wie der Haushofmeister den jungen Grafen abgerufen hatte , und erwarteten mit einiger Unruhe seine Rückkehr . Nach einigen Minuten erschien er wieder im Saale , und Ernst und Unruhe hatten sich auf seiner Stirn gelagert . Zwei ehemalige Regimentskameraden , sagte er zu seinem Oheim , bitten mich für diese Nacht um Gastfreundschaft , die natürlich ich nicht ohne Ihre Erlaubniß gewähren kann , und ich komme deßhalb - - Lieber Vetter , unterbrach ihn der Graf mit leichtem Unwillen , bedarf es noch einer Frage , ob mir Ihre Freunde willkommen sein werden . So erlauben Sie mir , erwiederte sein Verwandter mit einiger Verlegenheit , mich für heute mit ihnen zurückzuziehen und für die Bequemlichkeit meiner Gäste in Ihrem Hause zu sorgen , denn der eine ist nicht wohl ; doch , hoffe ich , wird er sich nach der Ruhe der Nacht erholen , und ich werde Ihnen , ehe sie weiter reisen , Beide vorstellen können . Er verließ nach diesen Worten von Neuem den Saal , der Graf blickte ihm verwundert nach . Der Prediger war so lebhaft aufgeregt von diesem Vorfalle und versenkte sich in so tiefes Nachdenken darüber , was dieser geheimnißvolle Besuch zu bedeuten haben könne , daß er die sehr merklichen Winke des Arztes übersah , der sich ebenfalls mit ihm zu entfernen und ihm etwas anzuvertrauen wünschte . Der Graf konnte sich einer leichten Unruhe nicht erwehren ; er vermuthete , daß dieser Besuch mit Verbindungen im Zusammenhange stehe , in die sich sein Verwandter , wie er wußte , eingelassen hatte , und er fürchtete , daß vielleicht eine Unbedachtsamkeit den jungen Mann in Verantwortung bringen und ihn selbst mit hinein ziehen könne . Er wurde also nachdenkend und still , und es gelang endlich dem Arzte , den Prediger auf sein Zimmer zu führen , um ein wichtiges Geheimniß in dessen Busen niederzulegen . Endlich , fing er triumphirend an , bester Herr Prediger , kann ich Ihren lang gehegten Wunsch befriedigen und Ihnen den vollständigsten Aufschluß über eine Sache geben , die Sie sich so oft vergeblich bemüht haben zu erfahren . Und über welche Sache wäre Ihnen dieß möglich ? fragte der Geistliche mit Spannung . Ueber die wunderbare Verwundung unseres guten Herrn St. Julien , erwiederte der Arzt mit selbstgefälligem Lächeln . Was haben Sie darüber erfahren , fragte mit Eifer der Pfarrer , und bei welcher Gelegenheit ? Sie wissen , antwortete der Arzt , ich kümmere mich nicht sonderlich um die Angelegenheiten der Menschen , wenn sie nicht mit meiner Kunst zusammenhängen , und ich würde auch dieß Mal um meinet Willen nicht so aufmerksam darauf gewesen sein , denn für mich ist es die Hauptsache , daß ich den jungen Mann hergestellt habe . Wie er zu seinen Wunden gekommen , ist mir eigentlich gleichgültig , aber die Freundschaft hat ihre Rechte . Also um Ihret Willen , bester Freund , hörte ich genau hin und prägte mir die ganze Unterredung an der Tafel des Kommandanten so genau ein , daß ich sie Ihnen Wort für Wort wiederholen kann . Er that dieß hierauf mit großer Umständlichkeit und fragte mit selbstzufriedenem Lächeln , als er geendigt hatte , seinen aufmerksamen Zuhörer : Was sagen Sie nun , habe ich nun nicht den Zusammenhang der ganzen Sache zu Ihrer Kenntniß gebracht , und bin ich gänzlich unfähig , wie Sie so oft behauptet haben , einer Sache meine Aufmerksamkeit zu schenken , die nicht mit meiner Wissenschaft zusammenhängt ? Und halten Sie denn diese Erklärung für die aufrichtige , wahre ? fragte der Geistliche etwas verächtlich . Die geringste Ueberlegung hätte Ihnen ja sagen müssen , daß , wenn sich die Sache so verhielte , St. Julien keine Ursache gehabt hätte , sie uns allen so ängstlich zu verschweigen , und daß er uns , wenn dieß der richtige Zusammenhang der Sache wäre , diese Mittheilung denselben Tag gemacht haben würde , an welchem Sie ihm zu sprechen erlaubten . Mann , Sie haben Recht ! rief der Arzt , von seinem Sitze aufspringend , Sie sind ein wahrer Macchiavell an Scharfsinn . Bedeutend ist in Ihrem Berichte , erwiederte der Prediger , daß die erwähnten Italiener des jungen Mannes Verwandte sind . Nun , fuhr er nach einigem Nachdenken fort , ich gebe es noch nicht auf , der Sache auf den Grund zu kommen , so wie manchem Geheimnißvollen in diesem Hause . Sagen Sie mir doch morgen , wenn Sie nach dem Dorfe reiten , um Ihre Kranken zu besuchen , ob die heut angekommenen Gäste auf dem Schlosse geblieben sind . Auf den Fall würde ich doch morgen wieder herkommen , um sie mir anzusehen . Der Arzt gab das verlangte Versprechen , und der Pfarrer trennte sich von ihm in wohlwollender Stimmung . XIII Es waren kaum einige Minuten verflossen , nachdem der Prediger den Arzt verlassen hatte , und dieser fing eben an sich auszukleiden , wobei er aus tiefster Brust in abwechselnden Tönen gähnte , als seine Thüre geöffnet wurde und Graf Robert zu seinem Erstaunen bei ihm eintrat . Bester Herr Doktor , redete ihn dieser mit verstörter Miene an , mit Angst und Sorgen habe ich gewartet , bis der Prediger Sie verlassen hat , um Ihre Hülfe in Anspruch zu nehmen . Ich weiß , Sie sind ein verschwiegener Mann und treuer Freund . So weit die Welt mich kennt , sagte der Arzt , sich in die Brust werfend , wird mir Niemand diese Eigenschaften absprechen . Eben darum , erwiederte der junge Graf , nehmen wir unsere Zuflucht zu Ihnen . Einer meiner jungen Freunde ist in eine Ehrensache verwickelt , ein Duell war die Folge , in dem er verwundet worden ist . Er scheint sehr zu leiden und weigerte sich doch standhaft , Sie früher um Ihren Beistand zu bitten , als bis Sie allein sein würden , denn Verschwiegenheit ist in seiner Lage durchaus nothwendig . Sie