und der Rachsucht . Habe mir fürgesetzt , der Menschen Härte mit gleicher Härte zu vergelten . Getreulich , wenn auch traurigen Herzens ist meine Schwester Sibylle mit mir gezogen auf den Kriegsfahrten ; hat gemildert und gesänftigt , wo ich zu rauh , hat alle Tage mich gemahnt an den Schatz im innern Acker , daß ich den nicht vergessen solle . Wie wir nun in diese Baude hier gekommen und von den Petersdorfern erfuhren , auf der Abendburg hause ein Buschprediger , so das Himmelreich allbereits hienieden gründen wolle , hat Sibylle gleich gesagt : zu dem müssen wir hin ! Und vollends , seit wir Eure Predigt vernommen , ist Sibylle Eure Jüngerin geworden . Ja , lieber Herr Johannes , meinen Weibsbildern habet Ihr es angetan . Doch wo ist Sibylle ? Sie hat sich hinausbegeben , auf daß wir ungestört uns bereden könnten . « Und Heinrich rief : » Sibylle ! « Gleich darauf trat Sibylle in die Stube , eine Rolle Papier in der Hand . » Seid ihr zwei beide denn nun einig worden ? « fragte sie . Ich stund auf und versetzte : » Euer Bruder hat mir sein Herz aufgetan , und ich habe an seinem Schicksal Anteil genommen . Das ist vorerst genung der Einigkeit . « Nachdem wir eine Weile in Nachdenken geschwiegen , begunnte Sibylle : » An das Evangelium von der Frau , die mit sieben Brüdern in die Ehe getreten , klinget eine Mär an , die ich euch beiden erzählen möchte , so es euch beliebt . « Da ich nebst Heinrich zustimmte , setzte sie sich zum Spinnrade , spann aber nicht , sondern hub in getragenem Tone an : Eine Königstochter war ins Elend gekommen . Ihr Vater hatte seine Krone vom Haupte fallen lassen in einen schwarzen See , und seitdem hat ihn sein Volk nicht mehr als Herrscher anerkannt . Da er nun vor Gram verstorben , ist die Königstochter weinend durch die Welt geirrt . Doch nicht immerfort kann der Mensch traurig sein , zumal wenn er jung und schön ist . Wie also die Königstochter besserer Laune geworden , ist ihr einmal ein junger Bergmann begegnet , der hat mit frischer Stimme das Liedlein gesungen : Das Gold zur blanken Krone Liegt in der Tiefe Schrein , Und wer den Schatz gehoben , Soll bald ein König sein . Aufhorchend hemmte die Königstochter ihren Schritt , betrachtete den Jüngling , und da sie ihn schön befunden , sprach sie schelmisch zu ihm : Magst lange in der Erde tappen und schürfen , bis du Gold genung gefunden zu einer Königskrone . Eher wird dein gülden Haar wie Silber bleich , als daß dein Handwerk den Goldschatz hebt . Wüßte dir wohl ein ander Mittel , die Königskrone zu gewinnen . Hör einmal , was ich für ein Liedlein singe : Im dunkeln See vom Grunde Winkt einer Krone Gold , Und hast du sie gefunden , Wird Minne dir zum Sold . Der Jüngling spähte in der Königstochter Auge , das ihm nicht anders fürkam , denn wie solch ein See , der am Grunde einen Schatz birgt ; und fragte pochenden Herzens : Wie soll ich dein Liedlein deuten ? Da antwortete sie : Ich weiß einen See , drin liegt wirklich und wahrhaftig die Königskrone , nach der dein Streben geht . Mein Vater hat sie verloren und mit ihr sein Königreich . So du aber die Krone vom Grunde holst , mir auf das Haupt setzest und mich zurückleitest in mein verloren Königreich , wird mich das Volk als seine Fürstin anerkennen . Um dich zu besolden , will ich dir alsdann meine Hand reichen , auf daß du neben mir auf dem Throne sitzest , mein ehelich Gemahl . Da erglühte der Jüngling im Angesicht und antwortete blitzenden Auges : Ich nehme dich beim Wort . Will dir die Krone vom Grunde holen ; doch tue ich das nicht , um reich zu werden und zu herrschen , sondern um deine Hand zu gewinnen ; denn du bist mir ein größerer Schatz als alles Gold und alle Kronen . Wohlan , führe mich hin , wo die Krone liegt . Hierauf so gingen die beiden zum schwarzen See . In dessen Schlamm aber hausete eine Sumpfhexe . Wie nun der Jüngling hinuntertauchte in die Flut , tat ihm die Hexe einen Zauber an , daß er nicht mehr aus dem Wasser zurückkehren konnte und bei ihr auf dem Grunde bleiben mußte . Vergebens harrte oben am Ufer die Königstochter in banger Sorge , vergebens rang sie ihre weißen Hände , weinte und betete ; ihr Liebster kam und kam nicht . Nachdem ihre Verzweiflung bis zum Abend getobt , ward sie schwach und wimmerte nur noch leise ; dann sank sie zur Erde und verfiel in einen tiefen Schlaf . Und es ward ihr dies Traumgesicht : Zwischen Felsenblöcken stieg sie angstvoll bergan , dornige Ranken zerfetzten ihr Gewand und Füße . Der Sturmwind raufte das flatternde Haar , und Hagel peitschte schneidend ihr Gesicht . Wie sie endlich die Höhe erreicht hatte , ward der Himmel blau , und von warmer Sonne beschienen lag auf blumiger Wiese eine trauliche Hütte , bei der eine Schafherde weidete . Die Königstochter ging voll Hoffnung auf die Hütte zu und öffnete die Pforte . Da saß eine weißhaarige Alte , mit Spinnen beschäftigt , und nickte freundlich mit einem Gesicht , das viel Gram durchgemacht , aber köstlichen Frieden gewonnen . Weinend kniete die Königstochter zu der Alten Füßen und hub an , ihr Schicksal zu beichten . Doch die Alte unterbrach sie begütigend : Weiß schon , liebe Tochter , alles ist mir wohlbekannt . Nur nach dem einen laß dich fragen .... nicht als ob es mir unbewußt wäre , sondern bloß aus dem Grunde , damit du selber dir klar darüber werdest - : Wenn dein junger Bergmann wieder aus dem schwarzen