Grabe - es war wieder Musik erlaubt allen Spieluhren und Spielleuten - alle Theater wären geöffnet worden , wäre eines dagewesen , oder der Hof verschlossen , der beständig spielte - und man konnte höhern Orts acht Tage ohne schwarzen Rand gehen und dekretieren - - Nachher nach dem erfrischenden Zwischenakt , wo man das Orchester , Punsch und Kuchen genoß , sollte wieder aufgeräumter ans Weinen und Trauerspielen gegangen werden . Der Fürst ritt am Morgen der langweiligen Einholungs-Wagenfahrt über die Grenze voraus mit Bouverot und Albano ; alle drei als die einzigen im Lande unabhängigen , bei dem Feste nicht interessierten Leute . Der arme Luigi ! Ich hab ' es schon im ersten Band des Titans sehr deutlich gesagt , daß der fürstliche Bräutigam , der heute die Decke beschlägt , bloß ein Landes-Vater sein kann , keiner für das Haus ; unter seinem Fürsten-Himmel ist wie auf der ersten Schachfelder-Gasse alles zu machen und zu regenerieren , Offiziere , selber die Schachkönigin , aber der Schach nicht . Es wäre zu wünschen - da der Umstand das Fest ins Lächerliche schattiert - , der Bräutigam könnte manchen ihn auslachenden alten Familien - die es so oft selber im heraldischen und medizinischen Sinne zugleich sind - zur Beschämung nur einige Dutzend von den Prinzen um den Traualtar gestellet zeigen , die er in Kalabrien , Wallis , Asturien , in der Dauphine ganz Europa war ihm eine - sitzen lassen , kurz in so vielen aktiven Erbländern , d.h. in den Erbinnen , nicht Erbschaften fremder Prinzen ; - könnt ' er das , so würd ' er vergnügter in die heutigen Glückwünsche dreinschauen , weil schon einige Dutzende Erfüllungen darneben ständen und zuhorchten . Aber wie das Bette des Marquis von Exeter in London , das 3000 Pfund kostet , die Marquisin in einen Thron verwandeln kann : so muß das die Fürstin auch tun , ohne es wie diese rückwärts verwandeln zu können . Ich will ihn daher auf dem heutigen Tanzplatz der Freude gar nicht als Bräutigam , sondern immer - so wie man Krone sagt ohne gekröntes Haupt - bloß als Bräutigamsrock aufstellen und vorführen , um ihn nicht lächerlich zu machen . - Albano ritt mit einer Brust voll Zorn , Verachtung und Bedauern neben diesem Opfertiere der schwarzen Staatskunst her und begriff bloß nicht , wie Luigi nicht den deutschen Herrn , diese gemietete Axt und diesen Wurzelheber seines Stammbäumleins , mit einem Fersenstoße weit von sich wegschlage . Guter Jüngling ! ein Fürst macht sich leichter von Menschen los , die er liebt , als von solchen , die er recht lange hasset ; denn seine Furcht ist stärker als seine Liebe . Der großherzige , nie eng- , immer weitbrüstige Jüngling fand heute in seiner feierlichen , schmerzlichen Stimmung alles Tragische , Edle und Unendle größer , als es war . Er zeigte zwar nur ein feuriges Auge und heiteres Angesicht , weil er zu jung und schamhaft war , persönlichen Schmerz prunkend auszulegen ; aber unter dem Auge , das sich nach der hohen Wetterscheide richtete , an der heute sein dunkles Gewölke auseinandergehen oder zu ihm herunterkommen sollte , brannte der Tropfe . Der heutige Abend , in den er so oft hineingesehen als in eine Hölle , und ebensooft als in einen Himmel , stand jetzt als ein verworrenes Mittelding von beiden so nahe , und doch hart an ihm ! - Ein Gewimmel verwandter Gefühle begleitete ihn zu der ( nach seiner Meinung unglücklichen ) Braut seines - Vaters und dieses Fürsten . Eine Viertels-Meile jenseits Hohenfließ fuhr schon ihr - Gibbon voraus , bekannt bei allen Naturforschern - nicht bei den Politikern - durch die langen Arme , welche bekanntlich dieser Molucken-Besitzer und Affe trägt . » Wo ist mein Gibbon ? « fragte die Fürstin gewöhnlich ( gesetzt , daß sie auch den englischen Namensvetter , den Geschichtsschreiber mit langen Nägeln und kurzen Sätzen gegen die Christen , in der Hand hatte ) , denn sie verlangte ihren Langarm . Endlich kam sie dahergesprengt - im Federbusch - im Reitrock - auf dem schönsten Engländer - eine große majestätische Gestalt , die , unbekümmert um ihr , obwohl mit Verwandten befrachtetes Cour-Gefolge , lieber der blauen Morgensonne hinter einem aufsteigenden Pferd- und Schwanenhals hatte entgegenschauen wollen . Sie gab dem Bräutigamsrock anständig Gruß und Kuß , aber weder gerührt noch verstellt noch verlegen , sondern recht frei und frank und froh , zu weit über die Lächerlichkeit ihres genealogischen Mißverhältnisses erhaben , ja sogar über jedes notdürftige oder gebotene . In ihrem sonst schön gebauten - mehr als schön gezeichneten - Gesichte war bloß ihre Nase es nicht , sondern eckig geschnitten und der regierenden Wochentäglichkeit mehr Knochen als Knorpel entgegensetzend . Bei den Weibern bedeuten ausgezeichnete , regellose Nasen , z.B. mit tiefem Wurzel-Einschnitt oder mit konkaven oder konvexen Biegungen oder mit Facetten am Knopfe u.s.w. , weit mehr für das Talent als bei den Männern ; und - wenige ausgenommen , die ich selber gesehen - mußte immer die Schönheit etwas dem Genie aufopfern , obwohl nicht so viel als nachher das fremde ihrer , wie wir Männer sämtlich wohl leider getan . Der Graf wurd ' ihr vom Fürsten vorgestellt ; aber sie hatt ' ihn - ob sie gleich von ihm gehöret und seinen Vater so lange gesehen hatte - nicht gekannt , sondern eher dem Bräutigamsrock ähnlich gefunden . Dem Rocke konnte - oder sollte - diese blühende Ähnlichkeit nicht anders als schmeicheln . Die Ähnlichkeit erklärt den schönen Anteil ganz , den sie jetzt an beiden nehmen mußte , weil zu einer Ähnlichkeit immer ein Paar Menschen gehören . Sie sprach mit dem Sohne ohne alle Verlegenheit über den von ihr und ihrem Hofe mit einem ( Blumen- ) Korbe beschenkten Vlies-Ritter und rühmte dessen Kenntnisse der Kunst . » Die Kunst « ( sagte sie ) » macht am Ende alle Länder gleich und angenehm .