größte Glanzlicht , dafür daß er ihm zuliebe den Widerwillen gegen Raphaela ersticke ; und nahm sich vor , alle schönen Züge desselben unbemerkt aufzuschreiben , um sie als Rezepte nachzulesen , wenn er wieder knurren wolle . Die Gütergemeinschaft und Stuben-Verbrüderung wurde auf die hellsten Grenzverträge zurückgebracht , damit man am Morgen gleich anfangen könnte , beisammen zu sein . Schön bemerkte Vult , man müsse innerlich dem Zorne recht viel Platz machen , damit er sich abtobe und totrenne an den Gehirnwänden ; dann werde ja dem Menschen nichts leichter , als mit dem gestorbenen Wolf im Herzen ein weiches Lamm zu sein außen mit der Brust . Man könnte aber hier noch andere Bemerkungen machen , z.B. - Die starke Liebe will für Fehler nur bestrafen und dann doch vergeben - - Wenn mancher von kleinen Beleidigungen der Freundschaft zu tief getroffen wird : so ist daran bloß eine hassende Denkungsart über alle Menschen schuld , die ihn dann in jedem einzelnen Falle ergreift und diesen zum Spiegel des Ganzen macht . - - Die höchste Liebe kennt nur Ja und Nein , keinen Mittelstand ; kein Fegefeuer , nur Himmel und Hölle ; - und doch hat sie das Unglück , daß sie Geburten der Stimmung und des Zufalls , die nur zu Vorhimmel und Vorhölle führen sollten , zu Pförtnerinnen von Himmels- und Höllentoren macht - Beide kleideten voreinander die eigentümlichsten Gefühle in allgemeine Sätze ein . Aber als Vult hinter dem Schirme ins Bett einstieg , sagt er : » Versetze mir nichts darauf - denn ich stopfe mir eben die Ohren mit dem Kopfkissen zu - , aber ich glaube selber , ich hätte dich bisher noch besser lieben können . « - » Nein , ich dich « , schrie Walt . Nr. 56. Fliegender Hering Brief des Biographen - Tagebuch Gegenwärtiger Biograph der jungen Harnische bekam nach dem Abschlusse der vorigen Nummer ( des sogenannten Pfefferfraßes ) von dem Haßlauer Stadtrate vier neue - nämlich den fliegenden Hering 56 , den Regenpfeifer 57 , die Giftkuttel 58 und die Notenschnecke 59 - samt einem äußerst wichtigen Tagebuche Vults über Walt . Darauf antwortete er den trefflichen Testaments-Exekutoren folgendes , was durchaus als ein Zeitstück der Flegeljahre hereingehört . » P. P. Indem ich Ihnen , verehrlicher Stadtrat und Vollstrecker , die Ausarbeitung der 55sten Nummer Pfefferfraß zusende und den Empfang der vier neuesten Naturalien , der Nummern 56 , 57 , 58 , 59 , desgleichen des Vultischen Tagebuchs bescheinige : leg ' ich zugleich die vier Kapitel für das Nummern-Viereck bei , welche ich dadurch geliefert zu haben hoffe , daß ich das Vultische Tagebuch unzerzauset einwob und es durch Überschriften in Kapitel schnitt und andere Drucker-Sachen anflocht , z.B. Gänsefüße , um Vults jetzige Worte von meinen künftigen zu scheiden . Man griffe ohne weiteres meinen Charakter an , wenn Sie mich deshalb etwan einen Schelm , einen Naturalien-Räuber schölten und einen Arbeits-Knauser . Säh ' es ein verehrlicher Haßlauer Stadtrat etwan lieber - was so unmöglich zu glauben - , wenn ich den herrlichen Vult , einen zwar außen ungemalten , aber innen schön glasierten Sauertopf , mit meinen Töpferfarben umzöge ? Oder kann irgendein Testament ansinnen , daß ich einem fremden Charakter etwas aus meinem eignen vorstrecke ? Mich dünkt , ich und sämtliche poetische Weberschaft haben oft genug bewiesen , wie gern und reich wir jedem Charakter - und wär ' er ein Satan oder Gott - von unserem leihen und zustecken . Wir gleichen am wenigsten - dies dürfen wir sagen - jenem englischen Geizhalse , Daniel Dancer , welcher auf einen fremden Acker nichts von dem , was die Natur bei ihm übrig hatte , wollte fallen lassen , sondern wie toll vorher auf seinen eignen rannte mit der Sache . Sondern recht freudig leihet der Romancier alles , was er hat und was er ist , seinen geschriebenen Leuten ohne das geringste Ansehen der Person und des Charakters ! Folglich hätte wohl niemand Vults Tagebuch so gern umgeackert und besäet als ich , wär ' es nötig gewesen . Andere Gründe , z.B. Zeitmangel und Haus-Tumult , schütz ' ich nicht einmal vor , weil diese sich auf persönliche Vertrauungen gründen , womit man wohl schicklicher das Publikum als einen verehrlichen Stadtrat behelligt ; worunter aber in jedem Falle die Nachricht gehören würde , daß ich gestern nach meinem Wechselfieber des Wechsels - doch nur mit Städten - wieder aus Koburg abgezogen bin nach Bayreuth . Niemand muß überhaupt die Zeit mehr sparen als einer , der für die Ewigkeit nicht sowohl lebt - das tut jeder Christ- als schreibt . Wieviel Blattseiten lässet denn die Biographia britannica unseres Ichs der Historiole des Universums übrig ? - Wie ohnehin alles uns Dichter drückt , scheinen nur die alten Holzschnittschneider zu ahnen , wenn sie Bienen und Vögel - diese bildlichen Verwandten unsers Honigs und unsers Flugs - bloß als fliegende Kreuze zeichnen . Wer hängt an diesen Kreuzen als wir Kreuzträger , z.B. Ihr testierter Biograph , J. P. F. Richter ? « Bayreuth , den 13. August 1804 . * Jetzt geht Walts Geschichte so fort , nämlich Vults Wochenbuch fängt so an : » Ich schwöre hiemit mir , daß ich ein Tagebuch wenigstens auf ein Vierteljahr schreiben will ; hör ' ich früher auf , so strafe mich Gott oder der Teufel . Von heute - dem Tage nach dem gestrigen Einzuge - geh ' es an . Ja wenn mich der Gegenstand - nicht ich , sondern Walt - hinge , pfählte , knebelte , zerfetzte , nach Siberien schickte , in die Bergwerke , in die zweite Welt , in die dritte , ja in die letzte : so führ ' ich das Wochenbuch fort ; und damit ich nicht wanke , so will ich mit den Fingern , die man sonst dazu aufhebt , es herschreiben : Ich schwöre . Die Welt - welche aber nie dieses