nur von dem , was dem Menschen , nicht was an sich schön ist . - » Diesemnach könnten wir von keinem Dinge sagen es sey schön ; denn wie wollten wir die Stimmen aller Menschen , die jemals gelebt haben , jetzt leben , und künftig leben werden , darüber sammeln ? « - Auch ist dieß sehr unnöthig . Mir genügt daran , daß etwas mir schön ist ; erscheint es auch andern so , desto besser ; zuweilen auch nicht desto besser : denn man ist öfters in dem Falle , etwas Schönes gern allein besitzen zu wollen . Wie dem aber auch sey , genug daß es nun einmal nicht anders ist noch seyn kann , und daß wir von sehr vielen Dingen keinen andern Grund , warum wir sie für schön halten , anzugeben haben , als weil sie uns schön vorkommen , oder , genauer zu reden , weil sie uns gefallen . - » Ein Ding kann also zugleich schön und nicht schön seyn ? « - Nicht seyn , aber scheinen , so wie z.B. dem Gelbsüchtigen die Lilie , die allen gesunden Augen weiß ist , gelb zu seyn scheint . Was ich schön finde , kann allerdings andern , aus mancherlei Ursachen , mit Recht oder Unrecht , gleichgültig oder gar mißfällig seyn ; denn Vorurtheil oder Leidenschaft kann mich oder sie verblenden . Die Liebe verschönert und hat für jeden Fehler des Geliebten ein milderndes Wörtchen , das ihn bedeckt oder gar in einen Reiz verwandelt ; der Haß thut das Gegentheil . Mangel an Bildung und klimatische oder andere locale Angewohnheiten haben vielen Einfluß auf die Urtheile der Menschen über Schönheit und Häßlichkeit . Kurz , das Wort schön , welchem Gegenstand es beigelegt werden mag , bezeichnet bloß ein gewisses angenehmes Verhältniß desselben , besonders des Sichtbaren , Hörbaren und Tastbaren , zu einem in Beziehung mit demselben stehenden äußern oder innern Sinn ; weiter hinaus reicht unsre Erkenntniß nicht , oder verliert sich in dunkle Vorstellungen und leere Worte . Ein solches Wort scheint mir die angeborne Idee zu seyn , welche der Neffe des großen Aërobaten54 Plato für den Kanon55 des Schönen , und Plato selbst ( wenn ich ihn anders verstehe ) für einen in unsre Seele fallenden Widerschein eines ihm und uns unbegreiflichen Urbildes des Schönen ausgibt , welchem er in den überhimmlischen Räumen56 einen Platz unter den übrigen Ideen anweiset . Da diese Platonischen Offenbarungen auch mir ( wie dem wackern Euphranor ) nichts klärer machen , so halte ich mich an das , was ich auf dem Wege der Beobachtung der Natur im Geschäfte der Entwicklung und Ausbildung unsres Schönheitssinnes abgelauscht zu haben glaube . Ich nehme als etwas allgemein Wahres an , daß ein gewisser Grad von Licht , und die gänzliche Abwesenheit desselben , eine ganz lichtlose Finsterniß , die entgegengesetzten äußersten Gränzen bezeichnen , innerhalb welcher das Licht allen gesunden menschlichen Augen schön ist . Innerhalb dieser Gränzen ließen sich , wenn wir ein Werkzeug das Licht zu messen hätten , eine Menge Abstufungen andeuten , welche die Grade unsers Vergnügens am Licht , oder ( was eben dasselbe sagt ) die Grade seiner Schönheit bezeichnen würden . Indessen lehrt die Erfahrung , daß eine gewisse Abwechselung und Mischung der höhern Grade des Lichts mit dem niedrigsten dasjenige ist , was in dem großen Gemälde der Natur die angenehmsten Eindrücke auf uns macht . Der Grund hiervon liegt ohne Zweifel in der organischen Beschaffenheit unsers Auges , und mich dünkt , wir können uns dabei beruhigen , ohne tiefer in das Geheimniß der Natur eindringen zu wollen als sie uns erlaubt . Mit den Farben hat es eben dieselbe Bewandtniß . Der Anblick einer in tausendfältige Schattirungen von Grün gekleideten und von einem azurnen Himmel umflossenen Landschaft vergnügt unser Auge und däucht uns schön ; noch schöner der Himmel , wenn eine Menge leichter goldverbrämter Rosenwölkchen , wie schwimmende Inseln in einem hellblauen Meere , von Abend gegen Morgen langsam an ihm daherschweben ; am schönsten , wenn die Abendsonne durch ein dünnes Dunstgewölk in eine Glorie von zusammengefloss ' nen Regenbogen zu zerschmelzen scheint . Eine ähnliche Wirkung würde der Anblick der Erde thun , wenn Bäume , Gras und Kräuter , gleich einem mit den buntesten Blumen aller Art besetzten Gartenstück , einen unaufhörlichen Wechsel der lebhaftesten Farben in unsre Augen spielten . Wie entzückend aber auch ein solcher Anblick wäre , so sind doch unsre Gesichtswerkzeuge nicht dazu eingerichtet , so viel Schimmer und so lebhafte Farben in die Länge zu ertragen . Indessen erklärt sich daraus , warum uns die Natur im Frühling am schönsten erscheint ; weil nämlich die Färbung des magischen Gemäldes , das sie uns in dieser lieblichsten der Horen darstellt , zwischen dem einförmigen Blau und Grün , und einem allzu bunten und feurigen Farbenspiel gleichsam in der Mitte schwebt . Eben so , wie die Ursache der mehr oder minder angenehmen Wirkung des Lichts und der Farben in der Organisation unsers Auges zu suchen ist , scheint auch die allgemeine Erfahrung , daß gewisse Linien , Figuren und Körper dem Auge und der tastenden Hand angenehmer sind als andere , hauptsächlich in der natürlichen Beschaffenheit dieser Organe gegründet zu seyn . Warum gefällt uns eine sanftwallende Linie besser als eine gerade ? warum ein Cirkelbogen besser als ein Winkel ? Die Kreislinie mehr als das Eirund ? Wie man diese Fragen auch beantworte , am Ende müssen wir immer gestehen , die Einrichtung unserer Gesichts-und Gefühls-Werkzeuge bringe es nun einmal so mit sich . Eine gerade fortlaufende Linie , eine ebene ununterbrochne Fläche gefällt einen Augenblick , wird aber bald durch ihre Einförmigkeit langweilig ; das Winklichte beleidigt Gesicht und Gefühl ; ein sanfter Uebergang vom Ebnen zum Gebogenen schmeichelt beiden . Daher , daß uns das leichte Wallen eines sanftbewegten Wassers schöner däucht , als die schroffen in einander berstenden Wogen des empörten Meeres ; daher , daß