hervor gehoben hatte , in den Hintergrund gedrängt . Eifrig eilten ihre Gedanken der Stellung entgegen , die sie jetzt mit vermehrter Sicherheit einzunehmen vermochte , und die ihr endlich die Erfüllung aller ihrer Wünsche verhieß . Dieser kühne Gedankenflug erlitt eine kleine Störung , als sie dem Marschall und Leonin an der großen Abfahrtstreppe begegnete , wo Beider Karossen standen . Leonin hing wie ein bleicher Schatten in seinen glänzenden Hofkleidern - sein Gesicht trug den Ausdruck hinsterbender Apathie . Man versammelte sich in den inneren Appartements der Königin Maria Theresia . Wie der Marquis gesagt - der kleine Zirkel bestand immer noch aus einigen hundert Personen , und wer heute Zutritt hatte erlangen können , hatte sich herbei gedrängt ; denn ohne daß es ausgesprochen war , blieben die Andeutungen doch nicht aus , daß sich hier etwas Besonderes ereignen solle . Voll Erstaunen gewahrte man den Abbé Fenelon , der mit ungewöhnlich blassem Gesicht sich zurückgezogen hielt . Man fragte , man trug zusammen und kam der Wahrheit zuletzt ziemlich nahe , während man voll Ungeduld die Königin erwartete . Dieser Augenblick trat endlich ein . Mit der größten Huld und Freundlichkeit erschienen Beide - die junge Königin , auf den Arm ihrer imposanten Schwiegermutter gestützt . Ihnen folgten die Prinzessinnen des Hauses - dann die Kavaliere und Damen der Bedienung . Unter ihnen fehlte Mademoiselle de Lesdiguères , welches sogleich von Allen bemerkt ward . Die Königinnen hielten mit diesem Gefolge ihren Umzug durch den Saal , und zeichneten vorzüglich die Familie Crecy und Lesdiguères durch ihre Freundlichkeit aus . Während dem zupfte der Marquis Vieuville Leonin bei Seite ; Beide verließen den Saal , der Marquis führte Leonin durch einen Umweg in das Kabinet der Königin . Als Leonin eintrat , erblickte er sogleich die wunderschöne Gestalt der Mademoiselle de Lesdiguères , die in reichem Silberstoff , mit Juwelen geschmackvoll verziert , auf einem Tabouret in der Mitte des Zimmers saß und die Augen fest auf die Thür geheftet hielt , aus der Leonin und der Marquis Vieuville jetzt hervortraten . » Viktorine ! « rief Leonin - bei ihrem Anblicke sogleich das geheimnißvolle Flüstern verstehend , was ihn den ganzen Abend verfolgt hatte , - » Viktorine , meine Braut ! meine Geliebte ! « Er stürzte mit einer Heftigkeit , die ihn plötzlich aus seiner Apathie erweckte , auf Viktorine zu , und seine Bewegung war um so stürmischer , da sie mehr einem physischen Nervenreize , als der Wärme seines gemordeten Herzens entsprang . Viktorine sah ihn in unbeschreiblicher Bewegung zu ihren Füßen liegen . Sie war vollständig geschaffen , die rührende Wichtigkeit des Augenblicks zu empfinden , und Thräne auf Thräne fiel aus den schönen , glänzenden Augen auf Leonin ' s Haupt , das er in ihren Händen verbarg . » Leonin , « sagte sie dann sanft , » ich bin Ihnen Beides mit voller Ueberzeugung und von ganzem Herzen - und die Königin will , daß Sie durch mich erfahren sollen , wie bereit ich bin , Ihnen dies zu bestätigen ! « » O , Viktorine , « rief Leonin , » ich bin es nicht werth , Ihr Gatte zu sein ! Bedenken Sie , was Sie thun ! - Ich bin Ihrer nicht werth ! Sie sind ein Engel - ich bin ein armer , schwacher , elender Mensch ! « Viktorine sah die Todtenblässe , die eingesunkenen Züge seines schönen Gesichtes in dem Augenblicke , wie er in der tiefsten Erschütterung den Kopf zu ihr aufhob ; - und wie auch die Welt sie als kalt und gefühllos bezeichnete , sie war vollständig Frau ; so war auch bei dem Anblicke seiner leidenvollen Züge ihr erstes Gefühl nur das zärtlichste Erbarmen - und das zweite der schöne Muth , ihm dies Gefühl zu zeigen , ihn schützend und heilend zu umgeben mit dem Reichthume weiblicher Hingebung . » Leonin , « sagte sie zärtlich , » Sie sind krank - Ihr Ansehn verräth es mir ! Hören Sie auf , in dieser Stimmung so hart und mißtrauend über sich zu urtheilen ! Wenn Sie aber leiden , so nehmen Sie Ihre Viktorine als Stütze , als Trost hin ; - ich fühle in mir die Kraft , Ihnen Beides zu sein . « » O , Geliebte , « rief Leonin , » ist es wahr ? Darf ich noch nach solchem Erdenglücke die Hand ausstrecken ! Ist es möglich , daß Viktorine mir gehören will ? « » Schwärmer ! « lächelte sie ihm entgegen - » überzeugen Sie sich denn , ob ich Ihnen bestimmt bin ! Die Kapelle der Königin ist erhellt - Fenelon erwartet uns am Altare - die Königin wollte , daß ich Ihnen diese Ueberraschung mittheilen sollte . « Leonin antwortete mit einem Schreie . Sein Kopf sank in ihren Schooß . Ueber ihm hing das edle , zärtliche Mädchen , mit dem seligsten Gefühle des weiblichen Herzens - denn sie hoffte geliebt zu sein ! » So habe ich es wohl ganz recht gemacht ? « sagte eine sanfte Stimme . - Beide fuhren in die Höhe , an dem wohlbekannten , heiß geliebten Tone die Sprechende erkennend . - Maria Theresia und Anna von Oesterreich standen , leise eingetreten , vor dem so ungleich bewegten Paare . Viktorine sank vor der Königin aufs Knie - Leonin that mechanisch dasselbe . Beide Königinnen segneten sie mit Wohlwollen und Rührung ein . Jetzt füllte sich hinter ihnen das Zimmer - Henriette von England umarmte Viktorine und hieß sie niedersitzen . Die Flügelthüren nach den mit Hofleuten gefüllten Sälen wurden geöffnet , um den Anwesenden eine Erklärung des heutigen Festes zu verschaffen . Die Königin nahm der Herzogin von Bellefond ein Diadem von Brillanten ab und machte eine Bewegung , es der Braut um die Stirn zu legen . Die schönen Hände von Madame vollendeten das Werk , dem sie den bedeutungsvollen Kranz von Orangenblüten hinzufügten . Die Königin