, die schöne Franziska Howard ? Komm , komm ! Du entgehst Deinem Schicksal nun nicht , bist Du doch von seinem Blute ! Ha , die Rache ist süß , sehr süß . - Gierig streckte sie die Hand aus und ergriff Maria ' s Gewand , welche , vergeblich mit dem Entsetzen kämpfend , ihre Knie wanken fühlte und , als die kalte Hand des Weibes ihren Hals umspannte , ihrer Sinne beraubt zur Erde sank . Als sie die Augen wieder aufschlug , leuchtete der frühe Morgen matt durch das hohe Fenster . Langsam kehrte ihr Bewußtsein zurück , und sie sah nun , daß sie in dem großen Himmelbette ihres Schlafgemachs lag , und daß mehrere Personen um sie beschäftigt waren . Ein Versuch , sich zu bewegen , ließ sie einen Schmerz und eine Lähmung ihres Armes fühlen , und jetzt überzeugte sie sich , daß man daran eine Ader geöffnet , woraus das Blut sich vor ihr in ein Becken ergoß . Es waren dies Alles die Wahrnehmungen eines noch halb ohnmächtigen Geistes , der sich selbst noch nicht wieder vereinigt fühlt mit den Zuständen des Körpers . Sie erkannte den Reisegefährten , der die Lanzette geführt hatte ; sie sah Margarith auf ihren Knien , das Becken haltend ; sie fühlte sich in den Armen einer fremden Frau , deren mildes schneeweißes Gesicht sich dicht neben dem ihrigen zeigte ; aber sie hätte sich nicht gleichgültiger dabei fühlen können , wenn sie eine mit diesen Gegenständen bemalte Holztafel gesehen hätte . Nachdem der nöthige Verband umgelegt war und sie aus den Armen der Frau sanft in die Kissen sank , und die grünen Vorhänge des Bettes sie in eine angenehme Dämmerung hüllten , sanken ihre Augenlieder ermattet nieder ; der Schlaf trat an die Stelle der tiefen Ohnmacht und vereinigte den durch Schrecken verstörten Geist mit dem genesenden Körper . Nach einem langen und erquickenden Schlaf erwachte das Fräulein mit der angenehmen Empfindung wieder hergestellter Kräfte . Die Ruhe , die außerhalb der Vorhänge ihres Bettes herrschte , war indeß eine Wohlthat , welche sie sich zu verlängern suchte , da ihr Geist sogleich zu arbeiten begann , um theils die Begebenheiten der letzten Stunden sich zurück zu rufen , theils ihre Beziehungen zu sich selbst herauszufinden . Aber ihre Phantasie hatte vor dem letzten Ereigniß einen zu tiefen Eindruck empfangen , um nicht immer darauf zurück kommen zu müssen . Der Name Franziska Howard , den die grauenvolle Erscheinung sich beigelegt , gehörte einem Wesen , dessen Name mit jenem tiefen Abscheu in England genannt ward , womit man Verbrechen bezeichnet , die in einer zu hohen Sphäre sich begeben , um in ihrer ganzen Wahrheit zur Anschauung des Volkes zu gelangen . Maria war damit unbekannt , aber wenn sie den Aeußerungen dieser elenden Frau nachdachte , ward ihr die Ahnung eines durch Gewissensvorwürfe gestörten Geistes . Schaudernd dachte sie an die Nähe dieser Furie , die in ihren Phantasien sie zu einem bekannten Gegenstande ihrer Wuth gestempelt hatte . Natürlich prüfte sie jetzt ihre ganze übrige Lage , und was unter so bedrohlichen Umständen ihr etwa noch für Schutz geblieben sei , und bei dem Zurückkommen auf diesen Gegenstand , fühlte sie sogleich eine lebhafte Anerkennung der von Margarith und Miklas ihr bewiesenen Sorgfalt . Es war klar , daß Miklas die Thür verwahrt hatte , sie vor dem umherwandernden Spucke zu schützen , daß Margarith , davon unterrichtet , vielleicht um sie nicht zu beunruhigen , den Grund verschwiegen , ihr eigener Ungestüm aber diese gütige Vorsorge verhindert hatte , da durch ihr Geräusch an der Thür und ihr Rufen offenbar der schreckliche Gegenstand herbei gezogen worden war . Erwärmt von dem Gefühl , hier eine ihr zugewendete gute Absicht anerkennen zu dürfen , und lebhaft bewegt von dem Wunsche , das dabei von ihr selbst Verschuldete gut zu machen , griff sie schnell in die Vorhänge des Bettes , und sie zurückdrängend , sah sie Margarith an dem Fußende ihres Bettes auf einem niedrigen Stühlchen sitzen und an dem Netze knöpfeln , das auf ihren Knien ruhte . Ein freudiger Ausruf des lieben Mädchens begleitete ihr Aufblicken , und an dem Bette niederstürzend küßte sie kindlich jubelnd die Hände ihrer Lady und konnte nicht müde werden , sich über ihre gehoffte Genesung zu freuen . Aber , setzte sie schüchtern hinzu , theure Lady , zürnt Ihr mir und meinem alten Vater auch nicht mehr ? Gutes Kind , erwiederte Maria , wie rührt mich Deine Sanftmuth und Güte , da ich allein die bin , die über Dich so viel Schrecken brachte , indem ich die Vorsorge Deines Vaters und Deine eigene Schonung verkannte , in meiner Heftigkeit nur mir selbst folgte und Alles dadurch herbei zog , wogegen Ihr mich zu behüten trachtet . Vergieb Du mir dagegen und sei gewiß , ich werde Deine guten Absichten nicht wieder mißverstehn . Ach , theure Lady , Ihr seid wie ein heil ' ger Engel , rief Margarith , wie hätte ich Euch wol zu vergeben ? Gottes Gnade und die heil ' ge Jungfrau haben uns ihren Schutz verliehen , sonst wären wir freilich unterlegen . Aber wie konntet Ihr auch das ahnen , was wir erlebt ? Wer es kennt , glaubt es kaum ! - Sage mir , liebe Margarith , wenn es Deine Pflicht nicht überschreitet , unterbrach sie Maria , wer war die gräßliche Person , die uns erschreckt hat , und warum genießt sie bei ihrer Geisteszerrüttung die Freiheit , hier umher zu gehn ? - Ach , theure Lady , wer möchte die ihr nehmen , da sie die Herrin des Schlosses , unsere gnädige Gebieterin ist . - Die Herrin des Schlosses ? rief Maria erschrocken . - Ja , so ist es . Die Lady ist sehr reich , und ihr Gemahl nun schon viele Jahre im Grabe , obwol ich noch recht gut mich des lieben schwermüthigen