für sicherer vor all Deinen angedeuteten Fährlichkeiten ? Sage mir doch wenigstens , ob Du Dich bei meiner Beschützung als Geisterbannerin zeigen mußt , oder bewaffnet mit Degen und Pistolen , damit ich erfahre , welcher Art meine Gefahren sein werden . Ach , theure Lady , spottet nicht , fuhr Margarith ängstlich fort ; Ihr mögt wol sehr muthig sein , aber was hier zuweilen geschieht , sträubt wol Männern das Haar , und Ihr würdet es nicht so leicht ertragen , als Ihr glaubt . - Wenn dem so wäre , glaubst Du , daß Dein alter Vater uns hier verlassen und uns schutzlos der Gefahr Preis geben würde ? Geh , geh , Margarith , Du hast zuviel Ammenmährchen gehört , ich aber kenne thörichte Furcht nicht und verlange allein zu schlafen . - Nein , nein , liebe Lady , Ihr werdet das nicht wollen , ich müßte ja den Weg allein zurück machen , und überdies - sie stockte . Nun überdies ? fragte die Lady , überdies bist Du eigensinnig und willst nicht gehorchen . Ach Ihr zürnt , theure Lady , ich aber bin unschuldig an Euerm Unwillen , denn seht , ich kann wol dieses und jenes Zimmer verlassen , aber weiter nicht , denn - denn wir sind ja eingeschlossen . Eingeschlossen ? rief die Lady , und nie sah Margarith schneller veränderte Züge , als bei diesem Worte . Gefangene ! fuhr das Fräulein in höchster Ueberraschung fort , ist es möglich ? Margarith , was treibt man mit mir , wer wagt es , so mich zu behandeln , mit welchem Rechte verfügt man über die Freiheit meiner Person ? Sprich ! Ich befehle Dir , mir zu sagen , wer ist die Besitzerin des Schlosses ? Wo bin ich ? und was weißt Du von den Absichten auf meine Person ? Doch Du träumst , Mädchen , Deine abergläubische Furcht will mich einschüchtern , damit Du Deinen Willen behältst ; ich selbst werde untersuchen , ob Du mich zu täuschen denkst . Mit flüchtigem Fuße eilte sie , ein Licht ergreifend , durch das angrenzende Zimmer nach dem großen jetzt wieder völlig leeren Vorzimmer , das ohne Kerzen , von der Flamme des Kamins nicht mehr erhellt , ein ödes geisterhaftes Ansehn hatte . Aber das Fräulein , voll Erwartung und erzürnt über die Möglichkeit , daß Margarith Recht haben könne , nahm wenig davon wahr ; sondern froh nur , die große Eingangsthür zu erkennen , eilte sie mit schnellen Schritten darauf zu . Doch sie drückte vergeblich an dem breiten eisernen Schlosse hin und her , und ihr Licht dazu erhebend , erkannte sie bald den einfachen Mechanismus eines von Außen befestigten Riegels . Die Ueberzeugung von der Wahrheit dessen , was sie als eine große persönliche Beleidigung ansah , überwältigte ihren Geist für den Augenblick bis zu einer Art von Betäubung . Sie lehnte den Kopf gegen den Arm und an das verhängnißvolle Schloß , als müsse sie auf dieser Stelle Mittel zu ihrer Befreiung ausdenken . Das Licht hing unbeachtet in der andern niedergesunkenen Hand , und die kleine Flamme suchte an ihrem langen niederhängenden Nachtkleide eben weitere Nahrung , als seufzend und mit unterdrücktem Weinen die näher geschlichene Kleine es aus ihrer Hand zog . Ach , Lady , kommt hier weg , schluchzte sie leise , ach , zürnt nicht länger . Halt ! rief Maria aufschreckend , ich höre Schritte , hörst Du es , Margarith ? Heiliger Gott , sei uns gnädig ! stammelte Margarith und strebte die Lady mit sich zu ziehn . Nein , sprach Maria , ich werde diesen späten Wanderer anrufen , er soll augenblicklich Deinen Vater herbei holen und sagen , daß man mich hier als Gast und nicht als Gefangene behandele ! Nein , nein ! o schweigt , rief Margarith , sich vor ihr niederwerfend . Aber Maria war aufgeregt und zürnend , und als die Fußtritte jetzt vor der Thür anzuhalten schienen , als ob das Geräusch , welches Maria absichtlich an dem Schlosse machte , sie festhielte , rief sie : Wendet Euch hierher ! Habt die Güte , diese Thür von Außen zu öffnen , so Ihr könnt , oder Miklas , den Hausvogt , zu rufen ! Sogleich schien Jemand von Außen mit Ungestüm gegen die Thür zu fahren , und nach einigen ungeschickten Versuchen , sie so aufzudrücken , rasselte es heftig an dem Schlosse , welches zitterte und nachgab . Maria riß der niedergesunkenen Margarith das Licht aus der Hand , und es hoch hebend blickte sie der aufgestoßenen Thür entgegen . Doch voll Grauen bebte sie zurück , als ein Weib eindrang , dessen verwildertes Ansehen eine Wahnsinnige bezeichnete . Ihre grauen Haare hingen unter einem schwarzen Schleier lang hervor und in dünnen Strähnen über ihre furchtbar hohe Gestalt , welche nur von nothwendiger Kleidung gedeckt , Hals , und Brust und Arme in widriger Abzehrung zeigte . Aber vor Allem furchtbar war die Grabesfarbe des Gesichts , die stieren , glanzlosen Augen , und das Lächeln des Wahnsinns um den lippenlosen Mund . Schaudernd trat Maria zurück , aber angezogen schien die gräßliche Erscheinung von ihrem Anblick , sie folgte ihr nach , den mehrarmigen Leuchter gegen sie vorstreckend , und je länger sie mit ihren furchtbaren Augen sie anblickte , desto mehr gewann ihr starres Gesicht einen gemischten Ausdruck von Erstaunen und Wuth . Wer bist Du ? sagte sie mit heiserer Stimme , ich muß Dich kennen ! Sie rieb die Stirn , und wieder vordringend , rief sie , höllisch lachend : Du bist so ein Spuk aus der großen Welt , woraus sie mich vertrieben . Ha , jetzt kenne ich Dich ! Doch von wannen kommst Du ? Wer brachte Dich hierher ? Sendet Dich der Knabe Villiers , den sie Herzog nennen ? Ha , ha , ha , ha ! Du bist es , und kennst Du mich