Zeugnis , was der zu Deinen Füßen erstreckte Pfeil Dir gibt . Was im Paradiese erquickender , der Himmelsbeseligung entsprechender sei : Ob Freunde wieder finden und umgebende Fülle seliger Geister , oder allein die Ruhe genießen , in welcher der Geist sich sammelt , in stiller Betrachtung schwebend über dem , was Liebe in ihm erzeugt habe , das ist mir keine Frage ; denn ich eile unzerstreut an den einsamsten Ort , und dort das Anlitz in die betenden Hände verbergend , küsse ich die Erscheinung dessen , was mein Herz bewegt . Ein König wandelte durch die Reihen des Volkes , und wie Ebbe und Flut es erheischen , so trug die Woge der Gemeinheit ihn höher , aber ein Kind , vom Strahl seiner Augen entzündet , ergriff den Saum seines Gewandes und begleitete ihn bis zu den Stufen des Thrones , dort aber drängte das berauschte Volk den unschuldigen , ungenannten , unberatnen Knaben zurück hinter der Philister aufgepflanzte Fahnenreihe . - Jetzt harret er auf die einsame Stätte des Grabes , da wird er die Mauern um den Opferaltar hochbauen , daß kein Wind die Flamme verlösche , während sie , der Asche des Geliebten zu Ehren , die dargebrachten Blumen in Asche verwandelt . Aber Natur ! Bist du es , die den Aufgelösten verbirgt ? - Nein ! nein ! Denn die Töne , die der Leier entschweben , sind dem Lichte erzeugt und der Erde entnommen , und wie das Lied , entschwebt auch der geliebte Geist in die Freiheit höherer Regionen , und je unermeßlicher die Höhe , je endloser die Tiefe dessen , der liebend zurückbleibt , wenn nicht der befreite Geist ihn erkennt , ihn berührt , ihn weihet im Entfliehen . Und so mir , o Goethe , wird die Verzweiflung den Busen durchschneiden , wenn , am einsamsten Orte verweilend , ich dem Genuß Deiner Betrachtung mich weihe , und die Natur um mich her wird ein Kerker , der mich allein umschließt , wenn Du ihm entschwebt bist , ohne daß Dein Geist , der Inhalt meiner Liebe mich berührt habe . O tue dem nicht also , sei nicht meiner Begeistrung früher erstorben , lasse das Geheimnis der Liebe noch einmal zwischen uns erblühen ; ein ewiger Trieb ist außer den Grenzen der irdischen Zeit , und so ist meine Empfindung zu Dir ein Urquell der Jugend , der da erbrauset in seiner Kraft und sich fortreißt mit erneuten Lebensgluten bis an das Ende . Und so ist es Mitternacht geworden bei dem Schreiben und Bedenken dieser letzten Zeilen , sie nennen es die Silvesternacht , in der die Menschen einen Augenblick das Fortrücken der Zeit wahrnehmen . Nun bei dieser Erschütterung , die dem Horn des Nachtwächters ein grüßendes Zeichen entlockt , beschwöre ich Dich : denke von diesen geschriebenen Blättern , daß sie wie alle Wahrheit wiederkehren aus vergangner Zeit . Es liegt hier nicht ein bloßes Erinnern , sondern eine innige Verbindung mit jener Zeit zum Grund . Wie der Zauberstab , der sich aus dem Strahl liebender Augen bildet und den Geliebten aus der Ferne berührt , so bricht sich der Lichtstrahl jener frühen Zeit an meiner Erinnerung und wird zum Zauberstab an meinem Geist . Eine Empfindung unmittelbarer Gewißheit , meines eigensten wahrhaftesten Lebens Ansicht , ist für mich diese Berührung aus der Vergangenheit ; und während Schicksal und Welt nur wie Phantome im Hintergrund nie wahrhaften Einfluß auf mich hatten , so hat der Glaube , als sei ich Dir näher verwandt , als habe Dein Sehen , Dein Hören , Dein Fühlen einen Augenblick meinem Einfluß sich ergeben , allein mir zur Versicherung meiner selbst verholfen . Der Weg zu Dir ist die Erinnerung , durch sie wirke ich an einer Gemeinschaft mit Dir , sie ist mir Erscheinung und Gegenerscheinung ; Geistergespräch , Mitteilung und Zuneigung , und was mir damals ein Rätsel war , daß ich bei zärtlichem Gespräch mehr den Bewegungen Deiner Züge lauschte , als Deinen Worten , daß ich Deine Pulsschläge , Dein Herzklopfen zählte , die Schwere und Tiefe Deines Atems berechnete , die Linien an den Falten Deiner Kleider betrachtete , ja den Schatten , den Deine Gestalt warf , mit Geisterliebe in mich einsog , das ist mir jetzt kein Rätsel mehr , sondern Offenbarung , durch die mir Deine Erscheinung um so fühlbarer wird und die auch mein Herz bei der Erinnerung zum Klopfen und den Atem zum Seufzen bewegt . Sieh ! An den Stufen der Verklärung , wo sich alle willkürliche Tätigkeit des Geistes niederbeugen läßt von irdischer Schwere , keine Liebe , keine Bewunderung ihre Flügel versucht , um die Nebel zu durchdringen , in die der Scheidende sich einhüllt , und die zwischen hier und jenseits aufsteigen , bin ich in liebender Ahnung Dir schon vorangeeilt , und während Freunde , Kinder und Schützlinge , und das Volk , das Dich seinen Dichter nennt , die Seele zum Abschied bereitend , Dir in feierlichem Zug langsam nachschreitet , schreite , fliege , jauchze ich bewillkommend Dir entgegen , die Seele in den Duft der Wolken tauchend , die Deine Füße tragen , aufgelöst in die Atmosphäre Deiner Beseligung ; ob wir uns in diesem Augenblick verstehen , mein Freund ! Der noch den irdischen Leib trägt , dieser Leib , der seinen Geist , ein Urquell der Grazie , ausströmte über mich , mich heiligte , verwandelte , der mich anbeten lehrte die Schönheit im Gefühl , der diese Schönheit als einen schützenden Mantel über mich ausbreitete und mein Leben unter dieser Verhüllung in einen heiligen Geheimniszustand erhgb , ob wir uns verstehen , will ich nicht fragen in diesem Augenblick tiefster Rührung . Sei bewegt , wie ich es bin ; laß mich erst ausweinen , Deine Füße in meinen Schoß verbergend , dann ziehe mich herauf ans Herz , gib Deinem Arm noch einmal die Freiheit , mich zu umfassen , lege