See zurückkehrte , jedoch ohne deines Vaters Krone , sag an , wie würdest du ihn dann empfangen ? Da ward die Königstochter sehnsüchtigen Verlangens voll , und hastig gab sie zur Antwort : Wie ich ihn empfangen würde ? O herzen würd ich ihn und küssen ; jauchzend spräch ich zu ihm : Was kümmert mich die Königskrone , so ich nur meinen Liebsten habe ! O hilf mir , hilf mir , gute Mutter , daß ich des Liebsten Leben rette . An seiner Seite will ich gern niedrigen Standes bleiben . Seine Liebe ist mein wahres Königreich . Lächelnd nickte die Alte : Schön , mein Kind ! Dieweilen du so liebevollen Sinnes , will ich dir helfen und dir sagen , wie du den Liebsten wiederfindest , und dazu einen Schatz , besser noch als deines Vaters Krone . Freilich wird dir dabei fürder Leid mitnichten erspart . Allein fürchte dich nimmer vor dem Leide ; faltig macht es das Angesicht , doch spiegelklar die Seele . Und wenn du wieder einmal leidvoll zu meiner Hütte kommst , so sollst du meiner Lehren gedenken und dein Gemüt zur Klarheit bringen , indem du spinnst und meine Schafe weidest . Was aber deinen Liebsten anlangt , so kehre zurück zum schwarzen See , und wenn nach Untergang der Sonne der Vollmond vom Walde aufsteigt , dann sprich mit starker Stimme zum Wasser : Was gibst du , Hexe , mir zum Lohne , So deinem Sumpf verbleibt die Krone ? Gib meinen Liebsten aus dem Teich , Denn der gehört ins Himmelreich ! In dem Augenblicke erwachte die Königstochter und hörte noch im Ohre die Worte der Alten klingen . Es war heller Tag , warm schien die Sonne auf die Erwachte nieder . Sie erhub sich , und nachdem sie zunächst abermals ihrer Trauer nachgegeben und vorwurfsvoll in den schwarzen See gestarrt hatte , faßte sie den Entschluß , ihren Traum zu beherzigen . Getröstet ging sie in den Wald und sammelte Beeren zu ihrer Speise . Lang ward die Zeit für ihre Ungeduld . Wie es endlich dämmerte , ging sie zum See und setzte sich auf einen überhängenden Felsen . Nun stieg vom schwarzen Wald am veilchenblauen Himmel der rote Vollmond auf , eine Eule schrie , und im Nachthauch begunnten die Bäume zu raunen . Gespannter Erwartung erhub sich die Königstochter und sprach mit starker Stimme : Was gibst du , Hexe , mir zum Lohne , So deinem Sumpf verbleibt die Krone ? Gib meinen Liebsten aus dem Teich , Denn der gehört ins Himmelreich ! Da regte sich die Mitte des Wassers , als ob es kochte . Brausend schwollen kreisförmige Wellen , und daraus tauchte der verlorene Jüngling empor . Mit starkem Arme teilte er die Flut und schwamm unter Winken und Jauchzen auf die Königstochter zu , die sich vor Freude kaum zu lassen wußte . Hinter dem Jüngling aber schwoll auf einmal das Wasser zu einem ungeheuren Berge , rollte auf den Schwimmer los und riß ihn mit sich , ging dann übers Ufer und erfaßte auch die Königstochter . Die Wasserwoge , der ganze schwarze Teich , strömte donnernd weit übers Land . Die Königstochter schluckte Wasser , daß ihr die Sinne vergingen . Wie sie die Augen wieder auftat , lag sie am Hange desselben Berges , den sie im Traume erschaut . In banger Unrast suchte sie nach ihrem Liebsten , fand aber keine Spur von ihm und nicht einmal vom schwarzen See . Gänzlich verändert war die Gegend ; die Wasserwoge mußte eine weite Strecke ins Land hinein gespült und ihre Opfer hoffnungslos voneinander getrennt haben . Nachdem die Königstochter das Suchen aufgegeben , dachte sie an die Worte der Alten und beschloß , deren Hütte auszufinden . Stieg also auf rauhem Pfade durch Dornenranken aufwärts , bis sie auf einer Wiese in der Tat die Hütte fand , bei der Schafe weideten . In der Stube freilich war keine Alte zu finden , obwohl der Spinnrocken , wie im Traume , bereit stund . Etliche Tage wartete die Königstochter auf die Ankunft der Alten , spann Flachs , den sie oft mit ihren Tränen netzte , hütete auch die Schafe , deren Milch ihr Nahrung gab . Es kam und kam keine Alte . So vergingen Jahre und abermals Jahre ; die Königstochter war eine Spinnerin und Hirtin worden , und das Leid hatte allerdings , wie die Alte vorhergesagt , ihr Angesicht faltenreich , ihre Seele aber spiegelklar gemacht . Ihres Liebsten hatte sie in den ersten Jahren oft mit heißer Sehnsucht gedacht . Doch war mit der Zeit ihr Herz stille worden , bis die Stunden der ersten Liebe sie nur ein holder Traum deuchten , von dem keine Brücke zur wirklichen Welt führt . Wie nun der Frühling wieder einmal Gras und Blumen aus der Matte herfürgetrieben , ging die Schafherde , der die bejahrte Hirtin folgte , über ihren gewöhnlichen Weideplatz hinaus und nahte einer andern Herde , bei der ein alter Hirte war . Nun konnte es nicht ausbleiben , daß die beiden Menschen miteinander redeten . Es fand ein jeder im andern ein Herz voll Güte und Weisheit ; und das so geschlungene Band der Freundschaft ward hinfüro nicht locker . Von nun an trieben sie täglich ihre Herden zueinander , und wiewohl sie nicht viel redeten , fühlten sie sich doch so recht einmütig und gewannen mitsammen immer mehr Glückseligkeit . Zuweilen nahm der Hirt aus seiner Tasche die Flöte und blies ein friedevolles Lied . Da sagte einmal die Hirtin : Kannst du auch singen ? Und es gab ihr silberhaariger Freund den Bescheid : In meiner Jugend sang ich manch Lied . Jedoch ist mir das Singen vergangen . Ein Lied nämlich hat mich für viele Jahre traurig gemacht . Was war denn das für ein Lied ? fragte die alte Hirtin . Und mit leiser Stimme summte der Greis : Das Gold zur