das Liebe sei und da dachte er an Dolores , und fand sein Verhältnis zu ihr so ganz ungestört , seine Neigung ganz ungeschwächt : er fand , daß ihm die Fürstin eine geistige Unterhaltung gewähre , die er nie bei Dolores gefunden und nie bei ihr vermißt habe . Die arme Fürstin allein fühlte ihre weibliche Natur erwachen . Sie hatte wohl eigentlich nie geliebt ; der Zufall hatte ihre Hand verschenkt , und ihre Schwachheit wurde nachher von gewandten Männern , wie der Minister , überlistet ; sie war noch so ganz unberührt in ihrem Wesen und es tat ihr so wohl , mit ihrem ganzen Wesen zu lieben . Kaum konnte sie sich eines Tages halten , als sie den Grafen auf einem Sofa in der Hitze eingeschlafen fand , ihm nicht um den Hals zu fallen . Sie hielt sich , denn sie war immer in ihrer Gewalt , doch sie war auch jetzt ganz entschlossen , ihrer Leidenschaft zu gewähren , doch also , daß der Graf dadurch in keiner Art von seiner Frau getrennt würde ; sie hielt sich und ihn für hinlänglich ihr überlegen , um jede Verbindung ihr leicht zu verstecken . Alles sehr wohl überlegt , nur war eins nicht berechnet , daß es einem Weibe sehr schwer wird , ihre Absichten einem Manne kund zu tun , der keine ähnliche hat , und daß die Liebe endlich über jede Überlegung hinaus steigen muß , weil eine hohe Natur sich am wenigsten so künstlichen Verhältnissen unterwerfen kann . Oft war sie ganz nahe , ihm alles zu bekennen , denn sie meinte , er verstehe sie schon ; da ergriff er plötzlich etwas so Fremdes , sprach so leidenschaftlich davon , daß sie es ihm bestreiten mußte . Nach solchen Streitigkeiten sagte er ihr einmal : » Es ist doch ein wesentlicher Unterschied zwischen Freundschaft und Liebe , daß uns in dieser alle kleinen Uneinigkeiten verhaßt sind , während uns dort selbst der Streit willkommen ist , weil er uns zu einem gemeinschaftlich Höheren zwingt ; die Liebe ist in sich zufrieden , die Freundschaft will immer mehr . « Der Fürstin kamen solche Betrachtungen sehr ungelegen , sie suchte auf mancherlei Art dem Grafen ihren Sinn für vertraulichere Verhältnisse darzutun , den er ihr einmal ganz abgesprochen hatte . Sie dichtete einen Morgengruß , den sie ihm an einem schönen Morgen vorsang ; er mußte dabei eine Stimme übernehmen . Morgengruß SIE : Wonne , Wonne , still in Schauern Dich umfangen , frische Luft , Sinnend auf die Strahlen lauern Spielend durch den Morgenduft . ER : Sonne , Sonne , dich belauern Glühendrot im Morgenduft . SIE : Atmen , Atmen , nahend Leben , Wellen in dem Ährenstrom , Wie des Morgensterns Erheben Sich verliert im blauen Dom . ER : Wie der Lerche laut Erheben Sich verliert im blauen Dom . SIE : Flügel , Flügel der Gedanken Heben mich zur Sonnenpracht ; Wie die Ströme silbern ranken , Aus der Berge Mondennacht . ER : Enge sind des Mondes Schranken , Weit , o weit die Sonne lacht . SIE : Blumen , Blumen , stille Wesen , Fülle winkt im tiefen Grund , Ihr zu Flammen auserlesen Sinkt auf seinen roten Mund . ER : Nieder müde Blüten tauen , Einen Strauß von ihrer Brust , Durch die Gluten sie zu schauen , Wirft der Liebe Sonnenlust . SIE : Atmen , Atmen , nahes Leben , Bebend Herz im Blumenstaat , Wie zwei Schmetterlinge schweben , Mund auf Mund gelebet hat . ER : Wonne , Wonne , still in Schauern Dich umfangen , hell Gesicht , Sonne , Sonne , soll es dauern , Wie mein Auge taucht in Licht . Aber das Wort wurde in ihm nicht zu Fleisch ; ganz mit der Dichtung und dem Gesange beschäftigt , lernte er alles ganz eifrig , und kaum hatte er beide Stimmen sich einstudiert , so beurlaubte er sich , um das Lied seiner Frau vorzusingen , und die Fürstin stieß mit dem Fuße gegen den Boden . Dolores fand es ungemein reizend , ihr Blick war verlangend und der Graf verstand ihn . Die Fürstin sah ärgerlich nach dem Ätna , als der Graf so lange ausblieb . Ihre Gedanken gönnten ihr alle die Zärtlichkeiten , die er ihr versagte , und sie fuhr wie aus einem tiefen Schlafe schreckhaft auf , als der Schreiber ihr das Tagebuch vorzulegen ins Zimmer trat . Sie fertigte ihn schnell ab , setzte sich an ihren Tisch , und schrieb einen Nachtgruß so feurig , als hätte sie die schönste Nacht verlebt , und doch in einer Melancholie getränkt , als wär es die letzte . Nachtgruß ER : O deinem Atemzuge Horche ich feiernd leis , Er hebet mich im Fluge Über den Erdenkreis . SIE : Dein Atem sanft im Schlafe Tönt in die Saiten ein , Du sprichst aus mir im Schlafe Worte , sie sind nicht mein . O lieblich waches Schlafen Einzige einige Ruh In der Gedanken Hafen , Singe , ich höre zu . ER : Der Alp , der mich gedrücket , Fliehet vor deinem Klang , Sein Roß mich fern anblicket , Hörst du den Hufschlag bang ; Du hörst mein Herz nun schlagen , Bebt nicht die Erd entzückt , Sie soll dem Himmel sagen , Wie sie so hoch beglückt . SIE : Du hauchest kühles Feuer Nieder in meine Ruh , Viel tönt mein Busen freier , Schlafe und träume du . Ich schweb in deinen Träumen Schon in dem Morgenrot , Und säusle in den Bäumen Mitten im Feuertod . ER : Ja wie ein wilder Leue Nächtlich im Walde brüllt , Bewachet er die Treue , Die ihm den Schmerz gestillt : So ruf ich an die Erde , Die mir mein Haus verschlang , Daß sie am heil ' gen Herde Uns dann zugleich umfang . SIE : Nein stürz