hielten lange Unterredungen mit ihm . Janos bewegte sich unterm Schutz der türkischen Sitte unbehindert in dem Umkreis des Konaks und jeder seiner Wünsche wurde gleich einem Befehl erfüllt . Mehrmals ließ ihn der Pascha zu sich kommen , um ihn den neugierig zum Besuch eingetroffenen fremden Consuln zu zeigen , und Alle unterhielten sich voll Theilnahme mit ihm . Im Laufe des Tages hatte sich auch der Knabe Mauro eingefunden und bediente fortan seinen Herrn und Oheim . Es ist ein eigenthümlicher Zug im orientalischen Leben , daß trotz des wüthenden Nationalhasses zwischen Türken und Griechen Beide heilig auf ein unter gewissen Bedingungen gegebenes Wort bauen . Ismaël-Pascha mußte die freiwillige Ueberlieferung des berüchtigten Bandenführers um so willkommener sein , als er sonst wenig Aussicht hatte , seiner habhaft zu werden . Denn obschon er weit energischer als seine Vorgänger im Amte auftrat und es seinen Maaßregeln auch bereits gelungen war , einen Theil der Bande des Janos von den Khawassen überraschen und niedermetzeln zu lassen , so zog sich doch ein weit drohenderes Ungewitter in der politischen Färbung zusammen , welche jetzt diese Banden anzunehmen begannen . In Smyrna , Sardes und Ephesus organisirten sie offen den Aufstand und suchten die Unzufriedenen an sich zu ziehen und die griechische Bevölkerung zur Erhebung der Waffen aufzureizen . Janos galt zugleich als der verwegenste und gefährlichste Führer , und es war den Türken sehr wohl bekannt , daß gerade zu ihm die griechische Bevölkerung , als zu dem geeignetsten Leiter einer Empörung , aufsah . Da , zu Anfang October , wurde plötzlich auf einem Dampfer der in Dardanelli an seiner Wunde krank gelegene Caraiskakis in Fesseln an den Gouverneur von Smyrna abgeliefert , indem den eben Genesenen mitten in seinen Nachforschungen nach der entflohenen Schwester und deren Verführer der dortige englische Consul durch die türkischen Behörden hatte verhaften lassen . Der Vice-Consul von Smyrna hatte - offenbar auf Veranlassung des Baronets , um ihn an der Verfolgung desselben zu hindern , - eine Klage gegen ihn auf Theilnahme an dem räuberischen Ueberfall und dem Niederbrennen seines Landhauses erhoben . Der Banditen-Chef schien seine Spione selbst im Konak des Pascha ' s zu haben , denn alsbald hatte er erfahren , daß der Sohn seines alten Herrn in dem türkischen Gefängniß lag und wahrscheinlich verurtheilt und in ' s Bagno nach Rhodus gebracht werden würde . Zwei Tage vor dem seltsamen Ereigniß , das jetzt alle Zungen von Smyrna in Bewegung setzte , war daher ein Fremder im Konak des Pascha ' s erschienen und hatte diesem das Anerbieten der Selbstauslieferung des Räubers gemacht . Wir haben den Fortgang der Verhandlungen gesehen . Am zweiten Tage , als Janos nochmals zum Gouverneur gerufen worden , machte dieser ihm den Vorschlag , als Renegat in seinen Dienst zu treten und das Amt eines Khawaß-Baschi zu übernehmen , ein Posten , der - wie man in Frankreich und selbst in deutschen Ländern die Spitzbuben , Revolutionaire und sonstige anrüchige Personen schon oft mit Erfolg zu Polizeibeamten gemacht hat - in der Türkei sehr häufig das Ende einer Räuberlaufbahn ist . Aber Janos verweigerte trotz aller Vorstellungen des ihm sonst drohenden Schicksals standhaft die Annahme des Vorschlags . So verging auch der dritte Tag unter den Vorbereitungen , die der Pascha zu dem Gericht über den Räuber treffen ließ . Am Nachmittag hielt Janos noch eine längere Unterredung mit mehreren angesehenen Griechen aus Smyrna und schien an diese seine Verfügungen getroffen zu haben . Als die Sonne im Westen in den prachtvollen Golf von Vurla verschwand und ihre letzten rothen Strahlen den Pagus färbten , traten die Khawassen des Pascha ' s zu Janos und seinen zwei Gefährten , die sein Schicksal theilen wollten , und legten ihnen schwere Fesseln an . Die drei Sonnen der Gastfreundschaft waren vorüber , die nächste sollte über dem Gericht aufgehen . Zugleich öffnete sich das Gefängniß des Konaks , die noch von dem schweren Krankenlager erschlaffte Gestalt Gregor ' s wurde herausgeführt und der Kiaia-Bey verkündete ihm seine Freilassung mit dem Bedeuten , daß er Smyrna spätestens am morgenden Tage zu verlassen habe . Das Wiedersehen des Hellenen mit dem gefesselten Freunde seiner Kindheit war ergreifend . Er ahnte Nichts von dem heldenmüthigen Opfer des Räubers und glaubte ihn auf einem seiner Streifzüge von den Leuten des Gouverneurs gefangen , und mit keinem Laut verrieth der Bandit sein Geheimniß . Gregor warf sich - unbekümmert um das blutige Handwerk des Mannes - wie ein Freund in seine Arme und beklagte , des eigenen vergessend , sein Schicksal . Auf den ausdrücklichen Wunsch des Räubers hatte Ismaël-Pascha gestattet , daß der Freigelassene bis zur herannahenden Katastrophe in seiner Gesellschaft bleiben durfte , und Beide verbrachten die Nacht mit dem Knaben Mauro allein in der Zelle des Gefangenen . Hier erst hörte Janos mit stummem Grimm die neue Entführung des Mädchens , das Duell des Griechen mit Sir Maubridge und die Quelle seiner Verhaftung . Aus seinem Munde dagegen erfuhr Caraiskakis , daß bereits am andern Morgen , noch ehe er selbst Smyrna verlassen werde , das Schicksal des Klephten3 entschieden sein würde . Janos täuschte sich keinen Moment über dasselbe und alle seine Worte hatten das ernste Gepräge des letzten Vermächtnisses an einen Freund vor dem schweren Gange zur Ewigkeit . Seine Rede , der der Mann und der Knabe aufmerksam während der Nacht lauschten , athmete in jedem Laut den tiefen Haß des griechischen Volkes gegen seine Unterdrücker und Tyrannen . Sie mahnte Gregor an den Heldentod des Vaters , an die theuren Gelübde , die er der Befreiung seines Volkes und seines Glaubens beim Eintritt in den Bund der Elpis geschworen , und Mann und Knabe wiederholten das Gelöbniß eines nur mit dem Leben endenden Hasses und Kampfes gegen den Halbmond . Erst gegen Morgen legte sich der Palikare zum Schlaf - es sollte der letzte sein , von dem er auf dieser Erde wieder erwachte . Der Khawaß-Baschi - dessen Nachfolger zu werden er