ich fühlte mich gedrungen , einen vornehmern Stand anzuerkennen und den Pudel Ponto zu diesem Stande zu rechnen . - Ein genialer Kopf wie der meinige hat bei jedem Anlaß , bei jeder Lebenserfahrung immer seine besonderen eigentümlichen Gedanken , und so geriet ich auch , meine innere Seelenstimmung , mein ganzes Verhältnis mit Ponto wohl überlegend , in allerlei sehr artige Betrachtungen , die der ferneren Mitteilung wohl wert sind . - » Wie kommt es , « sprach ich zu mir selbst , indem ich sinnig die Pfote an die Stirn legte , » wie kommt es , daß große Dichter , große Philosophen , sonst geistreich , lebensweise , sich im sozialen Verhältnis mit der sogenannten vornehmeren Welt so unbehilflich zeigen ? Sie stehen jederzeit da , wo sie eben in dem Augenblick nicht hingehören , sie sprechen , wenn sie gerade schweigen sollten , und schweigen umgekehrt da , wo gerade Worte nötig , sie stoßen in der Form der Gesellschaft , wie sie sich nun eben gestaltet hat , entgegengesetztem Streben überall an und verletzen sich selbst und andere ; genug , sie gleichen dem , der , wenn eben eine ganze Reihe muntrer Spaziergänger einträchtig hinauswandelt , sich allein zum Tore hineindrängt und nun , mit Ungestüm seinen Weg verfolgend , diese ganze Reihe verstört . Man schreibt , ich weiß es , dies dem Mangel gesellschaftlicher Kultur zu , die am Schreibtische nicht zu erlangen , ich meine indessen , daß diese Kultur gar leicht zu erlangen sein , und daß jene unbesiegbare Unbehilflichkeit wohl noch einen andern Grund haben müsse . - Der große Dichter oder Philosoph müßte es nicht sein , wenn er seine geistige Überlegenheit nicht fühlen sollte ; aber ebenso müßte er nicht das jedem geistreichen Menschen eigne tiefe Gefühl besitzen , um nicht einzusehen , daß jene Überlegenheit deshalb nicht anerkannt werden darf , weil sie das Gleichgewicht aufhebt , das stets zu erhalten die Haupttendenz der sogenannten vornehmeren Gesellschaft ist . Jede Stimme darf nur eingreifen in den vollkommenen Akkord des Ganzen , aber des Dichters Ton dissoniert und ist , kann er unter andern Umständen auch ein sehr guter sein , dennoch in dem Augenblick ein schlechter Ton , weil er nicht zum Ganzen paßt . - Der gute Ton besteht aber so wie der gute Geschmack in der Unterlassung alles Ungehörigen . Nun meine ich ferner , daß der Unmut , der sich aus dem widersprechenden Gefühl der Überlegenheit und der ungehörigen Erscheinung bildet , den in dieser sozialen Welt unerfahrnen Dichter oder Philosophen hindert , das Ganze zu erkennen und darüber zu schweben . Es ist nötig , daß er in dem Augenblick seine innere geistige Überlegenheit nicht zu hoch anschlage , und unterläßt er dies , so wird er auch die sogenannte höhere gesellschaftliche Kultur , die auf nichts anders hinausläuft , als auf das Bemühen , alle Ecken , Spitzen wegzuhobeln , alle Physiognomien zu einer einzigen zu gestalten , die eben deshalb aufhört eine zu sein , nicht zu hoch anschlagen . Dann wird er , verlassen von jenem Unmut , unbefangen das innerste Wesen dieser Kultur und die armseligen Prämissen , worauf sie beruhet , leicht erkennen und schon durch die Erkenntnis sich einbürgern in die seltsame Welt , welche eben diese Kultur als unerläßlich fordert . - Auf eigne Weise verhält es sich mit den Künstlern , die , sowie Dichter , Schriftsteller , der Vornehme hie und da in seine Zirkel ladet , um der guten Sitte nach auf eine Art von Mäzenat Anspruch machen zu können . Diesen Künstlern klebt leider gewöhnlich etwas vom Handwerk an , und deshalb sind sie entweder demütig bis zur Kriecherei oder ungezogen bis zur Bengelhaftigkeit . « ( Anmerk . der Herausgeb . : - Murr , es tut mir leid , daß du dich so oft mit fremden Federn schmückst . Du wirst , wie ich mit Recht befürchten muß , dadurch bei den geneigten Lesern merklich verlieren . - Kommen alle diese Betrachtungen , mit denen du dich so brüstest , nicht geradehin aus dem Munde des Kapellmeisters Johannes Kreisler , und ist es überhaupt möglich , daß du solche Lebensweisheit sammeln konntest , um eines menschlichen Schriftstellers Gemüt , das wunderlichste Ding auf Erden , so tief zu durchschauen ? ) » Warum , « dacht ' ich ferner , » sollt ' es aber einem geistreichen Kater , ist er auch Dichter , Schriftsteller , Künstler , nicht gelingen können , sich zu jener Erkenntnis der höhern Kultur in ihrer ganzen Bedeutsamkeit hinaufzuschwingen und sie selbst zu üben mit aller Schönheit und Anmut der äußern Erscheinung ? - Hat denn die Natur dem Geschlecht der Hunde allein den Vorzug jener Kultur gegönnt ? Sind wir Kater , was Tracht , Lebensweise , Art und Gewohnheit betrifft , auch etwas von dem stolzen Geschlecht verschieden , so haben wir doch ebensogut Fleisch und Blut , Körper und Geist , und am Ende können es die Hunde auch gar nicht anders anfangen als wir , ihr Leben fortzusetzen . Auch Hunde müssen essen , trinken , schlafen u.s.w. , und es tut ihnen weh , wenn sie geprügelt werden . « - Was weiter ! - ich beschloß , mich dem Unterricht meines jungen vornehmen Freundes , des Pudels Ponto , hinzugeben , und , ganz mit mir einig , begab ich mich zurück in meines Meisters Zimmer ; ein Blick in den Spiegel überzeugte mich , daß der bloße ernste Wille , nach höherer Kultur zu streben , schon vorteilhaft auf meine äußere Haltung gewirkt . - Ich betrachtete mich mit dem innigsten Wohlgefallen . - Gibt es einen behaglichern Zustand , als wenn man mit sich selbst ganz zufrieden ist ? - Ich spann ! - Andern Tages begnügte ich mich nicht damit , vor der Türe zu sitzen , ich lustwandelte die Straße herab , da erblickte ich in der Ferne den Herrn Baron Alzibiades von