- » Und wenn wir miteinander untergehen , wär es ein freundlicher Tod . « - Mit diesen Worten stieg ich in den Kahn , die Gräfin ruderte , und sagte : » Dies ist meine ganze Seemacht , ich wollte Sie mit meinem politischen Glauben bekannt machen , auf der Insel wird sich es aufweisen : - damit Sie sich aber zuerst etwas abhärten , wollen wir einmal um den Teich fahren . Violette , singe ein Liedchen ! « - Violette sang folgendes Lied : - Zu Bacharach am Rheine Wohnt eine Zauberin , Sie war so schön und feine Und riß viel Herzen hin . Und brachte viel zu schanden Der Männer rings umher , Aus ihren Liebesbanden War keine Rettung mehr . Der Bischof ließ sie laden Vor geistliche Gewalt - Und mußte sie begnaden , So schön war ihr Gestalt . Er sprach zu ihr gerühret : » Du arme Lore Lay ! Wer hat dich denn verführet Zu böser Zauberei ? « » Herr Bischof , laßt mich sterben , Ich bin des Lebens müd , Weil jeder muß verderben , Der meine Augen sieht . Die Augen sind zwei Flammen , Mein Arm ein Zauberstab - O legt mich in die Flammen ! O brechet mir den Stab ! « » Ich kann dich nicht verdammen , Bis du mir erst bekennt , Warum in diesen Flammen Mein eigen Herz schon brennt . Den Stab kann ich nicht brechen , Du schöne Lore Lay ! Ich müßte dann zerbrechen Mein eigen Herz entzwei . « » Herr Bischof , mit mir Armen Treibt nicht so bösen Spott , Und bittet um Erbarmen , Für mich den lieben Gott . Ich darf nicht länger leben , Ich liebe keinen mehr - Den Tod sollt Ihr mir geben , Drum kam ich zu Euch her . - Mein Schatz hat mich betrogen , Hat sich von mir gewandt , Ist fort von hier gezogen , Fort in ein fremdes Land . Die Augen sanft und wilde , Die Wangen rot und weiß , Die Worte still und milde , Das ist mein Zauberkreis . Ich selbst muß drin verderben , Das Herz tut mir so weh , Vor Schmerzen möcht ich sterben , Wenn ich mein Bildnis seh . Drum laßt mein Recht mich finden , Mich sterben wie ein Christ , Denn alles muß verschwinden , Weil er nicht bei mir ist . « Drei Ritter läßt er holen : » Bringt sie ins Kloster hin ; Geh , Lore ! - Gott befohlen Sei dein berückter Sinn . Du sollst ein Nönnchen werden , Ein Nönnchen schwarz und weiß , Bereite dich auf Erden Zu deines Todes Reis ' . « Zum Kloster sie nun ritten , Die Ritter alle drei , Und traurig in der Mitten Die schöne Lore Lay . » O Ritter , laßt mich gehen Auf diesen Felsen groß , Ich will noch einmal sehen Nach meines Lieben Schloß . Ich will noch einmal sehen Wohl in den tiefen Rhein , Und dann ins Kloster gehen Und Gottes Jungfrau sein . « Der Felsen ist so jähe , So steil ist seine Wand , Doch klimmt sie in die Höhe , Bis daß sie oben stand . Es binden die drei Ritter Die Rosse unten an , Und klettern immer weiter Zum Felsen auch hinan . Die Jungfrau sprach : » Da gehet Ein Schifflein auf dem Rhein , Der in dem Schifflein stehet , Der soll mein Liebster sein . Mein Herz wird mir so munter , Er muß mein Liebster sein ! « - Da lehnt sie sich hinunter Und stürzet in den Rhein . Die Ritter mußten sterben , Sie konnten nicht hinab , Sie mußten all verderben , Ohn Priester und ohn Grab . Wer hat dies Lied gesungen ? Ein Schiffer auf dem Rhein , Und immer hats geklungen Von dem drei Ritterstein : 7 Lore Lay , Lore Lay , Lore Lay , Als wären es meiner drei . Als wir an der Insel ausgestiegen waren , sagte die Gräfin : » Der Kahn ist so schlecht , aber ich liebe ihn und mag keinen andern , ich bin oft recht vergnügt auf ihm gefahren . « Nun kamen wir an das kleine runde Haus , es war ganz mit Epheu überzogen , auf dem runden Dache stand ein geflügeltes Pferd , das sich in die Höhe bäumt , auf ihm ein nackter Jüngling , und vor ihm zwei Liebesgötter , die das Pferd am Zügel niederziehen , auf dem Fußgestell aber war die Inschrift : Friedrich dem Einzigen » Sehen Sie meinen politischen Abgott , ich freue mich oft über meinen Witz , ich wollte den neugierigen Baumeister nicht in mein Geheimnis sehen lassen , denn eigentlich müßte es heißen , Friedrich dem Meinigen . Doch Lieber ! sei ' n Sie nicht böse , weil ich Sie wissen lasse daß ich vor Ihnen schon liebte . « - Wir gingen in das Häuschen , in dem es recht freundlich war aber da ich wußte , daß ich über einem Grabe saß , was mir die Gräfin verschwiegen hatte , konnte ich nicht ganz froh werden , - und das zubereitete Frühstück schmeckte mir nicht recht . - Siebenunddreißigstes Kapitel In dieser Umgebung lebte ich zwei Monden , während denen ich mehrere Streifzüge an den freudigen Ufern des Flusses und in das Land einwärts machte . Ich trat stets mit einer eignen Empfindung solche Wallfahrten an , denn die bunte Einsamkeit des Lebens bei der Gräfin machte mich immer zu einem weltfremden Menschen wenn ich durch die ruhige große Natur ging , die gar keine Gattung von Prinzipien hat , und deren Lust und Leid sich in einen schönen Wechsel von Jahreszeiten flechten . So oft ich zurückkehrte , behauptete die Gräfin , ich sei ein ganz neuer unbekannter Mensch , sie habe aber eine Ahndung oder Erinnerung von einer alten Bekanntschaft