Reiz haben , als diese ernsten Betrachtungen , sie schrieb aber gegen die Gewohnheit ihrer Schwestern auf Thronen sehr selten und immer nur das Notwendigste ; sie sah mit Lust und Aufmerksamkeit , aber sie gab nicht gerne davon Rechenschaft , nur ein Gespräch konnte sie zur Ausführlichkeit bringen . Von ihrem ersten Eintritte in Italien hatte sie den beiden Fürstinnen etwas Schriftliches versprochen ; der Brief wurde aber sehr kurz : sie erklärte darin , daß es eben das Herrlichste an ganz Italien sei , daß sich nichts davon eigentlich mit Absicht beschreiben lasse ; die Reisebeschreiber jenes Landes , die man bis dahin als sehr lebendig bewundert , selbst die Dichter scheinen dort ganz töricht , entweder zerfallen ihre Worte in lauter Flittern , die aufeinander gehäuft sind und keinen Überblick gestatten , oder sie werden so steif und ärmlich , als hätten sie statt des Landes eine plastische Landkarte , wie sie in der Schweiz aus Kraftmehl und Moos verfertigt werden , vor Augen gehabt . » Nur eure mündliche Erzählungen von schöner Wärme belebt , fallen mir hier zuweilen ein . « So schloß ihr Brief . Je mehr sie der göttlich verjüngenden Milde des Landes genoß , desto wunderlicher drängte sie das Verlangen nach einer ganz vertrauten Seele , in der das Vorübergehende einen Widerschein gebe , sie wünschte sich eine Freundin und hoffte sie in einer der Töchter des Grafen zu finden ; darum eilte sie nach Sizilien , ungeachtet der Schreiber noch lange nicht alle alte Inschriften kopiert hatte ; sein Tagebuch forderte beinahe schon einen Beiwagen . Es ist unmöglich , ergebener zu sein , als ihr dieser gute Junge anhing , jedes freundliche Wort , das sie ihm schenkte , lebte eine Ewigkeit in seinem Gedächtnisse ; ihr reicher Geist wirkte ohne Absicht auf seine Ausbildung , doch müssen wir eingestehen , daß sie ihrem Alter zum Trotz so wohlerhalten frisch war , daß auch ihre Schönheit einigen Einfluß auf ihn haben mochte . Zwölftes Kapitel Ankunft der Fürstin und ihres Schreibers bei der Herzogin Die Fürstin überraschte die Herzogin in der Mitte ihrer Beschäftigungen , und fand sich dadurch etwas beleidigt , daß sie in der regelmäßigen Ordnung ihres Lebens sich durch ihre Ankunft in nichts stören ließ , vielmehr in ihrer Gegenwart eine Menge harrender Leute abfertigte . » Nein « , sagte die Fürstin in sich , » so kalt anteillos , bloß mit dem Allgemeinen beschäftigt , soll meine Freundin nicht sein « , und ließ sich zu der Gräfin führen . Die Gräfin empfing sie sehr lebendig , freute sich ihrer daurenden Unveränderlichkeit ; die Fürstin meinte schon , ihre ideelle Freundschaft auf ewig geknüpft zu haben , aber die Kinder schrien und tobten immer dazwischen , und die Gräfin verließ sie um keinen Preis . Sie wollte mit ihr über Musik und Kunstwerke sprechen , aber das wenige , was Dolores sonst davon gewußt , hatte sie über das Abc lernender Kinder ganz vergessen . Die Fürstin langeweilte sich . Endlich trat der Graf herein , heimkehrend von einer kleinen kriegerischen Unternehmung gegen Raubgesindel , frisch und fröhlich , wenn gleich über zwölf Jahre älter , als zu der Zeit , wo er Dolores gewonnen , aber durch die neuen lebendigen Tätigkeiten reichlich ausgebildet , gewandter , beredter , mitteilender und unternehmender . Die Fürstin fühlte eine besondre Angst bei seinem Anblicke , niemand war ihr je so herrlich erschienen , und dabei fühlte sie den Wunsch , ihm recht zu gefallen ; ihr fürstlicher Stolz verließ sie ganz . Die Bilder von Freundinnen verwandelten sich in einen Freund ; sie fand das ihrer ganzen Natur angemessener , die sich nie mit den Weibern zu längerem Umgange einlassen konnte ; an Liebe dachte sie nicht entfernt . Der Graf hatte eine Freude von ihr über politische Ereignisse das wahre Gediegene zu hören ; ihre Urteile über Kunstwerke stimmten mit seinem Gefühle und er sagte es ihr offen , daß sie seinen häuslichen Kreis durch ihre Gegenwart hoch beglücken werde . Die Gräfin freute sich über den Beifall , den ihr Mann der Fürstin schenkte , sie kannte ihn , daß er nie schmeichle und daß er gegen manche Frauen sehr strenge gewesen , die ihr recht wohl gefallen . Die Fürstin schloß sich jetzt der Gräfin und den Kindern viel mehr an , sie wußte selbst nicht warum ; die Kinder hatten alle zu ihr ein mächtiges Zutrauen , und erzählten ihr kleine Märchen , von denen Sizilien sehr voll ist . Der Graf brachte sizilianische Sänger , von denen die Fürstin mit geübtem Ohre manches erlernte . Der erste Vormittag verging so schnell - wie die nächsten Tage , wo die Fürstin sich in einem Flügel des Schlosses vollkommen eingerichtet hatte . Der Schreiber ärgerte sich über dieses ruhige Leben im Schlosse , mehr aber , weil ihn die Fürstin über den Grafen ganz vergessen zu haben schien ; sein Tagebuch sah sie nicht weiter an , auch war hier weniger Eigentümliches zu bemerken , weil der Graf und die Herzogin manches Deutsche hieher übertragen hatten . Die Gräfin und die Herzogin genossen erst recht des Umgangs vom Grafen , seit die Fürstin in ihrer Mitte wohnte ; beide gaben ihm sonst nur im praktischen Geschäfte Gelegenheit , seine Talente zu entwickeln ; seine Freude an Künsten aller Art verschloß er bisher unwillkürlich in sich , weil er seinen Geschmack den Gesellschaften nie aufdrang , sondern fast immer die Unterhaltung nach der Sinnesart der andern einzurichten bemüht war . Eifersüchtig konnte die Gräfin auf die Fürstin nicht werden , denn sie ehrte sie wie eine Mutter , die sie auch sein konnte , auch hatte sie ein unwandelbares Zutrauen zu der Liebe ihres Mannes . Einem Manne , der so offen mit sich umging wie der Graf , war es keinen Augenblick verborgen , daß er eine lebendige Freundschaft zur Fürstin fühle ; gewohnt mit sich zu rechten , fragte er sich , ob