geschützten Wagen saß und auf einer wohlgebauten Hauptstraße dahin rollte . Am dritten Tage mittags nach meiner Abreise von dem Rosenhause traf ich bei den Meinigen ein . Die zweite Ankunft in diesem Jahre . Sie hatten aus meinem Briefe die Verspätung meiner Ankunft entnommen , den Grund vollständig gebilligt , und wären , wie ich ganz richtig vorausgesehen hatte , unwillig auf mich geworden , wenn ich anders gehandelt hätte . Ich erzählte nun alles , was sich nach meiner schnellen Abreise von Hause begeben hatte . Da bei meiner ersten Ankunft gleich die eine Ursache zur Wiederabreise vorgekommen war , so konnte ich auch jetzt erst nach und nach erzählen , was sich im vergangenen Sommer mit mir zugetragen habe . Der Vater kam sehr häufig auf die Zeichnungen zurück , die ihm mein Gastfreund gesendet hatte , und aus seinen Reden war zu entnehmen , wie sehr er die Geschicklichkeit des Mannes anerkannte , der die Zeichnungen gemacht hatte , und wie hoch in seiner Achtung der stehe , auf dessen Veranlassung sie entstanden waren . Er führte mich neuerdings zu dem Musikgerättische , zeigte mir noch einmal , warum er ihn gerade an diesen Platz gestellt habe , und fragte mich wieder , ob ich mit der Wahl des Ortes einverstanden sei . Mich wunderte anfangs die Frage , da er sonst nicht gewohnt war , mich in solchen Dingen zu Rate zu ziehen . Nach meiner Ansicht war der Tisch in dem Altertumszimmer an dem Fensterpfeiler in passender Umgebung sehr gut gestellt und zeigte seine Eigenschaften in dem besten Lichte . Ich wiederholte daher meine vollkommene Billigung des Platzes , die ich schon vor meiner Abreise ausgesprochen hatte . Später aber sah ich wohl recht deutlich , daß es nur die Freude an diesem Stücke war , was den Vater zur Wiederholung der Frage über die Zweckmäßigkeit des Platzes und zum wiederholten Zurückkommen zu dem Tische veranlaßt hatte . Das freudige Wesen , welches ich bei meiner ersten Ankunft in seiner ganzen Gestalt ausgedrückt gesehen zu haben glaubte , erschien mir jetzt auch noch über ihn verbreitet . Selbst die Mutter und die Schwester schienen mir vergnügter zu sein als in andern Zeiten - ja mir war es , als liebten mich alle mehr als sonst , so gut , so freundlich , so hingebend waren sie . Wie sehr dieses Gefühl , von den Seinen geliebt zu sein , das Herz beseligt , ist mit Worten nicht auszusprechen . Ich erzählte meinem Vater von dem Marmorbilde , welches auf der Treppe im Hause meines Gastfreundes steht , und suchte ihm eine Beschreibung von diesem Kunstwerke zu machen . Er sah mich sehr aufmerksam an , ja mir war es einige Male , als sähe er mich gewissermaßen betroffen an . Er fragte um manches , und veranlaßte mich , neuerdings von dem Bilderwerke zu sprechen . Es schien ihn sehr angelegentlich zu berühren . Ich erzählte ihm dann auch von der Brunnengestalt in dem Sternenhofe , verglich sie mit der Treppengestalt im Rosenhause , suchte den Unterschied hervorzuheben , und suchte für die Treppengestalt weit den Vorzug zu gewinnen , obgleich sie der älteren Zeit angehöre , und die andere etwa erst im vergangenen Jahrhunderte verfertigt worden sei , und obgleich diese fast blendend reinen Marmor habe , die andere aber einen , dem man das hohe Alter schon ansehe . Er fragte auch hier noch um Vergleichungspunkte , und ich sah , daß er die Sache ergriff und Einsicht von ihr hatte . Ich erzählte ihm dann auch von den Gemälden meines Gastfreundes , ich nannte ihm die Meister , von denen Werke vorhanden wären , und bemühte mich , Beschreibungen von den Bildern zu geben , welche mich am meisten in Anspruch genommen hätten . Er tat auch in dieser Hinsicht zahlreiche Fragen , und machte , daß ich mich über den Gegenstand weiter ausbreitete , als ich wohl ursprünglich im Sinne hatte . Am zweiten Tage nach meiner Ankunft , da wir wieder von diesen Dingen gesprochen hatten , nahm er mich bei der Hand und führte mich in sein Bilderzimmer . Ich war absichtlich seit meiner Ankunft nicht in demselben gewesen , und hatte mir dessen Besuch auf eine ruhigere Zeit aufgehoben . Ich hatte die zwei Tage in Gesprächen mit meinen Eltern hingebracht , zum Teile hatte ich sie auch benützt , die Dinge , welche ich ihnen und der Schwester gebracht hatte , zu übergeben . Darunter waren auch die kleineren Marmorgegenstände , welche im Rothmoore fertig geworden waren . Der Rest der Zeit war mit Auspacken , Einräumen und mit einigen Ankunftsbesuchen ausgefüllt worden . Da wir in das Zimmer getreten waren und die Mitte desselben erreicht hatten , ließ er meine Hand fahren , sagte aber nichts . Ich war im größten Erstaunen . Die Bilder , welche vorhanden waren , und deren Zahl geringe war , weit geringer als bei meinem Gastfreunde , ja selbst im Sternenhofe , erschienen mir als außerordentlich schön , als ganz vollendete , zusammenstimmende Meisterwerke , wie sie , wenn ich dem ersten Eindrucke trauen durfte , bei meinem Gastfreunde in dieser gleich hohen und zusammen gehörigen Schönheit nicht vorhanden waren . Es befand sich , wie ich bald entdeckte , kein Bild der neueren oder neuesten Zeit darunter , sämtlich gehörten sie der älteren Zeit an , wenigstens , wie ich wahrzunehmen glaubte , dem sechzehnten Jahrhunderte . Ein ganz tiefes eigentümliches Gefühl kam in meine Seele . Das ist die große und nicht zu beschreibende Liebe des Vaters . Diese kostbaren Dinge besaß er , an diesen Dingen hing sein Herz , sein Sohn war vorüber gegangen , ohne sie zu beachten , und der Vater entzog dem Sohne doch kein Teilchen der Zuneigung , er opferte sich ihm , er opferte ihm fast sein Leben , er sorgte für ihn , und suchte ihm nicht einmal zu beweisen , wie schön die Sachen wären . Ich erfuhr