noch vorgefallen ist , um ihm diesen Entschluß , der vielleicht bei zunehmender Krankheit seit längerer Zeit in seiner Seele lag , so schnell , so plötzlich zu entreißen , vermag Niemand mit Gewißheit zu bestimmen . Galerius hat viele - lange , und öfters heftige Unterredungen mit ihm gehabt . Genug , der erste Mai ist zu dem feierlich ernsten verhängnißvollen Schauspiel bestimmt . Von allen Seiten zieht Neugier , Erwartung , Furcht und Hoffnung , Fremde und Einheimische in die Stadt . Auch der edle König von Armenien ist mit seiner Gemahlin von zwei Tagen hier angelangt . Sie ist , das sage ich dir im Vertrauen , und um dich zur nöthigen Stärke aufzufordern , falls noch ein Ueberrest alter Neigung in dir wohnt - schöner als je , besonders in der üppigen reichen Kleidung ihres neuen Vaterlandes . Er sieht mit Grund den Folgen des wichtigen Ereignisses nicht ohne Besorgniß entgegen . Was ist sich von der alten Zuneigung eines Mannes , wie Galerius , zu versprechen , der mehr als das Interesse eines Bundesgenossen , der das Wohl des eigenen Staats - seinen wilden Begierden zu opfern im Stande wäre ? Ich werde mich verwahren ; das habe ich längst als höchst nöthig erkannt , das hat deine treue Bruderliebe mir neuerdings an ' s Herz gelegt . Auch sind schon alle Anstalten getroffen . So wie Diocletian vom Throne steigt , und dem Galerius die Zügel übergibt - ist Nikomedien kein sicherer Aufenthalt mehr für mich . Du aber komm , komm schnell , du mußt Zeuge jenes Tags seyn , du mußt hier zurückbleiben , um für mich zu wirken , wenn meine persönliche Sicherheit mich des Galerius gefährliche Nähe fliehen heißt . Die beigeschlossene geheime Schrift enthält alle Maaßregeln , die du auf dem Wege hierher für mich zu treffen hast , damit ich denselben Pfad zurück bis nach Britannien sicher und schnell machen könne , wo ein geliebter Vater mir wichtige und würdige Geschäfte bereitet hat . Ich erwarte und bitte dich , in so kurzer Zeit , als möglich ist , mit Theophania und deinem Sohne den Weg von Laureacum bis hierher zu machen . Leb ' wohl . 100 . Theophania an Junia Marcella . Byzanz , im April 305 . Da bin ich wieder , im Angesichte des theuern Vaterlandes . Gegen mir über liegt die Küste von Bithynien . Bald , in wenig Stunden werde ich sie betreten , und ein geheimer Schauder ergreift mich bei dem Gedanken an Alles das , was ich dort schon erfahren habe , was ich vielleicht noch zu erfahren haben werde . Warum kann ich mich nicht freuen ? Warum erfüllt , was ich von der nächsten Zukunft weiß , die Abdankung des Diocletians , Constantins Maaßregeln , seine hochfliegenden kühnen Plane mein Herz mit geheimer Angst ? Ach , Agathokles und sein Wohl , und so auch das meine sind zu tief , zu innig mit Allem diesem verwebt , um mir einen freien , frohen Blick in die wildverworrene Ferne zu gestatten . Dunkle Gestalten regen sich im Hintergrunde , wilde Leidenschaften gähren sich in grauenvoller Stille , und nur das Auge , vor dem die Nächte sonnenhell , und tausend Jahre wie einer unserer Tage sind , weiß , wie sich diese düstere Zukunft entwickeln wird . Ach wie glücklich war ich in Synthium ! Warum konnte ich es nicht lange , nicht immer bleiben ? Ich erkenne die Würdigkeit des Zweckes , den Constantin und Agathokles sich vorsetzen , ich muß ihre Anstrengungen loben , ihre Maaßregeln billigen , aber ich fürchte , mein stilles Glück geht in dem großen Kampf gewaltiger Massen unter . So werde ich Nikomedien nicht mit fröhlichem Herzen wiedersehen , und unter trüben Vorbedeutungen naht sich mir zum zweiten Mal der Zeitpunkt , der jedem Weibe so wichtig ist , der jedes Mal über Leben und Tod entscheiden kann . Sollte ich dies Mal minder glücklich seyn , als das erste Mal ? Sollte das neugeborne , und das noch kaum lallende Kind mutterlose Waisen werden ? - O die Trennung von ihnen und Agathokles ist das Einzige , was mir jenen düstern Uebergang schrecklich machen könnte . Ich kann hier nicht glücklich seyn ohne sie - wie könnte ich dort der Seligkeit genießen ? Und wenn Gott über mich gebeut - mit schaudernder Ergebung unterwerfe ich mich - dann sey du meinen Verlassenen Mutter , bis ihre reifern Jahre sie zu keiner unerträglichen Last mehr für ihren theuren , unglücklichen Vater machen . Ich werde ruhiger sterben , wenn diese Aussicht mir die Trennung von meinen Lieben versüßt , ich werde mit dem Gefühl erfüllter Pflicht sterben , mit dem der Krieger im Schlachtfeld fällt . Ich sterbe in und wegen meiner Pflicht . So wenigstens erscheint mir der Tod eines Weibes über der Geburt eines neuen Menschen , eines Weltbürgers , eines künftigen Christen . Leb ' recht wohl , meine Geliebte ! Aus Nikomedien schreibe ich dir nächstens , und ausführlicher . Unsere Reise gleicht diesmal einem Fluge , und schon kömmt man , mich zu ermahnen , weil das Schiff , das uns an ' s bithynische Ufer bringen soll , die Segel lösen will . Leb ' wohl ! 101 . Marcius Alpinus an Lucius Scribonianus . Nikomedien , im April 305 . Die Würfel liegen , die Hand des Zufalls greift nach der Scheere , um das letzte Haar abzuschneiden , welche das bloße Schwert über den wichtigsten von Galerius Feinden aufgehoben hält . Doch ohne Bilder , mein Freund ! denn ich liebe sie nicht , weil sie mich unbequem dünken , meine Gedanken , die nichts als klare Wahrnehmungen enthalten , auszudrücken . Im vergangnen Monat hat sich der kaum hergestellte Kaiser dem Volke zum ersten Mal wieder gezeigt , und wer ihn lange nicht sah , hatte Mühe , ihn wieder zu erkennen . Seine Gesundheit ist ganz zerrüttet , seine Kraft gebrochen