» So macht doch auf , schöne Judith , und wartet uns mit einer Tasse heißem Kaffee auf ! wir wollen uns ehrbar benehmen und noch ein vernünftiges Wort sprechen ! Aber macht auf , zum Lohn dafür , daß Ihr uns so angeführt habt ; es ist Fastnacht , und Ihr dürft ohne Gefährde einmal die vier ruhmwürdigsten Kumpane des Landes bewirten ! « Wir hielten uns aber ganz still ; schwere Regentropfen schlugen an die Scheiben , es wetterleuchtete sogar , und in der Ferne donnerte es , daß es klang , als wäre es Mai oder Juni ; um Judith kirre zu machen , sangen die Männer mit heuchlerischer Sorgfalt ein vierstimmiges Lied , so schön sie konnten , und ihr überwachter Zustand gab ihren Stimmen wirklich etwas gerührt Vibrierendes . Als dies alles nichts half , fingen sie an zu fluchen , und einer kletterte am Spalier zum Fenster empor , um in die dunkle Stube zu sehen . Wir bemerkten wohl seine spitzige Kapuze , die er über den Kopf gezogen hatte ; da erhellte mit einem Mal ein Blitz die Stabe , und der Späher konnte Judith ihres weißen Zeuges wegen erkennen . » Die verwünschte Hexe sitzt ganz aufrecht und munter am Tisch ! « rief er gedämpft hinunter ; ein anderer sagte » Laß mich einmal sehen ! « Doch während sie sich ablösten und die Stube wieder finster war , huschte Judith schnell zu ihrem Bett , nahm die weiße Decke desselben und warf sie über den Stuhl , worauf sie mich leis nach dem Bett hinzog , welches man vom Fenster aus nicht sehen konnte . Als jetzt ein zweiter , noch stärkerer Blitz die Stube ganz klar machte , sagte der Mann , welcher die Augen wie eine Doppelbüchse auf den Stuhl gerichtet hatte » Es ist sie nicht , es ist nur ein weißes Tuch ; das Kaffeegeschirr steht auf dem Tisch , und das Kirchenbuch liegt dabei . Der Himmelteufel ist am Ende frömmer , als man glaubt ! « Judith aber flüsterte mir ins Ohr » Der Schelm hätte dich jetzt ganz gewiß erblickt , wenn wir sitzen geblieben wären ! « Doch die gewaltigen Regengüsse , Blitz und Donner , die nun hereinbrachen , vertrieben den Späher vom Fenster ; wir hörten , wie sie ihre Kutten schüttelten und auseinandersprangen , um im Dorfe ein Unterkommen zu suchen , da sie alle weit von Hause waren . Als wir nichts mehr von ihnen hörten , saßen wir noch eine Weile ganz still auf dem Bette und lauschten auf das Gewitter , welches das Häuschen erzittern machte , so daß ich mein eigenes leises Zittern nicht recht davon unterscheiden konnte . Ich umfaßte Judith , um nur dies beklemmende Zittern zu unterbrechen , und küßte sie auf den Mund ; sie küßte mich wieder , fest und warm ; doch dann löste sie meine Arme von ihrem Hals und sagte » Glück ist Glück , und es gibt nur ein Glück ; aber ich kann dich nicht länger hierbehalten , wenn du mir nicht gestehen willst , daß du und des Schulmeisters Tochter einander gern habt ! Denn nur das Lügen macht alles schlimm ! « Ohne Rückhalt begann ich nun , ihr die ganze Geschichte zu erzählen von Anfang bis zu Ende , alles was je zwischen Anna und mir vorgefallen , und verband die beredte Schilderung ihres Wesens mit derjenigen der Gefühle , die ich für sie empfand . Ich erzählte auch genau die Geschichte des heutigen Tages und klagte der Judith meine Pein in betreff der Sprödigkeit und Scheue , welche immer wieder zwischen uns traten . Nachdem ich lange so erzählt und geklagt , antwortete sie auf meine Klagen nicht , sondern fragte mich » Und was denkst du dir jetzt eigentlich darunter , daß du bei mir bist ? « Ganz verwirrt und beschämt schwieg ich und suchte ein Wort ; dann sagte ich endlich zaghaft » Du hast mich ja mitgenommen ! « - » Ja « , erwiderte sie , » aber wärest du mit jeder anderen hübschen Frau ebenso gegangen , die dich gelockt hätte ? Besinne dich einmal hierauf ! « Ich besann mich in der Tat und sagte dann ganz entschieden » Nein , mit gar keiner ! « - » Also bist du mir auch ein bißchen gut ? « fuhr sie fort . Jetzt geriet ich in die größte Verlegenheit ; denn die Frage zu bejahen , fühlte ich nun deutlich , würde die erste eigentliche Untreue gewesen sein , und doch , indem es mich trieb , ehrlich nachzudenken , konnte ich noch weniger ein Nein hervorbringen . Endlich konnte ich doch nicht anders und sagte » Ja - aber doch nicht so wie der Anna ! « - » Wie denn ? « Ich umschlang sie ungestüm , und indem ich sie streichelte und ihr auf alle Weise schmeichelte , fuhr ich fort » Siehst du ! für die Anna möchte ich alles mögliche ertragen und jedem Winke gehorchen ; ich möchte für sie ein braver und ehrenvoller Mann werden , an welchem alles durch und durch rein und klar ist , daß sie mich durchschauen dürfte wie einen Kristall , nichts tun , ohne ihrer zu gedenken , und in alle Ewigkeit mit ihrer Seele leben , auch wenn ich von heute an sie nicht mehr sehen würde ! Dies alles könnte ich für dich nicht tun ! Und doch liebe ich dich von ganzem Herzen , und wenn du zum Beweis dafür verlangtest , ich sollte mir von dir ein Messer in die Brust stoßen lassen , so würde ich in diesem Augenblicke ganz still dazu halten und mein Blut ruhig auf deinen Schoß fließen lassen ! « Ich erschrak sogleich über diesen Worten und entdeckte zugleich , daß sie nichts weniger als übertrieben , sondern ganz der Empfindung gemäß waren , die ich von jeher für Judith unbewußt getragen