. Schön war dieses totenbleiche Gesicht immer noch , die Lieblichkeit der Züge war selbst dem grausam verzerrenden Tod unerreichbar . Mißmutig rührte sie mit dem Löffel in ihrer Frühstücksschokolade . » Ich weiß nicht – der Koch muß ein besonderes Vergnügen darin finden , mir meine Schokolade immer homöopathischer zu mischen – ich kann das elende Gebräu nicht trinken und bitte mir für künftig Kaffee aus , « sagte sie , die Tasse wegschiebend , kurz und herb zu der Majorin , die eben kam , um nach ihr zu sehen . » Der Kaffee ist Ihnen streng verboten , « antwortete sie ruhig . » Ja , ja – verboten ! « antwortete die kleine Frau , den Ton ihrer Schwiegermutter ungezogen nachäffend – man sah den alten unbezwinglichen Haß in ihren grünschimmernden Augen aufglühen . » Hier in dieser trostlosen Villa wird das Wort mit unvergleichlicher Beharrlichkeit von jung und alt , hoch und niedrig mir armem Wurm gegenüber gehandhabt . Ich habe diese Plackerei satt , aber so satt – bis zum Ekel ! ... Und diese Herren Ärzte – daß sich Gott erbarm ' – es ist einer immer dümmer als der andere ! – können nicht einmal mit einem armseligen Katarrh fertig werden ; « – sie hustete , und das Taschentuch , das sie danach von den Lippen wegnahm , war mit hellem Blut gefärbt – » um solch ein paar Blutstropfen schlagen sie einen Lärm , als ginge es ans Leben , an mein junges , herrliches , vielbeneidetes Leben – bah , Blödsinn ! « fügte sie mit schwacher Stimme und fieberisch glänzenden Augen hinzu , während die Majorin sich anschickte , das Zelt zu verlassen . » Ich bitte Sie , tun Sie mir den einzigen Gefallen und schließen Sie dort die Terrassentür in Mercedes ' Salon – meinetwegen auch die dickseidenen Vorhänge ! « rief sie ihrer Schwiegermutter nach , die sofort zurückkam . – Man konnte vom Zelt aus durch eine weit offene Glastür in ein schönes Erdgeschoßzimmer hinaufblicken , von dessen tiefer Wand sich die Gestalten eines Bildes ergreifend lebensvoll abhoben . – » Ich habe mich schon in Baron Schillings Atelier mehr als genug vor dieser greulichen , hugenottischen Frauengruppe entsetzt und › gegrault ‹ « – fuhr die kleine Frau nervös ärgerlich fort – » und nun tritt sie mir auch hier , wie das aufdringliche Fatum , immer wieder vor die Augen ... Mercedes ist nicht recht klug , daß sie solch schauderhafte Bilder kauft und ihren sonst ganz leidlich hübschen Salon damit verdirbt . « Sie griff grollend in die dicken Büschel aufgeblühter , weißer Rankrosen , die seitwärts über das Bronzegitter der Terrasse herüberschaukelten , und zerpflückte sie , die Blätter im gedankenlosen Spiel über die seidene Decke hinstreuend . Dann richtete sie sich auf und warf sich eine Handvoll der weißen Kelchblätter über die dunkeln , sorgfältig geordneten Locken – sie sah aus , wie von Schneeflocken überrieselt . Die Majorin wandte sich weg und sah über das weite , herrliche Blumenbeet und den Rasen hin , die sich zu Füßen der Terrassen ausbreiteten . Die Empörung über das bodenlos kindische Gebaren der jungen Frau schnürte ihr die Kehle zu ; und doch verriet kein Zug ihres ernsten Gesichtes , daß sie diese Sterbende hasse und verachte bis in den Tod hinein – sie dachte an die Kinder , denen sie das Leben gegeben , und bezwang sich . » Ich möchte Paula haben , « sagte die heisere , schwache , eigensinnige Stimme hinter ihr . » Die Kleine macht mit Deborah ihren Morgenspaziergang – sie wird im Augenblick nicht herbeizuschaffen sein , « versetzte die Majorin gelassen . » Aber José höre ich eben zurückkommen . « Gleich darauf sah man drei Reiter in den breiten Durchhau einlenken , der den Waldpark von der Villa aus in seiner ganzen Tiefe durchschnitt und einen herrlichen Ausblick auf die fern sich hinstreckende Stadt gewährte . Ruhig , gleichsam noch in den Genuß des Morgenrittes versunken , kamen die Reitenden näher und näher – es war Donna Mercedes mit José und dessen Hauslehrer . Dem Knaben sah man nicht mehr an , daß er vor drei Jahren schon halb und halb eine Beute des Todes gewesen war . Schlank und blühend , ein Bild der Kraft und Schönheit , saß er auf seinem kleinen Pferd – der Majorin schwoll das Herz voll Stolz und Freude , als er ihr von ferne mit seinem Hütchen grüßend zuwinkte . » Der dumme Bub ' spielt sich wirklich schon auf den großen Herrn , « grollte die ärgerliche Frauenstimme unter dem Zeltdach , während die Majorin am Terrassengeländer stand und mit der Hand die Näherkommenden begrüßte . – » Aber Sie sind selber schuld , Madame ; ein achtjähriger Junge gehört noch nicht aufs Pferd – « » José ist zehn Jahre alt . « » Mein Gott , das muß ich immer wieder hören , damit ich mir ja recht einbilde , ich sei eine alte Frau ! Dazu eigne ich mich aber nicht , wirklich nicht , und wenn Sie es noch so eifrig wünschen . Ich bin jung und mädchenhaft , mag zehnmal solch ein langer , altkluger Bengel neben mir stehen und Mama ' zu mir sagen ! ... Und in fünf Wochen tanze ich in Berlin , allen spießbürgerlichen Anschauungen , aller doktorlichen Weisheit zum Trotz – glauben Sie , ich werde das nicht wahr machen ? « Die Frau am Geländer zuckte schweigend die Achseln , und Lucile knickte mit ihren matten , blassen Fingern nun auch ein paar Rosen sorgfältig ab , um sie in das Haar und an die Brust zu stecken . » Schau , wie Dame Mercedes kokett zu Pferde sitzt ! « sagte sie , ohne den Kopf zu wenden , mit einem blinzelnden Seitenblick aus halbgeschlossenen Augen . – » Nur schade , daß das der blöde , junge Hauslehrer vor lauter Respekt