. » Schätzchen , Schätzchen , haben wir dir ? « rief der Oberst von Bullau : » Das ist mir mein Christkind . Ein Hurra für den Leutnant Rudolf Götz und sein Fräulein ! Schreit mit , ihr Dickköpfe ! « An das versammelte Volk von Freudenstadt war die Aufforderung gerichtet , und das Volk schrie mit . Der Oberst drückte nun auch dem Kandidaten die Hand , gab ihm einige wohlmeinende , vielsagende Ellenbogenstöße und verkündete , daß der Onkel Rudolf » wohl bis aufs Pedal « sei und mit Grips das Haus Grunzenow auf den Kopf stelle . Er verkündete , daß das Frühstück bereit sei im Polnischen Bock und daß der Schlitten von Grunzenow ebendaselbst warte . Mit ritterlichem Anstand führte er das Fränzchen über den Marktplatz von Freudenstadt , und alle Honoratioren von Freudenstadt gerieten in die größtmöglichste Aufregung über den alten Krieger und das fremde Fräulein . Die seltsamsten Vermutungen wurden darüber angestellt ; alle Damen einigten sich jedoch sehr bald dahin , daß der Oberst des ehelosen Lebens müde geworden und daß die arme , junge Braut gekommen sei , » sich die Heidenwirtschaft in Grunzenow anzusehen « . Die guten Seelen bedauerten das Fränzchen sehr ; und hätten ihre Meinungen dem Oberst im Polnischen Bock den Appetit verderben können , so würde der wackere Kriegsmann gewiß nicht so seelenvergnügt von Freudenstadt abgefahren sein , wie er daselbst ankam . Nun aber zeigte es sich , weshalb der Wirt zum Polnischen Bock einen solchen Respekt vor dem Namen des Obersten von Bullau hatte . Ein solcher Gast mußte ein Segen für jedes Wirtshaus in der Welt sein , ein solcher Gast fuhr nicht alle Tage vor , um Küche und Keller zu revidieren . Der Polnische Bock befand sich in einer Aufregung wie ein Ameisenhaufen , den ein Stockschlag oder Fußtritt traf . Es roch gut und nahrhaft im Polnischen Bock ; es war aber kein Wunder , wenn Hans und Franziska über das Frühstück des Obersten von Bullau ein wenig erschraken : der Oberst hatte ihren Hunger sehr überschätzt . Weihnacht ! Weihnacht ! Wir lassen das Fränzchen und den Obersten genauere Bekanntschaft machen bei diesem trefflichen Frühstück , um ihnen und dem Kandidaten vorauszueilen nach Grunzenow an der See , wo der Leutnant Rudolf vor Ungeduld vergehen will und dem treuen Grips das Leben sauer macht . Das Meer im Weihnachtssonnenschein ist auch eine Vorstellung , die das Herz weiter machen kann . Auch durch das Dorf Grunzenow war der Weihnachtsmann geschritten und hatte grüne Tannenzweige vor den Hütten des seefahrenden Volkes verloren . Der Rauch , der aus den Schornsteinen in die kalte Luft stieg , sah aus , als ob er mehr als an andern Tagen zu bedeuten habe ; die Seevögel , die Kinder , die Alten und der Pastor Ehrn Josias Tillenius , der , durch das Dorf humpelnd , fast vor jeder Tür stehenblieb , wußten , was sie von diesem Tage zu halten hatten . Wenn wir , das Dorf verlassend und hinter dem Pfarrherrn her zu dem Herrenhause emporsteigend , den Hof daselbst betreten , so dürfen wir - starr stehenbleiben vor Verwunderung . Auch auf dem Hofe von Grunzenow stand ein riesenhafter Schneemann und hielt Wacht vor einer aus grünen Tannenbäumen und Tannenzweigen künstlich errichteten Ehrenpforte , über der ein noch dunkles Transparent das Fränzchen und den Kandidaten Unwirrsch willkommen hieß . Das Hausgesinde schien das Fieber zu haben , die Hunde wußten augenscheinlich , daß etwas Außergewöhnliches im Werke sei ; die Aufregung des Leutnants Götz aber kannte keine Grenzen und mußte jedem mit den Verhältnissen Unbekannten nicht wenig bedenklich erscheinen . Der körperliche Zustand des Leutnants hatte sich so weit gebessert , daß der biedere Krieger mit Hülfe eines Krückstockes in wohlwattierten Pelzstiefeln umherhinken konnte , und das war ein großes Glück , denn in seinem Rollsessel hätte er es an dem heutigen Tage nicht ausgehalten . Seit vier Uhr morgens war er auf den Beinen , um das , was in dem Kastell noch auf dem Kopfe stand , auf die Füße zu stellen , wobei ihm Grips an der Spitze des verwilderten Hausvolks hülfreich zur Hand ging , während der Oberst sich zur Fahrt nach Freudenstadt rüstete . Haus Grunzenow war nicht wiederzuerkennen seit dem Tage , an welchem Hans Unwirrsch es verlassen hatte , um das Fränzchen zu holen . Man hatte » das Weibervolk hereingelassen « , und es war gekommen mit Besen und Bürsten , mit Lauge und Seife , mit warmem und kaltem Wasser und mit dem besten Willen , dem Greuel , der Sünde und der Schande ein Ende zu machen . Als das Aufgebot ins Dorf gelangte , wäre Grips , der es hinabtrug , beinahe ein Opfer desselben geworden . Die Frauen hätten ihn fast erdrückt , sie stürzten sich auf ihn wie das Tagesgevögel auf die Eule , die unvorsichtigerweise um Mittag ihren Schlupfwinkel verließ . Sie wollten und konnten zuerst gar nicht glauben , was er ihnen verkündete , und er , der mit großem Ekel vor ihrem Geschrei sich die Ohren verstopfte , war nicht imstande , mit seinen erhobenen Ellenbogen sich gegen den übermächtigen Andrang zu wehren . Glücklicherweise erschien Ehrn Josias Tillenius zu seiner Hülfe , und in langem Zuge zogen die Weiber bewaffnet , wie wir bereits schilderten , nach dem Hofe , und es bewährte sich für den Oberst und den Leutnant wieder einmal das schöne , alte Sprichwort vom Teufel , dem man den kleinen Finger gibt . Es war keine Kleinigkeit , das Haus Grunzenow zu scheuern ! - Wenn das Alter ehrwürdig macht , so waren der Schmutz , der Staub , der Schimmel , das Wurmmehl und die Spinnengewebe gewiß im höchsten Grade ehrwürdig , sie wichen aber auch nur den hartnäckigsten Angriffen . Von allen Treppen rauschten die Wasserströme , in allen Gemächern wirbelte der Staub ; die Hunde verkrochen sich heulend in die entlegensten Winkel , um den Besenstielen