weit , und ein Rohrsches Herz hält fest an Wusterhausen und Trieplatz . Dies waren die Schwierigkeiten . Die Liebe des jungen Paares indes , wie schon angedeutet , überwand sie . Moritz von Rohr trat in das Handelshaus seines Schwiegervaters ein , und nie wurde brieflich oder mündlich ein Wort laut , das darauf hingedeutet hätte , er habe die Trennung von Vaterland und Familie bereut . Kein Klagewort , aber auch kein rechtes Wort des Glücks ! Die nationalen und konfessionellen Unterschiede ziehen eben eine tiefe Kluft , und der Beispiele sind wenige , wo die bloße Sympathie der Herzen stark genug gewesen wäre , diese Kluft zu überbrücken . Je feiner und durchgeistigter die Naturen sind , desto mehr tritt dieses Trennungselement hervor . Man liebt sich , aber man ist nicht eins , und jede Freude halbiert sich oder schwächt sich ab , weil sie nur einmal unter hundert Fällen auf neutralem Gebiet erblüht . Die Herzen stimmen , aber der Gegensatz der Geister klingt disharmonisch hinein . Auch das Glück Moritz von Rohrs und Urania von Poincys wurde getrübt oder trug wenigstens einen Schleier . Zehn Jahre nach der Vermählung war dieser Schleier für die junge Frau zum Witwenschleier geworden . Moritz von Rohr glaubte sich akklimatisiert und unterließ es , im Sommer 1848 die Fieberluft New Orleans mit der gesunden Küstenluft am Mexikanischen Golf zu vertauschen . Er wurde vom Gelben Fieber befallen und erlag ihm . Zwei Jahre später ( das kaufmännische Geschäft war inzwischen an den Sohn des Herrn von Poincy übergegangen ) kehrte der ältere de Poincy mit seiner Familie : Frau , Tochter und Enkelin , nach Europa zurück . Die Enkelin war das einzige Kind Moritz von Rohrs . Man kaufte sich in Frankreich an , und 1854 waren Frau von Poincy , die Schwiegermutter , und Urania von Rohr , geborene v. Poincy , in Trieplatz auf Besuch ; sie mochten Parallelen ziehen zwischen ihrer Hazienda daheim und dem alten Hofe des » Hauptmanns von Capernaum « . Vieles fehlte ; aber allerdings auch die Sumpfluft , die so frühe schon die schöne Frau zur Witwe gemacht hatte . Denn die Dosse ist gesund . Die Tochter Moritz von Rohrs war nicht mit bei diesem Besuche , war vielmehr in einer französischen Klosterschule zurückgeblieben . Erst sechzehn Jahre später lernte sie die Kompatrioten ihres Vaters kennen , als diese , während des Siebziger Krieges , vor dem Kloster Abbaye aux Bois ihr Lager aufschlugen . In diesem Kloster stand das junge Fräulein von Rohr damals als Novize . Längst seitdem hat sie den Schleier genommen , die Großeltern sind tot und nur die Mutter lebt noch in Paris . Ein Porträt , das inmitten der Familienbilder in Trieplatz hängt , mahnt an die nahen Beziehungen des Hauses Rohr zum Hause de Poincy . Der weiße Teint , das schwarze Haar , die leuchtenden Augen – sie geben das typische Bild der schönen Kreolin . An Sommertagen , wenn der Akazienbaum seine Zweige bis dicht vor das Fenster streckt , ist es , als spielten seine Blätterschatten mit Vorliebe um dieses Bild . Und es ist dann wie ein Nicken und Grüßen Jacquelinens an Urania von Poincy . Mathilde von Rohr Mathilde von Rohr Konventualin zu Kloster Dobbertin † 16. September 1889 I In ihrer Nummer vom 19. September 1889 brachte die » Kreuz-Zeitung « folgende Anzeige : Am 16. September , 11 Uhr vormittags , verschied nach langem , schwerem Leiden im 80. Lebensjahr unsere geliebte Tante , Großtante und Schwägerin Fräulein Mathilde von Rohr aus dem Hause Trieplatz , Conventualin zu Kloster Dobbertin . Im Namen der Hinterbliebenen Christian von Rohr , Hauptmann und Kompaniechef im 3. G.-Gr.-Reg. Königin Elisabeth . Das alte Fräulein hatte ich das Glück zu kennen und von ihr und der guten alten Zeit , die wenigstens dann und wann eine wirklich gute alte Zeit war , will ich in nachstehendem erzählen . Mathilde von Rohr wurde den 9. Juli 1810 als fünfte Tochter ihrer Eltern in Trieplatz geboren . Ihr Vater , früher Adjutant beim General von Knobelsdorf , war ein Mann von Gesinnung und Bildung , die Mutter ( eine von Hünecke ) eine Schönheit , die sich schon mit achtzehn Jahren verheiratet hatte . Das fiel in den Anfang des Jahrhunderts . Es waren harte Zeiten , als die Kinder geboren wurden , – die Franzosen im Lande , Durchmärsche , Lieferungen ohne Zahl , und so hielt es denn schwer sich durchzukämpfen . Auch die Jahre nach dem Kriege waren Jahre harter Entbehrung . Mit dem zehnten Jahre kam Mathilde nach Brandenburg in Pension , aber nicht auf lange ; zwei Jahre später war sie wieder bei den Eltern und weil Trieplatz keinen Prediger und keine passende Schule hatte , mußte sie jeden Tag zum Unterricht nach dem eine halbe Meile entfernten Brunn . Während der langen und hellen Sommertage bot das keine Schwierigkeit und Gefahr , aber winters war es oft schon dunkel , wenn sie den Rückweg antrat , und der Vater , den es ängstigte , das halberwachsene Mädchen so allein auf der verschneiten Landstraße zu wissen , ging ihr dann entgegen . Mit ihm , immer auf tausend Schritt voraus , war sein Hund , der bei jedem Waldeck anschlug , um die in der Winterdämmerung Heimkehrende schon von weither wissen zu lassen » wir sind da « . Dieser Unterricht in Brunn dauerte bis zur Einsegnung . Das Leben im Trieplatzer Hause war sehr einfach , selbst in die Kirche kam man wenig , weil der Prediger nur selten nach dem Filial herüberkam , und so ging man denn sonntags früh auf Wald und Feld hinaus , wo seitens des Vaters eine Art Gottesdienst abgehalten wurde . Man begnügte sich damals mit wenig und Gott anbeten in der Natur war so gut wie was anderes . Es kam bloß auf » Andacht « an , ein Standpunkt , der für ketzerischer gilt , als