wo er das Elend und die Trostlosigkeit des Besiegten zu schauen erwartet hatte - hier lärmte und jubelte in der Mittagssonne aller farbige Leichtsinn des Lebens . Da war ein fröhliches Gewimmel von Jägern und Falknern , von huschenden Windspielen und kläffenden Jagdhunden , von scharlachfarbenen Einrössern und ritterlichen Herren in reichem Hofkleid , von Gauklern , Musikanten und geschmückten und geschminkten Weibern . In den großen Hallen , die den Hof umgaben , waren Tische zum Mahl gestellt . An gesonderten Tafeln hatten jene Fremdländer , die zu Herzog Ludwig gekommen waren , um Ritterschaft zu suchen , sich landsmännisch zusammengetan . Während die Tafelmusik den Lärm durchschrillte , wurde an dem einen Tisch französisch geschwatzt , am anderen italienisch ; hier flämische Laute , dort das wunderliche Wortgesprudel der Ungarn . In einer Ecke der Halle saßen die Edelleute der Salzburgischen und Berchtesgadnischen Hilfstruppe . Neben dem mürrisch dreinschauenden Hauptmann Hochenecher pokulierte schwatzlustig der junge Sigwart von Hundswieben mit dem Chorherrn Jettenrösch . Der Krieg und das emsige Suchen nach Ritterschaft hatte die beiden so sehr verwildert , daß von dem geistlichen Stande , dem sie angehörten , nimmer viel an ihnen zu merken war . Den zwei vergnügten Freunden gegenüber hielt ein Fünfzigjähriger eine hübsche , kichernde Weibsperson auf den Knien und tuschelte ihr Spaße ins Ohr , über die auch dieses geschminkte Laster noch zu erröten drohte . Er war wie ein eitler Jungherr gekleidet , obwohl ihm der zierlich gestutzte Knebelbart schon zu ergrauen begann ; die blauroten Äderchen des Trinkers überkräuselten seine Wangen , und in den grauen Augen glänzte eine freche Lustigkeit . Es war der Chiemseer Chorherr Hartneid Aschacher , der vor neunzehn Jahren aus dem Stift zu Berchtesgaden hatte verschwinden müssen . Einem jungen , sonngebräunten , ernstblickenden Kriegsmarine , der über schmuckloser Kleidung den spiegelblanken Brüstling einer flämischen Rüstung trug , schienen die Tafelspäße des Chiemseers zu mißfallen . Schweigend erhob er sich vom Tisch und trat aus der kühlen Halle in den sonnigen , von heiterem Lärm erfüllten Hof hinaus . Bei raschem Gange knappte er ein bißchen mit dem linken Bein . » He , Someiner ! « rief der Chorherr Jettenrösch . » Wohin denn ? « » Laß ihn laufen ! « wehrte der junge Hundswieben . » So ein muckischer Spielverderb ! Der tät besser nach Burghausen taugen als nach Ingolstadt . « Lampert , der diese Worte noch gehört hatte , drehte das Gesicht , kam zurück und sagte ruhig : » Hundswieblin ! Jetzt sind wir des Herzogs Leut und haben kein Recht über uns . Sagst du aber ein zweites Mal so ein Wort , so denk ich nimmer , sondern schlag dich mit der Faust unter den Tisch hinunter . « Der junge Hundswieben wollte vom Leder ziehen . Aber Jettenrösch , während Hartneid Aschacher lustig hetzte , faßte den Erbosten am Arm . Und Hauptmann Hochenecher nahm Lamperts Partei und sagte : » Recht hat er . Das ist ein Mensch . Wo die Ferken schmatzen , ist ihm nit wohl . Mir auch nit . « Er hängte sich in Lamperts Arm und verließ mit ihm die Halle . Hundswieben und Aschacher fingen zu lärmen an . Ihr Geschrei ging unter in dem spannungsvollen Aufruhr , den der Eintritt des brandenburgischen Boten erregte . Um die Mittagsstunde hörte man in Herzog Ludwigs Stube , die während der letzten Wochen minder kostbar geworden war , nach langer Zeit zum ersten Male wieder jenes helle , kräftige Lachen . Ganz so hell und fröhlich wie früher klang es freilich nickt . In der erlösenden Freude , die da gekommen war , bitterte auch ein Tropfen Demütigung und Ärger . Aber es war doch ein Lachen , bei dem der alte Gleslin mit frohem Verwundern aufblickte . Der Lautenspieler Nachtigall unterbrach die kunstvolle Weise , die er im Erker klimperte ; und weil er seinem Fürsten eine wühlende Gedankenarbeit ansah , verhängte er die Käfige der zwitschernden Vögel ; die kleinen Sänger wurden stumm , und da war nun ein wunderlich bedrückendes Schweigen in der Stube . Prinz Ludwig , der in einer Fensternische saß und an den Fingernägeln biß , sah den froherregten Vater an und wurde blaß bis in die Halskrause . Seine Augen forschten , während er langsam den mißgestalteten Körper aufrichtete . Lächelnd machte er ein paar von seinen wippenden Käferschritten gegen den Herzog , der dem alten Gleslin das Pergament des Brandenburgers über den Tisch hinüberreichte : » Gleslin ? Wie gefällt dir das ? « Wieder lachte Herr Ludwig . Mit zärtlichem Augenaufschlag lispelte der bucklige Knabe : » Mein geliebter Vater scheint Botschaft erhalten zu haben , die gut ist ? « » Ja , mein Honigwürmchen ! « erwiderte der Herzog , halb heiter , halb in Zorn . » Diese Botschaft ist für mich so gut , daß sie dich schwermütig machen könnte . Drum verschweig ich sie dir . Wolltest du nicht heute mit dem Sperber reiten ? Es soll dir gestattet sein . « Der Prinz lächelte , während in seinen Mundwinkeln das Zucken eines leidenden Kindes war . » Die Sonne brennt . Mein Sperber ermüdet leicht in der Hitze . Ich will warten auf einen kühleren Tag . « » So tu , was du willst ! « Der Herzog deutete nach der Tür . » Ich gebe dir Urlaub . « Stumm , den großen Kopf zwischen die gekrümmten Schultern ziehend , wippte Prinz Höckerlein durch die Stube . Auf der Schwelle , schon halb verborgen von den Brokatvorhängen , drehte er sich beim Komplimentieren wie ein ungeschickter Tänzer und warf dem Lautenschläger Nachtigall einen funkelnden Blick zu . Herr Ludwig , der diesen Blick nicht sehen konnte , sagte hart : » Gott erlöse uns von allem Übel ! « Draußen vor der Türe knurrten die beiden Doggen . » Hörst du , Gleslin ? Sie hassen ihn . « Er tat einen scharfen Pfiff . Lärmend