Arbeit an seiner Erfindung verursacht wurden . Er glaubte an die Erfindung . Sein Glaube ward mit den Jahren immer fester . Kein Mißlingen beirrte ihn ; im Gegenteil , er war überzeugt , daß ihn jeder Fehlschlag näher zum Ziel brachte . Einst fragte er Philippine : » Warum wollen Sie denn nicht , daß ich mich ein bißchen mit meinem Enkelchen beschäftige ? Es tut mir so wohl , es lenkt mich ab , es mildert die Spannung meines Geistes . « » Blödes Geschwätz , « antwortete Philippine , » das Agneslein ist mit seinem Vater übel genug dran , der Großvater , der fehlet mir noch , der tät das Kraut fett machen . « Ein andermal sagte der Greis : » Schließen wir einen Vertrag : Sie lassen mich täglich eine halbe Stunde bei dem Kind , und ich besorg Ihnen dafür die Gänge in der Stadt . « Philippine erwiderte grob : » Meine Gäng ' besorg ich mir selber , und das Agneslein gehört mir ; basta . « Dabei war Philippine um jene Zeit besonders guter Laune . Es hatte sich nämlich gefügt , daß Benjamin Dorn , der zusammen mit Herrn Zittel von der » Prudentia « weggegangen und jetzt bei der Gesellschaft » Exzelsior « beamtet war , sich lebhaft für sie interessierte . Philippine hatte ihrer Freundin , der Frau Hadebusch , in einer schwachen Stunde verraten , daß sie beträchtliche Ersparnisse besaß , und mit dieser Wissenschaft hatte Frau Hadebusch den Methodisten auf ernste Heiratsgedanken gebracht . Der Methodist gab sich Mühe , Philippines Gunst zu gewinnen . An ihrer gottlosen Denkungsart nahm er freilich Anstoß und schüttelte betrübt den Kopf , wenn sie ihn einen Pfaffen nannte und erklärte , das fromme Getue sei ihr wurscht , die Hauptsache wäre , daß man Moneten im Sack habe , eine Meinung , der Frau Hadebusch mit allem Nachdruck beipflichtete . Frau Hadebusch sagte zu Benjamin Dorn , eine tüchtigere , drallere , vermöglichere , von oben bis unten besser ausstaffierte Person als das Fräulein Schimmelweis könne er auf dem ganzen Erdenrund nicht ausfindig machen , er und sie seien für die Ehe geschaffen wie Essig und Öl für den Salat . Man solle nur sehen , was für stattliche Gewänder die Person habe und wie sie sich zu putzen verstehe , und von guter Familienabstammung sei sie noch überdies ; kurz , jedem Mann wäre zu gratulieren . Und zu Philippine sagte Frau Hadebusch : » Der Dorn , das ist ein Schreiber , wie es ausgezeichneter keinen gibt . Der führt Ihnen eine Feder , daß es ein wahrer Staat ist . Er hinkt ein bisla , no ja ; wie viele gehen auf zwei gesunden Beinen und haben bloß Lumpereien im Kopf . Der aber , kein Wässerlein kann er trüben ; er ist so sanft wie Zwetschgenmus , und wenn ihn ein Hund anbellt , gibt er ihm ein Stück Zucker . So ein Mann ist das . « Im Oktober gingen Benjamin Dorn und Philippine auf die Fürther Kirchweih , und das Agneslein wurde natürlich mitgenommen . Benjamin Dorn wußte , was er sich schuldig war ; er ließ Philippine zweimal auf dem Karussell fahren , zahlte das Entree in ein Wachsfiguren-Kabinett und nahm ein Los am Glückshafen . Es war eine Niete . Da setzte er Philippine auseinander , daß es unmoralisch sei , in einer Lotterie zu spielen , und kaufte eine Tüte mit Pfeffernüssen , was doch ein solider Genuß war . Philippine benahm sich außerordentlich kokett . Sie lachte grundlos , sie verdrehte die Augen , sie sprach mit gespitzten Lippen , sie wackelte mit den Hüften und ergriff jeden Anlaß , um ihre Bildung zu zeigen . Als sie mit der Eisenbahn zurückfuhren , sagte sie , sie habe Lust , einmal in einer Chaise zu sitzen ; aber zwei Rosse müßten sein und ein Kutscher mit einem Zylinder . Benjamin Dorn entgegnete , solches ließe sich machen ; und er deutete schalkhaft an , daß er eine gewisse feierliche Zeremonie nicht ohne ein derartiges Vehikel veranstalten würde . Philippine kicherte und sagte : » Joi , Sie sind ja ein ganz Geriebener . « Worauf Benjamin Dorn glücklich und verlegen grinsend zu Boden schaute . Dann trennten sie sich , denn das Agneslein war in Philippines Arm schon eingeschlafen . Wie sich Philippine zu der Bewerbung des Methodisten innerlich verhielt , war schwer zu ermessen , obgleich sie so tat , als fühle sie sich geehrt und in ihren Erwartungen geschmeichelt . Benjamin Dorn war seiner Sache keineswegs sicher , und wenn Frau Hadebusch auch noch so resolut ins Zeug ging , mußte sie sich von Philippine immer wieder vertrösten lassen . Nie zuvor aber hatte Philippine so viele Lieder geplärrt , nie waren ihre Bewegungen so hurtig gewesen . Jeden Tag zog sie ihr Sonntagskleid an und schmückte es mit den erlesensten Bändern ; und wusch ihre Hände mit Mandelseife und frisierte sich vor dem Spiegel . Simpelfransen waren nicht mehr modern , dafür baute sie aus ihren Haaren einen Turm und sah aus wie eine Chinesin . Bisweilen besuchte sie Herrn Carovius , den sie stets allein traf , denn Dorothea Döderlein war von ihrem Vater nach München geschickt worden , wo sie sich in ihrer Kunst vervollkommnen sollte . Mit halben Worten , augenzwinkernd , dumm und herausfordernd lachend , berichtete sie von Benjamin Dorn und seinen Absichten , wie wenn es gar nicht anders möglich sei , als daß Herr Carovius die brennendste Neugier nach ihren Erlebnissen trage . Herr Carovius war ihrer schon längst überdrüssig , mochte ihr aber die Tür nicht weisen . Es stand mit ihm so , daß er aufatmete , wenn er eine menschliche Stimme hörte . Es stand mit ihm so , daß er sich in seinen vier Wänden vor der Stille fürchtete . Keiner kam zu ihm , keiner sprach mit ihm , und er seinerseits getraute