den Besuch von Kolma Putschi und werde sich sehr freuen , die beiden Frauen miteinander bekannt zu machen . Ich hatte natürlich nicht das geringste dagegen und stieg , als Intschu-inta mit den Fackeln kam , mit ihm wieder in die Höhle hinunter . Es sei bemerkt , daß die zwölf Apatschenhäuptlinge erst heut während unserer Abwesenheit hier angekommen waren und ihre Zelte in der Oberstadt aufgeschlagen hatten . Sie bildeten den Stab sämtlicher Apatschenstämme , auf welche Tatellah-Satah sich verlassen konnte . Ich hatte meinen ganz besonderen Grund , noch einmal hinunter in die Höhle zu steigen . Da ich einmal darüber war , sie kennen zu lernen , wollte ich sie auch gleich ganz kennen lernen ; denn es gab einen kleinen Teil , den ich noch nicht kannte . Ich erinnere daran , daß der breite , reitbare Weg , der vom » Tale der Höhle « aus durch die letztere führte , droben hinter dem Schleierfall in das Freie mündete . An der Stelle , wo er mit Stalaktiten versetzt worden war , die wir entfernt hatten , zweigte von ihm ein schmaler Weg nach rechts , der nur für Fußgänger zur Höhe führte . Sein eigentliches Ende fand dieser schmale Weg ganz oben im Passiflorenraume . Bis dorthin waren wir ihn gegangen . Aber schon unten in der Höhle zweigte von ihm ein zweiter , schmaler Weg ab , an dem wir vorübergekommen waren , ohne daß meine Begleiter etwas von ihm bemerkten . Nur mir allein war die Stelle aufgefallen , an welcher die als Stalagmiten verwendeten Stalaktiten andeuteten , daß auch hier ein früher gangbarer Weg mit Steinen versetzt und maskiert worden sei . Nach dieser Stelle kehrten wir jetzt zurück . Ich hatte nur Intschu-inta mitgenommen , weil er der Vertraute des Medizinmannes war , denn um eine sehr vertrauliche Sache handelte es sich jetzt bei der neuen Entdeckung , die ich machen wollte . Nämlich wenn ich die oberirdischen und die unterirdischen Oertlichkeiten miteinander in Verbindung brachte , so ergab sich für mich folgendes : Der breite Weg mündete im Bergtale , hinter dem Wasserfalle . Der schmale Weg mündete an seinem letzten , höchsten Ende droben im Schlosse . Die zwischen beiden liegende Abzweigung dieses schmalen Weges , die ich jetzt suchte , mußte also zwischen dem Wasserfall und dem Schlosse münden . Und wenn ich mich da fragte , welcher Ort hierzu wohl am geeignetsten sei , so stieß meine Vermutung immer nur auf die Teufelskanzel , oder , wie sie hier genannt wurde , auf das » Ohr des Teufels « , an dem wir vorübergekommen waren , als der Medizinmann uns den Schleierfall zeigte . Es stimmte in jeder Beziehung , daß dieser Ort mit der geheimnisvollen , großen Höhle in Verbindung stand . Wer weiß , was für wichtige Zusammenhänge vor Jahrtausenden hier oben und da unten stattgefunden hatten . Darum war es jetzt für mich , der ich diesen Zusammenhängen nachspürte , sehr wohl geraten , dies so diskret wie möglich zu tun und keinen Menschen in das Vertrauen zu ziehen , der dieses Vertrauen nicht verdiente . Dies der Grund , weshalb ich nur den altbewährten , treuen Intschu-inta mitgenommen hatte . Als wir die betreffende Stelle erreichten , an der ich eine Abzweigung des schmalen Weges vermutete , blieben wir stehen , um die am Boden liegenden Steine zu untersuchen . Auch sie waren nicht Stalagmiten , sondern Stalaktiten , also nicht hier an Ort und Stelle entstanden , sondern zu irgendeinem Zwecke hergeschafft . Wir beseitigten so viele von ihnen , wie nötig war , um Einsicht zu gewinnen , und entdeckten da nun allerdings sehr bald den offenen Pfad , der hinter ihnen aufwärts führte . Meine Vermutung hatte mich also nicht getäuscht . Es fragte sich nur noch , wo er oben mündete . Wir mußten ihm folgen . Wir ruhten zunächst einige Augenblicke von der Anstrengung aus , welche uns das Beiseiteschaffen der schweren Steine verursacht hatte . Es war für diese kurze Zeit still , vollständig still um uns , und so hörten wir ein eigenartiges , prasselndes Geräusch , welches aus der Ferne zu uns drang , wahrscheinlich aus der Gegend , in welcher unser schmaler Weg vom breiten abzweigte . Was war das , oder wer war das ? Befand sich jemand dort ? Unsere Sicherheit erforderte , dies schleunigst zu erfahren . Wir nahmen also die Fackeln hoch und eilten nach der Richtung , aus welcher der Schall zu uns gedrungen war . Dort sahen wir , daß es sich nicht um die Anwesenheit von Menschen handelte , sondern um ein Herabbröckeln des Deckengesteines , und zwar genau an derselben Stelle , an welcher ich gesessen und den beginnenden Spalt über mir bemerkt hatte . Dieser Spalt war jetzt breiter und größer als vorher . Es waren ganz beträchtliche Sinterstücke herabgefallen . Jedenfalls lockerte sich etwas da oben . Wer hier vorüber wollte , der hatte von jetzt an vorsichtig zu sein . Doch nahm ich diesen Gedanken sehr gleichgültig auf , denn ich hatte nicht die geringste Ahnung von der eigentlichen Ursache dieses Phänomens . Wir kehrten zu der Stelle zurück , an der wir beschäftigt gewesen waren , und folgten von da aus dem neu entdeckten , schmalen Seitengang , dessen Mündung wir noch nicht kannten . Der riesige Intschu-inta war erstaunt . » Es ist , als ob du Winnetou seist , « sagte er . » Alles hörst du ; alles siehst du ; alles findest du ! Wir aber , die wir schon ewig hier wohnen , hören nichts , sehen nichts und finden nichts ! Du bist wie er , und er war wie du ! « Auch dieser Pfad führte von Höhle zu Höhle empor , aber viel steiler als der andere . Dann gab es künstliche Stufen , die in harten Stein gehauen waren . Schließlich standen wir vor dem Ende . Aber dieses Ende bestand nicht