solle er nicht sparen und sich gehen lassen . Huslichkeit sei eine schöne Sache , aber am Hochzeittage dürfe man nicht auf den Kreuzer sehen ; wo es geschehe , sei es meist eine böse Vorbedeutung ; wenn die junge Frau halb hungrig heimkomme und pläre , so komme das selten gut . Uli weigerte sich erst , dankte vielmals für alle schon erhaltenen Vergünstigungen , versprach noch einmal alles Gute und nahm es endlich doch , obgleich er es nicht bedürfe und dafür Geld gerüstet hätte . Da lachte die Mutter : Das werde ein Haufen sein , sie könne es sich schon denken ; sie wisse , wie er es habe . Was er Ungerades zu einem Neutaler habe , das werde gerüstet sein , aber wechseln werde er kaum etwas lassen wollen . Ei , sagte Uli , wenn man das Geld genug verdienen müsse , so zähle man die Batzen , ehe man sie ausgebe , und jetzt könne er gar nicht begreifen , wie man an einem Tage so mir nichts dir nichts verhudeln könne , was man mit saurer Mühe während sechs Tagen an Wind und Wetter verdient habe . Ehedem hätte er es auch nicht so gehabt . Aber für morgen hätte er nicht sparen wollen und möchte gerne noch seinen alten Meister und dessen Frau einladen . Zwei Kronen oder sechzig Batzen sollten ihn nicht reuen . Da lachte das alte Ehepaar gar herzlich , selbst Joggeli , der es sonst selten tat . » Nu nu , « sagte er , » es ist nicht Gefahr , daß du um deine Sache kömmst , wenn du nie mehr brauchst und noch Leute zu Gast haben willst . Es ist gut , daß ich noch etwas nachgebessert , sonst hätte Kohli Hunger haben müssen , und du hättest noch manchen Tag ein saures Gesicht gemacht über das zu viel gebrauchte Geld , und ds Vreni , weil du ihm Hunger und Durst gelassen . Gute Nacht ! « Uli aber hatte keine gute Nacht . Früh um drei wollten sie fort . Der Stunden waren also wenige bis dahin , aber sie wollten nicht vorbei . Er konnte nicht schlafen , gar vieles bewegte ihn , warf ihn unruhig hin und her , und alle halbe Minuten griff er nach der Uhr . Die ganze Bedeutung , in die er treten sollte , wälzte sich in ihrer ganzen Schwere auf seine Seele . Dazwischen gaukelten liebliche Bilder , und Vreneli in seiner ganzen Holdseligkeit tanzte vor seinen geschlossenen Augen . Noch nicht lange war die Geisterstunde vorüber , als er das Bett verließ , um dem Pferde sein Futter zu geben und es gehörig zu putzen und zu striegeln . Als er mit dieser Arbeit fertig war , ging er zum Brunnen und begann das Werk auch an sich . Da umfingen ihn wieder schalkhafte Hände , und Vreneli brachte ihm den holden Morgengruß . Ein Vorgefühl hatte es zum Brunnen geführt , und sie kosten in kalter Morgenluft , als ob laue Abendwinde säuselten . Das Beängstigende , Drückende schwand ihm nun , und rasch förderte er die Vorbereitungen zur Abfahrt . Bald konnte er in die Stube zum warmen Kaffee , den Vreneli gekocht und zu dem die Base weißes Brot und Käse gerüstet hatte . Wenig Ruhe hatte das Meitschi am Tische , der Kummer , etwas zu vergessen , ließ es nicht rasten ; das Zusammengelegte wurde immer wieder besehen , ob nichts fehle , und doch wären die Finkenschuhe der Base bald zurückgeblieben . Endlich stund es fix und fertig da , holdselig und schön . Die beiden Mägde , die der Gwunder aus dem Bette getrieben , umleuchteten es mit ihren Lampen und waren so in Bewunderung vertieft , daß sie vergaßen , daß das Öl Flecken mache , daß das Feuer zünde ; bald wäre Vreneli in Öl getränkt im Feuer aufgegangen . Ach , in der armen Mägde fleischichten Herzen wogte das Verlangen : ach , wenn sie doch einmal so schöne Kleider hätten , so würden sie auch so schön sein wie Vreneli , dann könnten sie auch einmal mit einem so schönen Mann zHochzyt ryten ! Lange vor drei Uhr fuhren sie in den kalten , bereiften Morgen hinaus . Es ist seltsam , wie froh und frei es einem im Gemüte wird , wenn man des Hauses beengende Schranken verläßt , von den allenthalben einem entgegentretenden Geschäften sich wendet und hinaustritt in einen hellen Morgen Gottes . Da geht es einem weit vor den Augen auf , weit wird das Herz , und kühnen Mutes schlägt es dem Leben entgegen , dem Leben , rosenrot gefärbt durch das junge Morgenlicht . Wenn der Abend wiederkömmt , dann kehrt in die müden Glieder das Sehnen ein nach des engen Hauses Ruhe , jede kleine Mühe wird zum Berge , der seufzend bezwungen wird , und erst leuchtet das matt gewordene Auge wieder auf , wenn das düstere Häuschen sichtbar wird , wenn das dunkle Kämmerlein sich zeigt , wo Ruhe ist für die müden Glieder , wo das an Heimweh kranke Herz heilende Schranken findet . Fröhlichen Gemütes fuhren sie der Stunde entgegen , in der ihr Bund fürs Leben geheiligt werden sollte ; ein fröhliches Vertrauen zu sich und Gott hatte sich auf erbaut in ihren Herzen , sie zweifelten nicht an ihrem Glücke . Fröhlich küßte Uli sein Mädchen , er wußte , die verschwiegenen Sterne plauderten es nicht aus . Er hatte seine Freude an Vrenelis kalt angehauchten Wangen , die , sobald er sie berührte , zu schwellen und zu glühen begannen , als ob sie nur die Wölbung wären des geheimen Feuerherdes , der bei jedem männlichen Hauche zu flammen und zu sprühen beginnt . Er hatte den Mut , zu sagen : Das sei doch ein ander Küssen als auf Elisis kalte Backen , die ihm immer vorgekommen wären wie eine weseme Rübe , und es