neue Verhältnis benachrichtigen und fragen müssen , das Ja oder Nein dazu erhalten ; sei es ein Nein - was er aber nicht verbürge - , so müsse Albano das Rätsel lösen ; sei es ein Ja , so steh ' er selber für das zweite ihrer Eltern ; zugleich müss ' er aber auf ihr festestes Schweigen gegen diese über sein Anfragen , wodurch sie sich vielleicht kompromittiert finden könnten , Anspruch machen . Damit wurzelte er nur noch tiefer in ihr Vertrauen ein . Sie fragte zitternd , wie lange die Antwort verziehe . » Sechs , acht , eilf Tage nach der Vermählung höchstens ! « sagt ' er rechnend . - » Ja , guter Augusti ! - Ach , wir leiden ja alle « , sagte sie und setzte vertraulich und aus weinender Brust hinzu : » es geht Ihm aber wohl ? « - » Er ist fleißig « , versetzt ' er . So brachte er sie , mit zwei Geheimnissen beladen und für jetzt eine Interims-Absonderung bejahend , zur Mutter zurück ; aber diese zahlte nur dem Lektor den Lohn eines freundlichen Blickes aus . Er verlangte indes - nach seiner Kartäuser-Manier - keinen andern als das gütigste Schweigen gegen den Minister über seine Einmischung , da dieser sein Verdienst dabei etwan für größer halten könnte , als es wäre . Dem Minister wurde die achttägige Besserung und Enthaltung angesagt . Er glaubte - sich Mißtrauen in die Frau vorbehaltend - doch weiter in Feindes Land einzudringen mit seinen Waffen ; auch ließ er sich die neue Frist und Lianens Entkerkerung mit darum gefallen , um seine Tochter bei dem Vermählungsfest blühend und gesund als eine glänzende Pfauhenne an seine Geliebte und vor sich her zu treiben . Roquairol kam jetzt von dieser zurück ; und strahlte ein paar Wolken im Hause mit schönem , hellem Morgenrote voll . Er überbrachte dem Vater Nachrichten und Grüße von der Fürstin . Lianen brachte er das Echo jener geliebten Stimme mit , die einmal zu ihrem Himmel gesagt hatte : er werde ! - ach die letzte Melodie unter den Mißtönen der uneinigen Zeit . Er erriet leicht - denn er erfuhr wenig von der ihn vernachlässigenden Mutter und nichts von der Tochter - , wie alles stehe . Als er vollends Albanos Blatt an diese ihr am dämmernden Abend in den Arbeitsbeutel schieben wollte und sie mit einem Ach der Liebe sagte : » Nein , es ist wider mein Wort - aber künftig etwan , Karl ! « - : so sah er » mit brausendem Ingrimm seine Schwester im offnen Charons-Kahn zum Tartarus aller Leiden schiffen « , wie er sagte . An den Freund dacht ' er weniger als an die Schwester . Der freundliche , schmeichelnde Minister - er schenkte zum Beweis dem Hauptmann einen Sattel von Wert - berichtete ihm den Besuch Rabettens und gab Winke über Verlobung und dergleichen ; Karl sagte keck : er schiebe all sein Glück hinaus , solange seine liebe Schwester keines voraussehe . Um den alten Herrn wieder mehr für Lianen einzunehmen , führt ' er ihn für das Vermählungsfest auf eine romantische Invention , die Froulay nicht ahnete , als er schon ganz dicht an ihr stand : nämlich Idoine ( die Schwester der Braut ) war Lianen auffallend ähnlich . Die Fürstin liebte sie unaussprechlich , sahe sie aber nur selten , weil sie ihres starken , einmal zu einer Thron-Ehe neinsagenden Charakters wegen auf einem von ihr selber gebaueten und regierten Dorfe wohnte , höflich vom Hofe verbannt . Er legte nun dem Vater die poetische Frage vor , ob Liane nicht in der Illuminationsnacht einige Minuten lang im Traum-Tempel , der ganz zu diesem schönen Truge passe , die Fürstin mit dem Widerschein ihrer geliebten Schwester erfreuen könne . Entweder machte den Minister die Liebe gegen die Fürstin kühner , oder der Wunsch trunkner , Liane als Hofdame glänzend einzuführen : genug er fand in der Idee Verstand . Wenn etwas für den Separatfrieden , den er mit dem Sohne gemacht , den Tabak in die Friedenspfeife hergab : so war es dieses Rollenblatt . Er eilte sogleich zum Fürsten und zur Prinzessin mit der Bitte um seine Erlaubnis und um ihre Teilnahme ; - darauf , als er beides hatte , zu seinem Orest Bouverot und sagte : » Il m ' est venu une idée très singulière qui peut-être l ' est trop ; cependant le prince l ' a approuvée etc. « - und endlich zu Lianen , um doch auch diese nicht zu vergessen . Der Hauptmann hatte schon früher sie zu bereden gesucht . Die Mutter war gegen diese Nachspielerei aus Selbstbewußtsein und Liane aus Demut ; eine solche Repräsentation kam dieser als eine zu große Anmaßung vor . Aber zuletzt gab sie nach , bloß weil die schwesterliche Liebe der Fürstin ihr so groß und unerreichbar geschienen , gleich als pflegte sie nicht eine ähnliche in ihrem Herzen ; so fand sie immer nur das Spiegelbild , nie sich schön , wie der Astronom denselben Abend mit seinem roten Glanze und Nachtschatten zauberischer und erhabener findet , wenn er ihn im Monde antrifft , als wenn er auf der Erde mitten darin steht . Vielleicht lag noch eine ganz dunkle Süßigkeit , nämlich eine schwiegertöchterliche , in Lianens Liebe für die Fürstenbraut ; weil diese einmal des Ritter Gaspards seine hatte werden sollen . Die Weiber achten Verwandtschaft mehr als wir , daher auch ihr Ahnenstolz immer einige Ahnen älter wird als unserer . So bereitete sie denn das gepreßte Herz zu den leichten Spielen des glänzenden Festes vor , das die künftigen Zykel gleichsam am Neujahrsfest einer neuen Jobelperiode geben . Siebzehnte Jobelperiode Fürstliche Vermählungs-Territion - Lilars Illumination 77. Zykel Welche allgemeine Landfreude konnte jetzt von einem Grenzwappen zum andern acht Tage lang jauchzen ! Denn so lange war die Landtrauer suspendiert - die Glocken läuteten zu etwas Besserem als zum