jetzt war es , als ob Alles , Alles verschwinden müsse , was lebenswidrig , was körperlich hindernd ist . War Syrr jetzt Geist geworden , nur Geist , vollständig ohne Fleisch und Bein ? Er lief nicht mehr ; er galoppierte und rannte nicht mehr , und - - er flog nicht mehr ! Nein ! Sondern wir standen still . Aber die Ebene , die ganze Erde um uns war in rasender Bewegung . Sie schoß auf uns zu und rechts und links und unter Syrrs lang ausgestreckten Leib hinweg nach hinten . Es war , um schwindelig zu werden ! So laufen arabische Pferde allerersten Ranges , wenn der Reiter das sogenannte » Geheimnis « in Anwendung bringt - - - auf Leben und Tod ! Aber weder der berühmte Rih noch sein gleichwertiger Sohn Ben Rih hatten trotz ihrer bewundernswerten Leistungen diesen köstlichen Syrr erreicht , der den Raum , die Zeit und die Materie bloß nur in Gedanken verwandelte , ohne daß es nötig gewesen war , ihn durch irgend einen Kunstgriff dazu anzuspornen . Er durchmaß die Ebene zurück und wieder hin und wieder zurück in stets gleicher Rapidität , so daß ich besorgt um ihn wurde und ihm das Wörtchen » wakkif ! « 85 zu hören gab . Er gehorchte sofort . Zwar schoß er noch eine kurze Strecke weiter , überwand aber die Beharrung außerordentlich schnell und stand dann still . Da sprang ich ab , nahm seinen Kopf in beide Arme und drückte ihn an mich . Ich streichelte ihn mit einer Wonne , die keinesweges die bekannte Wonne der Redensarten war . Sein Atem ging ganz ruhig . Nicht der geringste Anflug von Schweiß war zu spüren ; kein Flöckchen Schaum war zu sehen . Die Flanken lagen still und nur das Herz schien in etwas schnellerer Bewegung zu sein als wie gewöhnlich . Aber in den Haaren der Mähne und des Schwanzes knisterte es mit doppelter Vernehmlichkeit als ich über sie hinwegstrich . » Bist ein Prachtkerl , Syrr , bist unvergleichlich ! « rief ich begeistert aus . » Dich hat uns nicht nur der Schah gesandt , sondern ein noch Höherer ! Er wollte , daß wir durch dich gerettet würden ! « Da rieb er seinen schönen , feinen Kopf an meiner Schulter , kniff mir mit den Lippen einige Male in das Haar und leckte mir dann die Hand . Dann stieg ich wieder auf , um ihn nicht der scharfen Nachtluft ohne Bewegung anzusetzen . Ich saß still , ohne die auf dem Sattelknopfe liegenden Zügel aufzunehmen und ohne seinen Leib unterhalb des Sinpusch86 zu berühren . Auch er stand unbeweglich . So warteten wir auf einander , ich lächelnd , er aber , um zu gehorchen . Als aber von meiner Seite so gar nichts geschah , drehte er den Kopf abermals zu mir herum und ließ dasselbe Halbwiehern vernehmen wie gleich nach unserer Ankunft hier , nur nicht so kurz , sondern länger und in mehreren Intervallen . Es klang fast so , als ob er mir eine kleine Rede halte : » Was soll denn nun werden ? Ich habe meinen Willen gehabt . Du kennst mich jetzt . Nun bist du wieder der Herr . So rühre dich also ! « Hierauf streichelte ich ihm wieder den Hals , nahm die Zügel auf und legte die Schenkel an . Da warf er befriedigt den Kopf in die Höhe und ging vorwärts . Wir ritten vollends über die Ebene hinüber , den Berg hinab und auf demselben Wege heim , den wir gekommen waren . Assil stand auf , um uns zu begrüßen und legte sich dann wieder nieder . Nachdem ich abgezäumt und abgesattelt hatte , holte ich einige Aepfel und die Lappen , welche Schakara mir besorgt hatte . Syrr schwitzte nicht ; er besaß keine Spur von übergewöhnlicher Wärme . Ich rieb ihn aber trotzdem sorgfältig ab , trug dann das Sattelzeug an Ort und Stelle und ging hinauf zu mir . Von meinem platten Dache schaute ich noch einmal hinab . Syrr hatte sich auch niedergelegt , eng neben Assil . Sie hatten die Köpfe nebeneinander . Da hörte ich unter mir ein Geräusch , auf dem Balkon des Ustad . Er hatte dagesessen , stand auf und ging hinein . Das war die Liebe zu mir . Der Gute ! Als ich am andern Tag erwachte , war es hell ; aber ich sah die Sonne nicht , obgleich der Himmel keine Wolken hatte . Da stand ich schnell und ahnungsvoll auf . Dann auf die Plattform hinaustretend , sah ich sie zwar , aber es war , als ob sie schelmisch über mich lache . Da , wo sie stand , pflegte sie ungefähr um 4 Uhr Nachmittags zu stehen ! » Bist du munter ? « klang die Stimme des Ustad vom Balkon herauf . » Ich höre , daß du nicht mehr schläfst . « » Soeben aufgestanden ! Vier Uhr nach dem Mittag ! « antwortete ich . » Ist das nicht eine Schande ? « » Nein , sondern eine Notwendigkeit ! Folge des Rittes - hast dich mehr angestrengt , als du solltest . Das gleicht die Güte der Natur wieder aus . Wie ist der Ritt gelungen ? « » Zur größte Zufriedenheit ! Ich erzähle es dir nachher . Aber meine armen , armen Pferde ! Zweimal nicht gefüttert . Alles verschlafen ! « » Sei unbesorgt ! Als du nicht aufstandest , habe ich es an deiner Stelle getan . Wasser , Gerste , Aepfel . Sie sind zufriedengestellt , ließen mich aber bemerken , daß du ihnen lieber gewesen wärst als ich . Was tust du jetzt ? « » Ich gehe zu ihnen , bade dann und sehe hierauf , wo es Etwas zu essen giebt . « » Natürlich bei mir . Ich habe mit dem Mittagsbrote auf dich gewartet . « »