kamen die zwei großen Hunde in die Stube gefahren und sprangen mit Gewinsel an der hohen Gestalt des Herzogs hinauf . Er liebkoste ihre schönen Köpfe . » So ! Jetzt legt euch wieder ! Ihr meine Getreuen ! « Die Bracken , als hätten sie jedes Wort ihres Herrn verstanden , gingen Seite an Seite und mit ruhigem Schritt aus der Stube . In den Augen des alten Gleslin war ein tiefer Kummer . Was er da zwischen Vater und Sohn hatte spielen sehen , ließ ihn fast des wichtigen Pergamentes vergessen , das er zwischen seinen dürren , zitternden Händen hielt . Der Herzog mußte nochmals fragen : » Also ? Wie gefällt dir das ? « Gleslin sah das Blatt an . Erst nach einer Weile konnte er antworten : » Herr , das ist die Rettung . « » Das ist mehr ! Nicht nur die Rettung aus meiner Klemme . Auch ein Wegweis zu neuem Aufstieg . Es wird mir hart , dir einzugestehen , daß du recht hattest , damals , als ich losschlug wider deinen Rat . Aber Wahrheit geht durch alle Greuel , ohne den Saum ihres Kleides zu beschmutzen . Ja , Gleslin , er ist ein Starker . Jetzt weiß ich , daß er auch gut ist . Drum mußte er mich besiegen , der ich stark war und bösartig bin . Ich will lernen von ihm . « Ein Aufatmen hob die Schultern des Greises , während Herzog Ludwig nach dem Pergamente griff , um wieder zu lesen , was seine Rettung war . Eine kurze Botschaft : Friedrich von Zollern trug sich als Mittler zwischen Loys und Heinrich an , der es redlich meine und eine Verständigung zwischen Ingolstadt und Landshut als notwendig und hilfreich erkenne . Die Botschaft schloß mit den Worten : » Ehe wir handeln wegen des anderen , wollen wir das Unsere reinlich in Ordnung bringen . Ich biete dir abermals die Hand zum Frieden . Willst du ? « Herr Ludwig antwortete : » Ich will nicht . Aber ich muß . Du bist der Stärkere . « Den reichbeschenkten Boten , der diese Worte nach Nürnberg davontrug , begleitete des Herzogs Vizedom Brunorio von der Leiter , um mit Zollern den Frieden abzuschließen und wegen der Sühne zu verhandeln , die Herzog Heinrich für seine meuchlerische Tat von Konstanz leisten sollte . Gegen die sechste Nachmittagsstunde ritten sie mit verschwenderisch ausgestattetem Geleit davon . Außer dem Herzog , dem alten Gleslin und dem getreuen Nachtigall wußte niemand zu Ingolstadt , welche Botschaft da getragen wurde . Wieder glänzte ein goldroter Abend durch die Scheiben des Erkers herein , in dem der Lautenspieler seine klingende Kunst erwies . Herzog Ludwig , während er rastlos durch die Stube wanderte , mußte Musik hören , um des frohen Aufruhrs Herr zu werden , der ihn erfüllte , und um die wirbelnden Pläne dieser Stunde zu ordnen . Was jetzt vor ihm lag , war neues Leben , neue Macht . Das wiederholte Friedensgebot des deutschen Königs ? Die mit der Hölle spielenden Drohungen des päpstlichen Legaten Branda ? » Gleslin ? Sind das Dinge , die mich bezwingen ? Das deutsche Königtum ist ein leerer Sack . Laß ich Gold hineinschöpfen , so kann ich mich draufsetzen . Und die Hölle ist eine zweifelhafte Sache . Da spar ich mir die Neugier auf eine spätere Stunde , die alle Nüsse knackt . Jetzt leb ich wieder . Und so lang ich lebe , will ich mit festen Füßen auf meiner Erde stehen . Jetzt hab ich nur noch einen Feind , der mir Sorge macht . Meinen Sohn und Erben ! « Herr Ludwig sah zur Türe hin . » Diesen Honigwurm muß ich in eine Wabe setzen , die er härter als Stein und Eisen finden soll ! Dann will ich wider die minder Gefährlichen tun , was notwendig und hilfreich ist - wie diese kleingewordene Laus von Burghausen sagt . « Gleslin , der die Gedanken seines Herrn erriet , begann in Sorge zu warnen , noch ehe der Herzog den keimenden Plan dieser Stunde deutlich ausgesprochen hatte : gegen die Vettern zu München , die ihn bitter bedrängt und schwer geschädigt hatten , alle Reste seiner Macht zu einem schnellen und vernichtenden Schlag zu sammeln , jetzt , da er durch den Frieden mit Fritz von Zollern von seinem gefährlichsten Gegner im Rücken erlöst war und auch des anderen ledig wurde , der untätig zu Burghausen saß und ängstlich um seinen dünnen Hals zu feilschen begann . » Herr ! Herr ! « jammerte Gleslin . » An diese friedsame Untätigkeit zu Burghausen glaub ich nicht . « » Da magst du recht haben ! Eine Laus kann das Beißen nicht lassen , solange sie nicht geknickt wird ! « Herr Ludwig hatte wieder völlig sein frohes Lachen von ehedem . » Drum will ich mich vorsehen und die günstige Stunde nützen , die mir heute kam . Das ist meine Stunde , Gleslin ! Vor einem Jahr warst du der Klügere . Das hab ich eingesehen . Heute bin ich es . Und das sollst du begreifen müssen . Nein , schweige ! Oder du wirfst mir mit deiner Ängstlichkeit eine neu erstehende , schöne Welt über den Haufen . Jener Kleine von Burghausen möchte Dach sein . Dieses in Treue törichte München ist seine tragende Mauer . Schmeiß ich die Mauer nieder , so fällt das Dach . Dann habe ich Ruhe für immer . « Gleslin warnte und flehte in der zitternden Schwäche seines Alters . Doch dieser Lachende wuchs mit jedem Worte fester in seinen neugeborenen Willen hinein . » Ich schlage los , sobald ich viertausend Helme ins Feld stellen kann . Vor meinem Haupthaufen schick ich meinen Verläßlichsten voraus , den Hauptmann Wessenacker . Der soll mit einem Handstreich das gute München nehmen . Da reichen siebenhundert Pferde . Die Zeit hat Rosen für mich ,