sie den Piraten die Flucht ab , und der Tapferkeit der Angreifenden blieb es in dem Fall allein überlassen , der gerechten Sache den Sieg zu gewinnen . 30. Mrs. Breidelford und ihre Gäste . Der Leser muß noch einmal mit mir zu jener Zeit zurückkehren , wo Tom Barnwell , so unerwarteter Weise angeklagt und verhaftet , von dem Constabler dem Gefängniß oder der sogenannten County jail zugeführt wurde , während der Squire mit Sander den Weg nach dessen eigenem Hause einschlug . Diese Jail befand sich aber in derselben Straße mit Mrs. Breidelford ' s Haus , und zwar gerade schrägüber von ihm , auf der andern Seite des schon früher erwähnten freien Platzes , so daß also die beiden Männer , sobald sie in die links abführende Straße traten , den dem Gefangenen nachdrängenden Menschenhaufen verließen . Tom dagegen sah sich bald darauf in einer kleinen , nach dem Platz hinausführenden Zelle einquartirt und seinem eigenen , nichts weniger als angenehmen Nachdenken überlassen . Unruhig schritt er in dem engen , dunkeln Raum auf und ab und suchte sich die wunderlichen Vorgänge dieses Abends nach Möglichkeit zusammen zu reimen ; doch umsonst , des Richters Betragen selbst blieb ihm räthselhaft , und daß Hawes ein Schurke sei , bezweifelte er jetzt keinen Augenblick mehr . War er verhaftet worden , um an der Entdeckung irgend eines Bubenstücks verhindert zu werden ? Er blieb - als ihm dieser Gedanke zum ersten Mal das Hirn durchzuckte , schnell und betroffen stehen und sah starr vor sich nieder . War das möglich ? - Nein , nein , der wirkliche Constabler hatte ihn ja verhaftet - der Richter war dabei gewesen , das konnte nicht sein ; ja der Mann selbst , der ihn beschuldigt , war ihm fremd , er hatte ihn in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen , das wußte er gewiß ; es mußte also ein Irrthum sein , der sich bald aufklären würde . Sollte er aber indessen hier sitzen ? Edgeworth hätte unmöglich so lange auf ihn warten können - und Marie ? - Was wurde aus dem armen , unglücklichen Wesen ? Wiederum schritt er schnell und heftig auf und ab und suchte in der raschen Bewegung auch jene wilden , tobenden Gefühle zu beschwichtigen , die ihm Herz und Sinn durchglühten . Endlich , als sein Blut anfing , sich ein wenig abzukühlen , trat er an das kleine , durch schwere Eisenstäbe wohlverwahrte Fenster und blickte in die nebligte , nur hier und da von einem mattschimmernden Licht erhellte Straße hinaus . Der Platz vor der Jail war menschenleer ; Die , die ihm dorthin gefolgt , hatten gesehen , wie sich die schwere eichene Thür hinter ihm schloß - eben diese Thür dann noch eine Weile angestarrt und nun langsam wieder den Weg nach ihren verschiedenen Wohnungen eingeschlagen . Nur ein einzelner Mann kam durch die Straße herunter und blieb - er hatte sich den Ort deutlich genug gemerkt - gerade vor demselben Hause stehen , vor dessen Thür er jenen jungen Mann überrascht hatte . Sollte das Hawes wieder sein ? War er zurückgekehrt von seinem kranken Weibe ? Und suchte er jetzt noch einmal da , wo ihm der Einlaß früher verweigert worden , Zutritt zu erhalten ? Es dunkelte zu sehr - er konnte die Gestalt nicht mehr erkennen , deutlich aber vernahm er das mehrmalige , zuletzt ungeduldige Klopfen , und endlich wurde es in dem Hause lebendig . An den unteren Fenstern erschien ein Licht , bald darauf öffnete sich die Thür - ein heller Strahl fiel wenigstens auf den Weg hinaus - und gleich darauf verschwand die Gestalt . Nach und nach erstarb auch das letzte Geräusch ; die letzten Lichter , die er theils oben , theils unten an der Straße beobachtete , erloschen . Nur in jenem Hause blieb es hell . Stunde nach Stunde stand Tom so an dem kleinen Fenster und blickte hinaus in die feuchte , trostlose Nacht ; Stunde nach Stunde lauschte er dem fernen monotonen Geräusch der Frösche und dem wunderlichen , dann und wann die Stille unterbrechenden Schrei einzelner über die Stadt hinwegstreichender Nachtvögel . Träumend hingen seine Augen an dem Nebel , und er dachte der vergangenen Tage - der vergangenen Liebe . Manche Thräne war ihm dabei , so recht heiß aus dem Herzen kommend , über die gebräunte Wange geträuft , und er gab sich nicht einmal die Mühe , sie wegzuwischen , ja er fühlte sie vielleicht nicht einmal . Allein - ganz allein stand er in der Welt , keine Seele hatte er mehr , die ihn liebte , kein Herz , das an ihm hing ; starb er jetzt , wer war da , der sich viel um ihn gekümmert , der seiner vielleicht mit einer Thräne gedacht hätte ? - Niemand , Niemand , und als ihn der Gedanke durchbebte , barg er tief aufseufzend das Antlitz in den Händen und starrte in die wilden , wirren Bilder hinein , die an seinem inneren Auge vorüberstürmten . Einmal fuhr er empor - es war ihm fast , als ob er über die Straße herüber einen schwachen Schrei gehört hätte - sein Blick traf auf das noch schimmernde Licht in dem geheimnißvollen Hause , aber Alles war ruhig , kein Laut störte die tiefe Stille , und ermüdet warf er sich endlich auf sein hartes Lager nieder , um ein paar Stunden zu schlafen und wenigstens für kurze Zeit alles das zu vergessen , was ihn jetzt mit so schmerzlichem Weh erfüllte . * * * Gar lebhaft ging es indessen in dem kaum zweihundert Schritt entfernten und noch erleuchteten Hause zu , wo Mrs. Louise Breidelford ihre , wie sie oft äußerte , » bescheidene und anspruchslose Wohnung « aufgeschlagen hatte . Allerdings hatte Tom Barnwell ganz recht gesehen , oder wenigstens recht vermuthet - jene Gestalt , die bald nach seiner Gefangennehmung vor das Haus zurückkehrte , war