Anna nahm darauf einen Strauß von Brillanten von ihrer Brust , den Madame de Bellefond der Braut befestigte . Viktorine küßte noch ein Mal knieend die Hände der liebevollen Fürstinnen , erhob sich dann und zeigte der ganzen Versammlung das schönste Bild einer edeln , jungfräulichen Braut . Herr von Dreur führte jetzt den halb bewußtlosen Leonin zur Königin . Herr von Vieuville reichte ihr das Band des Heiligen-Geist-Ordens . » Der König wünscht Ihnen Glück , Graf Crecy ! « sprach die Königin - » und läßt Ihnen sagen , wie auch ohne den Glanz der Waffen , ritterliche Tugenden zu üben wären ! Sie sollen sich vorerst dem Schutze der Frauen widmen ! « Leonin bebte , als ihn Vieuville fast zur Erde drückte und das blaue Band um seine Schultern legte . Er hatte es bereits entehrt durch den schreiendsten Frevel an weiblicher Unschuld und Tugend . Als ob eine glühende Schlange sich um seine Brust ringelte , so fühlte er das leichte seidne Band . Er konnte keinen Laut sprechen - er hatte kaum Kraft , sich zu erheben . Aber Niemand sah seinen Zustand ; zu sehr ward vorausgesetzt , was er empfinden müßte , um zu bemerken , was er wirklich empfand . Die Königin empfing jetzt eine Meldung ; sie neigte das Haupt , dann winkte sie Leonin und Viktorine an ihre Seite und stellte sie so gewissermaßen dem versammelten Hofe vor , während der Marquis Vieuville vortrat und mit lauter Stimme rief : » Ihre Majestät die Königin ladet die Versammlung ein , der kirchlichen Einsegnung von Leonin , Grafen Crecy-Chabanne , und Viktorine , Prinzessin von Lesdiguères , in der Hofkapelle beizuwohnen . « Schon traten die Hofchargen voran , und an der Seite Maria Theresia ' s , von ihren Fingerspitzen , liebevoll lächelnd , geleitet , schritt Mademoiselle de Lesdiguères der an dieses Zimmer grenzenden Kapelle zu , während Anna von Oesterreich , sich auf Leonin ' s Arm stützend , ihnen folgte , nachgedrängt von allen Gegenwärtigen , denen jedoch Henriette von England in der Mitte der beiden Elternpaare voranging . Wie eine Erscheinung aus höherer Welt , mit der Verklärung eines Heiligen in dem blassen Gesichte - erwartete Fenelon das Brautpaar auf den Stufen des Altars . Sein Auge berührte nur einen Augenblick Beide - dann schien es sich in himmlischer Anschauung über die Erde zu erheben . Seine Stimme war zu Anfange so verändert , daß sie etwas Geisterhaftes hatte , und Viktorine sie kaum erkannte . Dann ward sie stärker - zuletzt gewann sie ihre volle melodische Kraft - und als er sich endlich zur Braut wandte , schien er ein feuriger Cherub , gesendet , die Befehle des Herrn zu verkündigen ! » Viktorine de Lesdiguères , Zierde Deines Geschlechtes , fühle in Deinen Vorzügen die große Anforderung des Herrn ! Nicht , was Du erlebst , sondern , wie Du es erlebst - das sei Deine Frage vor Gott ! Ihre Beantwortung wird bestimmen , ob Du Deinen Schöpfer ehrst und ihm dankbar bist für die reichen Gaben , die er Dir gab , und die Dir zurufen : ein Vorbild zu werden jeder weiblichen und christlichen Vollkommenheit ! - Täusche uns nicht , « sagte er , zu ihr gebeugt , und seine Stimme bebte in Rührung - » Du bist eine schöne Hoffnung auf dem Wege Aller , die Dich kannten und - liebten ! « setzte er kaum hörbar hinzu . - Nach einer Pause schritt er zu den kirchlichen Ceremonien - und Beide waren vermählt . Nach den Beglückwünschungen der Königinnen und Prinzessinnen , zogen sich die hohen Herrschaften einige Augenblicke zurück , um dem Hofstaate und den jetzt verwandten Familien Raum zu ihren Gratulationen zu lassen . Später ward in den Gemächern der Königin Anna eine geistliche Musik aufgeführt , der die Neuvermählten , zwischen den Königinnen sitzend , beiwohnten . - Am andern Mittage brach der ganze Hof auf . Die junge Gräfin Crecy folgte an der Seite ihres Gemahls , in einer Karosse , mit zwei Kavalieren und zwei Damen der Königin , dem Triumphzuge dieser kriegerischen Vergnügungsreise nach Nancy , dem ersten Ruhepunkte des glänzenden Hauptquartieres . Die Begebenheiten des zweiten holländischen Feldzuges zu schildern , gehört der Geschichte an . Wir haben keine Berechtigung , in das romantische Bild der Zeit und die Erzählungen der Schicksale einzelner Privatpersonen , die ihr angehörten , die große Katastrophe zu verflechten , die einen für sich abgeschlossenen , achtungsvollen Raum begehrt . Nur in so fern diese kleineren menschlichen Begebenheiten , die uns vorliegen , sich an diese größeren Zustände anschließen , sei es uns erlaubt , ihrer zu erwähnen . Obwol der Nymweger Frieden , der diesen Feldzug endete , erst sieben Jahre später geschlossen ward , so blieb doch der König und der Theil seines Gefolges , der blos als Hofstaffage des Krieges diente , nicht so lange von seinem glänzenden Schauplatze , von Paris - oder vielmehr von Versailles getrennt , welches Letztere immer mehr in seinem Werthe die übrigen königlichen Besitzungen überbot ; da die ungeheuern Summen , die an seine Verschönerung verschwendet wurden , es allerdings nach dem damaligen Geschmacke , zu dem prachvollsten Königssitze Europas umschufen . Auch war mit der Gegenwart des Königs bei der Armee , die mit dem Winter endete , die Idee , die Frankreich und er selbst nöthig hatte , vollkommen erfüllt . Der persönliche Muth , den er bei mehreren Veranlassungen gezeigt , der glückliche , klare Blick bei schnellen Entscheidungen , die Gewandtheit , womit er anzuregen und hinzureißen verstand , und die imponirende Hoheit , mit der er wieder eben so dem wildesten Strome , den heftigsten Ausbrüchen der Leidenschaften Einhalt zu thun wußte - diese seltene Vereinigung hatte den König in den Augen seines ganzen Volkes zu dem Helden erhoben , den er nothwendig darstellen mußte , um dem Ehrgeize Aller Genüge zu leisten . Jetzt hatten sie über ihn abgeschlossen ,