um die Gesellschaft mit Musik und Tanz zu unterhalten ; und bevor eine Stunde vergangen war , glaubte ich zu bemerken , daß meine junge Philosophin den Platoniker ( der , wie die Aphyen52 , nur Feuer zu sehen braucht um zu kochen ) unvermerkt immer näher an sich zog . Bei euch Männern wird die gefälligste zuletzt immer über die schönste den Sieg erhalten . Es ist ein unglücklicher Vorzug der Weiber , daß die Leidenschaft der Liebe bei ihnen von der Gegenliebe ganz unabhängig und desto hartnäckiger ist , je weniger sie Hoffnung hat erwiedert zu werden . Ich sehe zu spät , daß ich dir ein Buch statt eines Briefes geschrieben habe . Möchtest du mich mit einem noch größern für meine Unbescheidenheit bestrafen ! Sage mir doch ein paar Worte , wie dir ' s zu Rhodus geht , was du treibst , und ob man hoffen darf , deine ehmalige Andacht zu dem Erderschütterer Poseidon wieder einst erwachen zu sehen ? 18. Aristipp an Lais . Darf ich dir , im Vertrauen auf die Rechte einer zehnjährigen Freundschaft , gestehen , schöne Lais , wie mir deine jetzige Lebensweise vorkommt ? Betrachte ich sie als einen bloßen Uebergang von der Glorie einer unumschränkten Gebieterin über die Person und die Schätze eines Persischen Großen , zu der glücklichern aber weniger schimmernden und prunkenden Lebensart , die einer Einwohnerin von Korinth geziemt , so wünsche ich bloß , daß du dich entschließen mögest , zwar nicht gar zu hastig , aber doch lieber zu schnell als zu langsam , von der Höhe herabzusteigen , die du mit der freiesten Besonnenheit verlassen hast . Was die stolzen Korinthier in die Laune setzt , dir , wie einer fremden Fürstin , welche sich eine Zeit lang unter ihnen aufhalten wollte , eine Art von glänzendem Hof zu machen , ist ( außer dem Reiz , den die Neuheit der Sache für sie hat ) hauptsächlich die Hoffnung , womit jeder sich schmeichelt , den Vorzug endlich bei dir zu erringen , nach welchem sie alle trachten . Da du nicht sehr geneigt scheinst so viel Glückseligkeit um dich her zu verbreiten , so würde es deiner Ruhe schwerlich zuträglich seyn , wenn du den süßen Wahn einer so großen Menge von Aspiranten allzu lange nähren wolltest . Das Rathsamste wäre also , dich selbst von der hohen Lydischen Tonart53 allmählich zu der gewohnten Dorischen herabzustimmen ; und dazu , däucht mich , würden deine kleinen Abendgesellschaften ein sehr gutes Mittel seyn , wenn du ihnen so viel Geschmack abgewinnen könntest , deine gesellschaftliche Mittheilung allein , oder doch beinahe allein auf diese den Musen vorzüglich geheiligten Orgien einzuschränken ; an welchen ich nichts auszusetzen habe , als daß ich durch eine Entfernung von dritthalbtausend Stadien davon ausgeschlossen bin . Doch , du willst mir ja Gelegenheit geben auch abwesend an ihnen Theil zu nehmen , da du mich aufforderst , dir meine Gedanken über euer neuliches Tischgespräch mitzutheilen . Ich bin nicht eitel genug mir einzubilden , daß ich über diesen Gegenstand etwas zu sagen hätte , das für dich neu wäre ; und überhaupt gehört , meiner Meinung nach , das Schöne unter die unaussprechlichen Dinge - der Natur , und läßt sich besser fühlen und genießen , als zergliedern und erklären . - » Aber ( wirst du sagen ) diese unaussprechlichen Dinge sind ja eben was uns am stärksten anmuthet , und worüber wir am liebsten vernünfteln - oder irre reden mögen . « - Ich füge mich also sowohl deinem Willen als meinem eigenen Naturtriebe , und wenn ich dir nichts Unbegreifliches und Unerhörtes offenbare , so schreib ' es meiner zur andern Natur gewordenen Maxime zu : im Philosophiren immer verständlich zu bleiben , und vor allem mich immer selbst zu verstehen . Epigenes hatte Recht , mit der Frage , » was nennen die Menschen schön ? « den Anfang der Untersuchung zu machen ; nur hätte er dem Einwurf Speusipps zuvorkommen , und sogleich antworten sollen : wir Griechen pflegen alles schön zu nennen , was uns , ohne Rücksicht auf seine Nützlichkeit , gefällt . Das Wohlgefallen ist immer nothwendig mit einem angenehmen Gefühl verbunden , und umgekehrt ; aber dieses Gefühl ist nicht der Grund warum uns das Schöne gefällt , sondern die natürliche Wirkung des Schönen auf unsern Sinn . - » Warum gefällt uns denn aber das Schöne ? « - Mit der Antwort : weil es schön ist , wäre nichts gesagt ; indessen habe ich keine andere Antwort als , weil wir so organisirt sind daß es uns , wofern ihm nicht nachtheilige Umstände von außen oder innen im Lichte stehen , nothwendig gefallen muß . - » Aber muß denn alles , was gefällt , schön seyn ? Gefallen uns nicht viele Dinge bloß darum , weil sie zweckmäßig und nützlich sind ? « - Allerdings werden , unserm Sprachgebrauch zufolge , auch solche Dinge öfters schön genannt ; nur hat der Sprachgebrauch Unrecht , wenn er schön und gut vermengt . Das Schöne ist zwar , insofern es schön ist , immer etwas Gutes ; aber das Gute ist nicht , insofern es gut ist , nothwendig auch schön ; und dieß macht einen großen Unterschied - » Damit ist für den Begriff des Schönen nichts gewonnen , « sagt Speusipp ; » das Räthsel , dessen Auflösung wir suchen , die Frage : was ist das Schöne an sich ? bleibt noch immer ungelöst und unbeantwortet . « - Aus einem sehr einfältigen Grunde ; bloß weil wir keine Antwort auf diese Frage haben . Das Schöne oder die Idee des Schönen , in Platons Sinne , ist , wie Speusipp selbst gesteht , kein Gegenstand unsres Anschauens . Wir sehen nur einzelne schöne Dinge , und auch diese sind nur schön durch ihr Verhältniß gegen die Organe unsrer Sinne ; und wenn wir von schönen Dingen sprechen , so ist die Rede