekulation werden , sonst bricht seine Spitze . Conclusum est- « » Sie sollen sich noch eine Weile quälen , « sagte der Kammerherr . » Hatte ich es beinah vergessen ! ' S ist mein gutes Herz . Ich kann nun einmal Unglückliche nicht leiden sehen . Alle Menschen sind ja Brüder - « » Und alle Frauen Schwestern ! « sagte Wandel aufstehend . » Aber ich muß Contreordre geben , wenn ' s nicht schon zu spät ist . « Er zog die Uhr , und stampfte auf . » Wahrhaftig , es ist schon zu spät . « » Was ist ' s ? « Sie standen nicht mehr ganz fest , als sie jetzt aufstanden . Der Legationsrath strich über die Stirn . » Unser Joseph geht heut an Madame Potiphars Haus vorüber . Ein leises Schluchzen sollte seine Schritte fesseln - « » Ei , Herr von Wandel , mir ins Gehege ! « rief der Kammerherr . » Der Joseph war zu meiner Disposition . « » Verzeihung ! Ich wollte Sie überraschen ; es war gut gemeint . Eine schluchzende Gestalt am Balsaminenfenster sollte ein Bouquet auf seine Brust fallen lassen ; - eine rasche Entwicklung stand dann in Aussicht . Wer konnte den heutigen Beschluß ahnen ! Um zehn Uhr war ' s bestellt , und es ist ein Viertel auf eilf . Vielleicht kann ich noch retten . « Bovillard fiel ihm in den Arm : » Bleiben Sie , lasst sie glücklich sein , wir sind ' s ja auch . Glückliche Menschen machen , was giebt es Schöneres unterm Sternenzelt . Fand einmal meine Selige in Thränen über Lafontaines neuestem Roman : Kriegen Sie sich nicht ? frage ich . - Er ist erst am Ende des ersten Bandes , sagte sie . - Er muß ! sage ich . - Wie kannst Du ' s ? - Da klopft es . Wer tritt ein ? Herr Lafontaine . Ich riß meine Selige auf , ich zeigte