der Miniaturmalerei , deren Gegenstände kleine Heiligenbilder waren , mit einer Kunstfertigkeit , die mit der der besten Nürnberger Meister wetteiferte . Andere befleißigten sich des Schreibens und Lesens , und waren im Lateinischen und Griechischen so zu Hause , als sei es ihre Muttersprache gewesen . Gehörte doch auch die Bibliothek des Klosters ihre Studien zu begünstigen , sowohl durch die Zahl alter Handschriften als neuer gedruckter Bücher , mit zu den ausgezeichnetsten , welche die Stadt besaß . Charitas Pirkheimer hatte geeilt ihr Gelübde auszuführen und weilte bereits als Novize in diesem Kloster . In dem von hohen Mauern umgebenen Garten desselben , über welche nur wirr und fern das Geräusch des Städtelebens herein schallte , ging Charitas einsam auf und nieder in stilles Sinnen verloren . Der entsagende Ausdruck , welchen ihr Gesicht immer gehabt , war nicht nur allein durch die graue Novizentracht erhöht , in welcher sie erschien , sondern durch Thränen der Wehmuth , die in ihren Augen glänzten . Der Abend auch erschien wie zum Sinnen und Weinen . Es war so still im Klostergarten , daß auch nicht das kleinste Lüftchen wagen konnte in den Zweigen der Bäume und Gesträuche zu spielen , kein Blatt getraute sich mit dem andern zu flüstern und zu säuseln und kaum ein Schmetterling zu einer Blume zu fliegen . Im Süden hatten sich drohende Gewitterwolken aufgethürmt und hingen über die hohen grauen Mauern herein , aber im Westen glühte ein sanftes Abendroth gleich einem Vorhange , den die sinkende Sonne zwischen sich und dem dräuenden Wetter gezogen . Ein einsames Vögelchen saß auf einer hohen blaugrauen Ulme , deren Wipfel die Klostermauern überragte . Es schaute und flatterte nach hüben und drüben und schien mit leise zwitschernden Stimmchen zu fragen : ob es sich besser wohne im Frieden dieses Gartens oder draußen im freien Wald , wo es viele Genossen gab , aber auch das tückische Feuerrohr beutelustiger Jäger , Netze und Stellhölzlein böser Buben , gierige Raubvögel und allerlei Fährlichkeiten . Eine ältere Nonne hatte Charitas von fern mit theilnehmenden Blicken beobachtet . Jetzt trat sie zu ihr , reichte ihr die weiße magere Hand und sagte : » Mein Kind , nützet die Tage wohl , die Euch zur Bedenkzeit gegeben sind ! Ich höre , daß weder Eltern-noch Verwandten-Wille , noch irgend eine äußere Noth des Lebens Euch hierher gebracht , sondern daß Ihr aus freier Wahl begehrt hab ' t in unsere Gemeinschaft zu treten . Ehe Ihr es aber thut , prüfet Euch wohl , daß Ihr Euch selbst nicht betrüget ! « » Schwester Ulrike , « antwortete Charitas mit einem dankenden Händedruck , » Ihr waret die erste , die mir außer der Priorin in diesen Mauern mit milder Theilnahme entgegenkam . In Euren Zügen las ich auch den Himmelsfrieden , den ich hier zu finden hoffe , in Euch erblickte ich das Vorbild , dem ich nachzustreben mich bemühen will . « » Ich danke Euch für Eure gute Meinung , « antwortete Ulrike mit sanfter Innigkeit und einem etwas fremd- aber wohlklingenden Idiom , das Charitas schon von einer andern Person gehört , und das weit entfernt gut nürnbergisch zu lauten , ihr das wohlklingendste zu sein schien , das es geben konnte . » Ich wünschte wohl , « fuhr Ulrike fort , » diese gute Meinung zu verdienen und ebenso , daß Ihr mir sie für die Dauer bewahren möchtet . Aber ich kann keinen Anspruch darauf machen ; hinter mir liegt ein langes und reiches Leben voll Versuchung und Sünde , voll Kampf und Buße - nicht nur als eine Entsagende , als eine Büßende kam ich hierher . In zwölf Jahren voll Buße und Entsagung , die ich hier verbracht , hat sich zwar mein Sinn geläutert und ist mein Vertrauen auf die Gnade unsers Erlösers zu der festen Ueberzeugung geworden , daß er allen Fehlenden vergiebt , wenn sie unablässig streben ihre Fehler abzulegen und zu sühnen , und die Tage , die mir hier unter Arbeit und Gebet verfließen , ziehen nicht ungenützt für mein Seelentheil an mir vorüber ; aber so lange es für uns in der Welt noch ein theures Wesen giebt - so lange , sage ich Euch , ist es nicht leicht sich in diesen Mauern lebendig zu vergraben und für das ganze Erdendasein aus seinem Lebenskreis gebannt zu bleiben . « Charitas erröthete da sie diese Worte vernahm , und sah die Sprecherin derselben schmerzlich befremdet an . Ulrike hatte vorhin die schwärmerischen blauen Augen niedergeschlagen , jetzt begegnete sie mit einem Lächeln den fragenden Blicken und sagte ; » Vergesset nicht , daß eine alte Matrone zu Euch spricht . Mit fünfzig Jahren hat man andere Gefühle als Ihr mit zwanzig oder dreißig , aber ich kann noch beurtheilen , wie man in jüngeren Jahren empfindet - und wenn es Bande auf der Welt giebt , die man auch im Alter nicht schmerzlos zerreißt , so sehet zu , daß Ihr nicht vielleicht nur weil ein kurzer Lebenstraum Euch zerstört ward , hier nur einen Zustand von Schlaf und Ruhe sucht - Ihr werdet ihn nicht finden ! « » Hört mich an ! sagte Charitas , » ich will Euch Alles getreulich beichten - Ihr werdet dann auch sagen , daß ich nicht anders kann ! « Ruhiger fuhr sie fort : » Mein Vater Pirkheimer war , wie Ihr vielleicht gehört habt , einer der angesehensten und reichsten Rechtsgelehrten dieser Stadt . Nichts mangelte den Seinen zum edelsten Genuß des Lebens , aber eben zu diesem befähigte er uns , seine Kinder durch den Unterricht , den er uns angedeihen ließ . Wir Schwestern lernten mit unserem Bruder Willibald um die Wette , und kannten bald kein größeres Glück , als mit ihm den Wissenschaften obzuliegen , und da er von uns schied , erst um zu dem Bischof von Eichstätt zu gehen , jetzt später um in Italien zu studiren , da