Kloster erwartete ihn ein andrer Verdruß . Bei der Säkularisierung hatte man für die katholische Umgegend den Gottesdienst in der Kirche erhalten , der Weg zu ihr führte quer durch das nunmehrige Wohnhaus , und sie selbst befand sich hart an den Geschäftszimmern des Besitzers . Seinem Sinne , welcher dem Kirchlichen durchaus abgeneigt war , wurde nun täglich die Pein , einen Zug Andächtiger durch das Haus wandern zu sehn , und das Klingeln der Messe vernehmen zu müssen . Um so unangenehmer für ihn , als er den katholischen Kultus eigentlich geradezu haßte , da dieser die Menschen nach seiner Meinung zum Unfleiße verführe . Schon mehrmals hatte er versucht , sein Eigentum von jener Last zu befreien , hatte sich selbst erboten , den Katholiken eine neue Kirche bauen zu lassen , allein die Geistlichkeit , wohl wissend , wie ersprießlich ihrer Sache ein traditionelles Altertum sei , war dagegen stets auf das Bestimmteste eingekommen , und die Behörden konnten wohlerhaltne Rechte nicht aufheben . Mit allem Gelde vermochte er daher nicht , sich vor den Reminiszenzen des Adels und der Kirche zu schützen , über deren Eigentum der Zeitgeist ihn zum Herrn gemacht hatte . Unter den protestantischen Arbeitern aber tat sich eine neue Wirkung umgestalteter Lebensverhältnisse auf , die dem Oheim fast noch unleidlicher war , als der unter seinen Augen sich rührende Katholizismus . Die sitzende Lebensart , welche an die Stelle der Bewegung in freier Luft getreten war , hatte bei vielen den Boden für die pietistische Richtung zubereitet ; einige Werkmeister , welche von der Wupper kamen , brachten den Samen mit , und bald war eine zahlreiche stille Gemeine entstanden , in welcher die Erweckten predigten , und jedermann mit der Gnade des Herrn , dem Blute des Lamms , und wie die Schlagworte jener Herde sonst noch heißen mögen , gewandt umzuspringen wußte . In Hermann , welcher alle diese Unanehmlichkeiten kennengelernt hatte , regte sich der alte Eifer , zu helfen . Der Oheim bezeigte sich immer freundlicher gegen ihn , sein Widerwille schien verschwunden zu sein , er hatte die Gesellschaft unsres Abenteurers gern , und schenkte ihm über manche Dinge Ver-traun . Dieser bedachte nun schon dankbar im stillen , wie das Fräulein dennoch zur Verlegung ihres Wohnsitzes auf eine zarte Weise zu vermögen , das Naturell des wilden Knaben in die dem Oheim gefälligen Wege zu leiten , und die widerstrebende Geistlichkeit biegsamer zu machen sein möchte , hatte auch über alle diese Dinge bei sich einen Plan entworfen , in welchem jedes Hindernis beseitigt war , als ihn eine Mitteilung des Edukationsrats stutzig und an diesen wohlgemeinten Entwürfen irremachte . Es war ihm aufgefallen , daß der Rektor ihn sichtlich vermied , und wenn er nicht ausweichen konnte , ihm nur mit Widerstreben Rede stand . Da er sich nun durchaus keiner Verschuldung gegen den Schulmann bewußt war , so mußte er den Grund zu jenem Betragen in einer allgemeinen Verstimmung des Alten suchen . Er fragte den Edukationsrat bei Gelegenheit danach , worauf dieser versetzte : » Allerdings hat meinen Freund das schlimmste Schicksal betroffen . Ein wundersam scheinendes Glück führte nur dazu , sein Hauswesen heftig zu erschüttern , wo nicht von Grund aus zu zerstören . Jener totgeglaubte , aus Rußland zurückkehrende Sohn wurde von den Eltern , die ihn gleichsam aus dem Grabe wiederempfingen , mit einer Mischung von Liebe , Graun und Mitleid aufgenommen . Der Vater , durch Ihren Brief benachrichtigt , kaum seiner mächtig , holte den Verlornen aus der Hirtenhütte ab , welche der Unglückliche eben hatte verlassen wollen , um in die weite Welt zu schweifen . Man erschrak über seine Gestalt , sein Wesen , hoffte aber durch Sorgfalt und Pflege ihn wieder zum Menschen zu machen . Aber es zeigte sich bald , daß diese Hoffnungen eitel gewesen waren . Der Elende hatte zu viel gelitten , sein Physisches und Moralisches war zerrüttet . Bald mußten die Eltern zu ihrem Schmerze sich überzeugen , daß Eduard zwar alles Liebe und Gute , was ihm geboten wurde , sich gefallen ließ , daß aber kein dankbares Gefühl in seiner Seele dadurch geweckt wurde . Nur die Not und das Elend schienen ihn noch aufrecht gehalten zu haben , sobald ihn das bequeme , gemächliche Leben im väterlichen Hause umfing , brachen jene herben Stützen zusammen , und er versank von Tage zu Tage mehr . Ein unmäßiger Hang zu geistigen Getränken begann sich zu äußern , den der Verwilderte auf alle Weise heimlich zu befriedigen wußte . Bald nahm man Spuren des Irrsinns wahr , der endlich zur Tobsucht führte . Die Paroxysmen dieses Zustandes zerstörten die letzten Kräfte der Seele ; es folgte eine stille Verrücktheit , in welcher er , unschädlich , willen-und gedankenlos , nur noch so fortbrütet . Die Eltern haben ihn aus dem Hause und zu guten Leuten getan , welche ihn verpflegen und am Morgen bei hellem Wetter in die Sonne setzen , wo er dann , ohne sich zu bewegen , oder zu sprechen , den Tag über sitzen bleibt . Der Gram über dieses Geschick warf die Mutter auf ein Krankenlager , von dem sie nur langsam , schwer , erstanden ist . Der Unglückliche hatte den Stoff so mancher Ansteckung in die Familie gebracht , die Wirkung seines Aufenthalts ist die übelste auf die jüngeren Knaben gewesen . Zwischen den Konrektor und Wilhelminen trat er wie ein Gespenst ; sie gaben einander nach heftigen Zwistigkeiten ihr Wort zurück , und der Verlobtgewesene hat sich einen andern Wohnort gesucht . Kurz , diese Vorfälle bestätigen die Lehre , daß keiner heimkehren muß , wenn er nicht mehr vermißt wird . « » Sie bestätigen noch eine andre Lehre ! « rief Hermann sehr traurig aus . » Man soll die Hände in den Schoß legen , und nichts für andre sinnen und tun ; dann ist man sicher , daß man ihnen nicht schadet . Was in