zu erlangen sind , die weder Angst noch Sorge oder Schmerz bereiten ? Ich sage Euch , Sir , es wird auch um dieses China viel Blut , sehr viel Blut fließen , und wenn es geflossen ist , wird es umsonst vergossen worden sein , weil Alles , was das Schwert erwirbt , auch durch das Schwert im Kriege stirbt . Die Wette , welche ich mit John eingegangen bin , ist keine blutige , aber der Hochmut hat sie mir diktiert , und darum denke ich , daß ich sie wohl verlieren werde . Er aber hat all sein Hab und Gut für seine Liebe eingesetzt , und selbst wenn er verlöre , würde er der Gewinnende sein , weil es für die Liebe , die er niemals verlieren kann , ja doch kein Opfer gibt . Ich ging natürlich diese Wette in der Absicht und in der Ueberzeugung ein , daß ich sie gewinnen werde . Jetzt fühle ich diese Ueberzeugung als eine Schuld , welche ich abzutragen habe , und was die Absicht betrifft , so will ich Euch gestehen , daß ich sie als Bezahlung dieser meiner Schuld betrachte . Ich gebe sie hin ! Und warum ? Aus Liebe ; denkt Euch doch nur , aus Liebe ! Und wo kommt diese Liebe so plötzlich bei mir her ? Dort aus der Kajüte , in welcher das Bild hängt und wo der Kranke mit seinem Engel sprach . Die Frau , welche ich früher als Gespenst bezeichnete , ist mir so vertraut geworden , obgleich ich sie nur erst im Bilde kenne . Ich befürchte , daß ich , wenn sie nun persönlich vor mir steht , diesen unsern guten John sogar um sie beneiden werde , und das wird mich um die eindrucksvolle Haltung bringen , welche ich meiner Nationalität , meinem hohen Stande und meiner persönlichen Würde schuldig bin . Kurz und gut , ich habe aus verschiedenen Gründen Angst vor dieser Yin und befinde mich ihr gegenüber in der Lage eines kleinen , unerfahrenen Bürgers , der vor irgend einer fürstlichen Dame zu erscheinen hat und schon im Voraus überzeugt ist , daß er sich gründlich falsch benehmen werde . Wenn sie mich etwa in der Weise begrüßt , in welcher ich sie gleich beim ersten Zusammentreffen mit meinen Blicken niederschmettern wollte , so fahre ich mit dem allernächsten Schiffe heim und warne jeden Englishman , sich fernerhin für das zu halten , für was er sich bisher gehalten hat ! - So , das ist es , was ich Euch sagen wollte , Sir . Und nun bitte ich Euch , nehmt Euch , wenn wir ihr vorgestellt werden , ein wenig meiner an , damit sie meine Verlegenheit nicht allzusehr bemerkt ! Ich möchte nämlich so sehr gern haben , daß sie mich für ihrer Achtung würdig hält ! « Ich versprach es ihm , obwohl ich wußte , daß ich nicht dazu kommen würde , dieses Versprechen zu halten . Er wußte gar nicht , daß seine Worte die geistig und seelisch ereignisreiche Geschichte einer innern Umwandlung enthielten , welche sich bei ihm äußerlich friedlich vollzogen hatte , während sie bei andern Menschen wie auch bei Völkern nur unter langen und schweren Kämpfen vor sich geht . Darum stand zu erwarten , daß auch die nun folgenden und letzten Töne in freundlicher Harmonie erklingen würden . Bald darauf erfuhren wir , daß die Insel in kurzer Zeit zu sehen sein werde , und machten uns also zum Landen bereit . Mein Sejjid Omar brachte meine und seine Sachen mit Fangs Gepäck herbeigetragen . Dann ging er zu Mary , um auch ihr und ihrem Vater seine Hilfe anzubieten . Raffley stand oben auf der Brücke , um die Einfahrt selbst zu leiten . Bill führte das Steuer , und Tom machte sich mit dem Salutgeschütze zu schaffen , um unsere Grüße , die aus dem Herzen kamen , mit ehernem Munde zu bestätigen . Da ertönte von der Insel ein lauter Böllerschuß zu uns herüber ; ein zweiter folgte und diesem ein dritter . Tom antwortete ebenso oft aus seinem Rohre . Es gab selbstverständlich bei uns kein Auge , welches nicht nach der Küste gerichtet war . Sie hatte sich in schönes Grün gekleidet . Das Innere wurde uns von Büschen verhüllt , aus denen die Wipfel hoher Bäume ragten . Es gab da einen kleinen , freien Platz , auf welchem wir einige Chinesen neben dem Böller stehen sahen , aus welchem sie uns salutiert hatten . Sie riefen und winkten uns lebhaft zu . Später öffnete sich zuweilen das Gebüsch , um uns die dahinter liegenden , vollgrasigen Wiesen und wohlbebauten Felder zu zeigen . Weiter vorn , uns zur Rechten , stieg das Land zu einer bewaldeten Höhe empor , auf welcher das chinesisch konstruierte Dach eines sehr ansehnlichen Gebäudes aus dunklen Blätterkronen ragte . Die Matrosen unserer » Yin « hatten schon am frühen Morgen die Paradeleinen hervorgeholt und Wimpel an Wimpel gereiht , um die Jacht zur Einfahrt zu schmücken . Diese Leinen hingen jetzt noch leer vom Top herunter , doch bedurfte es nur eines Wortes von Raffley , um sie in Zeit von einer Minute aufzuholen . Ocama hat eine dem Festlande zugekehrte Bucht mit klarem , tiefem und fast stets ruhigem Hafenwasser . Als wir uns dem südlichen Vorsprunge dieser Bucht näherten , begann das Ufer , sich zu beleben . Wir sahen zwischen dem Gebüsch in Blumengärten Häuser liegen , so nett und sauber , jedes von ihnen eine eigenartige , besondere chinesische Individualität ; das Auge konnte sich wirklich immer von dem einen auf das andere hinwegfreuen . Diese Häuser mehrten sich , und als wir in einem weit ausgeholten Halbkreise um die südliche Zunge bogen , entwickelte sich vor uns ein Landschaftsbild , welches , besonders bei dem heutigen schönen , klaren Wetter , selbst das verwöhnte Auge eines Weit- und Vielgereisten befriedigen mußte . Man