Armee ohne Führer , Dembinskis Termin war in wenig Stunden abgelaufen , neue Deputierte kamen denselben Abend in das neue Lager , um für jeden Preis einen Generalissimus zu wählen . Skrzynecki , welcher durchaus Dembinski wollte , weil sich ihm dieser so ergeben bewies , trat ihnen mit der spöttischen Frage entgegen : » Wen wollt Ihr denn jetzt in Warschau ? des Sultans Bart oder Barbara Radzivillowna ? « Keiner von den übrigen Generalen wollte annehmen , der allgemein verehrte Fürst Czatoryski kam verhängten Zügels ins Lager gesprengt , um Schutz zu suchen , die Aufrührer waren an der Barriere seinem Pferde in die Zügel gefallen , er hatte sich durch einen Pistolenschuß befreien müssen , die Lage war entsetzlich , wenn Paskiewitsch Kunde erhielt und mit aller Gewalt angriff . Die Deputierten zwingen jetzt Prondzynski , den Oberbefehl anzunehmen , man schildert ihm den Zustand der Hauptstadt , wo die Regierung im Begriff ist , den allmächtig gewordenen Krukowiecki auch formell das Feld zu räumen und niederzulegen . Er nimmt ebenfalls nur interimistisch an und erklärt , Krukowiecki sprechen zu müssen und reitet nach Warschau . Jetzt erheben sich wieder Skrzynecki und Dembinski : Warschau , heißt es , müsse gebändigt werden , ein militärischer Diktator sei nötig . Die Armee wird von Utrata noch weiter zurück bis in die Verschanzungen der Hauptstadt geführt und den Truppen in einem Tagesbefehle angezeigt , die Russen hätten einen Aufruhr in Warschau angerichtet . Unter diesen sich überstürzenden Aufregungen errichtet man sogar in Eile Batterien gegen Warschau . So steht ' s am 17. August . An der Spitze seiner Reiter und seines Generalstabs reitet Dembinski in die Stadt , vor den Palast der Regierung , um eine Diktatur in Beschlag zu nehmen . Prondzynski hat bereits wieder niedergelegt , die Regierung tut desgleichen , Dembinski noch zum Generalissimus ernennend . Dieser , nur halb entschlossen zu einem Äußersten , eilt in den Sälen des Palastes hin und her , bald diesen anfahrend , bald jenen fragend . Krukowiecki tritt ein , auf ihn stürzt er los : » Ich bin gekommen , die Verbrecher vom 15. August zu verhaften , Sie selbst sind mir von Lelevel als Teilnehmer genannt - « Krukowiecki erbleicht , sein ganzes Werk steht auf dem Spiele , die Armee ist da , und seine Macht kann in einem Nu entrückt sein . Er gibt sein Ehrenwort , mit dem patriotischen Klub nichts gemein zu haben , Dembinski läßt sogleich die Häupter desselben und Anführer des Aufstandes verhaften . Unterdessen versammeln sich die Landboten , der Moment kommt , wenn sich Dembinski zum Diktator machen will ; er schwankt hin und her ; sein Vorsatz kommt zur Kenntnis des Marschalls Ostrowski , und dieser ruft laut : » Wenn Dembinski erscheint , so verweigere ich ihm das Wort . « Man überbringt Dembinski eiligst diese Äußerung , er erschrickt , gibt sein Unternehmen auf , und da er doch Generalissimus ist , rückt er hinaus ins Lager . So war das Feld wieder frei für Krukowiecki : immer längere Listen von solchen , welche das Volk ermorden wolle , überbrachte er dem Reichstage , ließ das Schloß mit Truppen und Kanonen umringen , als sei die größte Gefahr vorhanden , und ward dann auch wirklich unter diesen Schreckensumständen , die er allein zu bändigen schien , zum Präsidenten der neuen Regierung ernannt . Jede Partei glaubte , sich Glück wünschen zu können ; die ausschweifendsten Demagogen wurden bestraft , die tüchtigsten aus der Volkspartei , wie Xaver Bronikowski , wurden angestellt , den Doktrinärs ward dadurch genügt , daß Bonaventura Niomojewski Vizepräsident wurde , die Aristokraten fanden ihre Stellen im diplomatischen Kreise , ein paar Soldaten und gemeine Leute , welche man bei den Mordszenen ergriffen hatte , wurden erschossen ; der neue Regent war von unermeßlicher Tätigkeit , man fühlte sich konsequent und durchgreifend regiert , alles pries den Retter aus so großer Unruhe und Unordnung , den alten Krukowiecki . Valerius , der an jenem Abende den Slodczek wirklich gerettet hatte , ging jetzt lebhaft mit dem Entschlusse um , wieder in die fechtenden Reihen einzutreten , obwohl sein Anteil an allen diesen Dingen völlig erstorben war . Es graute ihm vor diesen revolutionären Zuständen , die ihm mit aller Gräßlichkeit , mit ihrem entsetzlichen Zufalle so nahe getreten waren , ein ganzes historisches Verhältnis war ihm unheimlich , wo in keiner Weise ein gesichert Allgemeines festgestellt werden konnte , aber er hielt es für schicklich , jetzt nicht abzustehen , wo die Gefahr aufs höchste gestiegen war . Eine Rückkehr nach Deutschland war in diesem Augenblicke auch nicht möglich , die Russen hatten eine Meile von Warschau den ganzen Kreis des linken Weichselufers besetzt ; sogar das Rüdigersche Korps hatte sich von Süden herauf mit der großen Armee vereinigt , vor Deutschland lag die Mauer einer Armee . Im Begriff , nach Wola hinauszugehen , schritt er trübe und düster über den sächsischen Platz , das ganze Leben sah ihm zugemauert und verloren aus , da kam Kasimir geritten , der eine Botschaft von der Armee an den Präsidenten gebracht hatte . Er war sehr niedergeschlagen und riet Valerius durchaus ab , noch einmal die Waffen zu ergreifen für eine völlig verlorene Sache . In diesem Augenblicke fuhr der Präsident Krukowiecki mit Stanislaus und dessen Vater vorüber . » Sehen Sie , « sprach Kasimir , » die unnatürlichen Verhältnisse : der alte Graf haßt Krukowiecki wie die Pest , da fährt er freundschaftlich mit ihm hin . Nein , nein , glauben Sie das nicht , hoffen Sie nichts von dieser blendenden Energie , diese Warschauer Polen sind bis ich die innerste Seele eitel und egoistisch , dieser Krukowiecki ist der Egoismus selber , ich fürchte das Schlimmste . Kommen Sie mit , ich will mein Pferd einstellen und einen Schlupfwinkel suchen . Helfen Sie mir ; ich vertraue Ihnen rücksichtslos . Heut ' abend kommt Dembinski , der jetzige Generalissimus