Es ward eine Scheune des Hofes eingerichtet , wo das Hauptquartier war . Er ging , die Deputation ließ sich dort nieder und beschied ihn kurze Zeit darauf vor ihr Forum . Die große stattliche Figur erschien nach diesem kleinen Zwischenraume bescheiden und sanft und mit der Erklärung , sich dem Reichstage in allem zu unterwerfen . Er ward befragt , warum er keine Schlacht liefere . - Seine Antwort brachte mehr Beteuerungen , daß er ein guter Patriot sei , als Gründe . In der jetzigen Stellung , fügte er indessen hinzu , setze eine Schlacht alles aufs Spiel ; wolle man einen andern Führer an die Spitze stellen , so werde er ihm folgen , selbst als gemeiner Soldat unter ihm dienen . Die Deputation , wohl einsehend , daß hier der Edelmut nicht ausreiche , sondern die Tat erfordert werde , ließ einen Kriegsrat von allen bedeutenden Offizieren für den Abend zusammenberufen , und der fand sich denn auch ein , zum eigenen Schrecken der Gesandtschaft . Gegen dreihundert Offiziere , die natürlich sehr verschiedener Meinung waren , erfüllten klirrend und lärmend , streitend und rufend den Hof vor der Scheune , die einen lobten Skrzynecki , die andern verwünschten ihn , noch andere schworen , nun sei endlich der höchste Moment da , alles Aristokratische niederzumachen , was den Aufstand und Krieg so lange gelähmt habe . Dazu schickte Ramorino von den Vorposten die Kunde , der Feind greife an ; ein kleines Flüßchen nämlich trennte nur die russische Armee von der also aufgelösten polnischen . Und über alledem lag ein weicher , schmeichelnder Augustabend , und einzelne Sterne lächelten herunter in das wilde Menschengetreibe . Skrzynecki ließ sagen , man solle die Offiziere abfertigen , damit sie auf ihre Posten kämen . Die Gesandtschaft war in der größten Verlegenheit , weil jeder einzelne befragt werden sollte ; da kam endlich Ramorino selbst mit der Nachricht , der Angriff sei wieder eingestellt . So begann denn nun dennoch das aller Kriegsform unerhörte Verfahren : jedem einzelnen ward Geheimhaltung seiner Aussage zugesichert , und jeder einzelne Offizier gab seine Meinung über den Krieg ab und über den Feldherrn . Das Resultat war : eine Schlacht bei Bolimow ist nicht ratsam , Skrzynecki aber hat das Vertrauen der Armee verloren , ein neuer Generalissimus ist nötig . Es begann die schwierige Wahl , und daß sie nicht genügend erledigt werden konnte , war zunächst der neue Untergang Polens . Nämlich ein überwiegendes Talent war nicht da , das zu gleicher Zeit eine überwiegende Persönlichkeit mitgebracht hätte , wie dies in so aufgelösten Zuständen unerläßlich war . Prondzynski wurde das Talent zugetraut , aber er selbst traute sich die Persönlichkeit nicht zu , hatte sie also nicht . Eine neue Figur war übrig , von der viele noch Außerordentliches erwarteten , das war der Reitergeneral Dembinski . Er hatte unter den gefährlichsten Schwierigkeiten und Hindernissen einen Teil des litauischen Expeditionsheeres durch die Feinde hindurch zurückgeführt , und während die oberen Führer Gielgud und Chlapowski mit ihren Heeresabteilungen nach Preußen übergetreten waren und die Waffen gestreckt hatten , brachte er sein Kommando beutebeladen durch alle Feindesscharen und erschien plötzlich , verwildert , mit langem Knebelbarte , asiatischen Anstrichs , an der Spitze seiner Reiter , am Tore von Warschau . Dies hatte ein großes , lebhaftes Interesse aufgeweckt , fabelhaft ritterlich , märchenhaft glücklich und tapfer erschien er zu jener Zeit , wo der Krieg nur Rückzüge und Rückzüge darbot , der halb tatarisch einreitende Dembinski . Große Erwartungen knüpften sich an diesen Eindruck ; aus den übrigen Kandidaten , welche Stimmen erhielten , aus Uminski , Lubienski , Bem , Malachowski ward Dembinski zum Generalissimus gewählt , man schickte nach Warschau , wo er als Gouverneur wirkte , um ihn zur Armee zu holen . Aber auch Dembinski war nicht der Mann , welchen man brauchte ; sein Wesen angefüllt mit Tapferkeit , rascher , gewandter Kühnheit eines Reiterführers , mit schnell erregter Heftigkeit , besaß noch nicht jene durchgeschüttelte , in sich ruhende , mit den täglichen Leidenschaften fertige Solidität , welche man Charakter und Aplomb nennt , und welche vor allem andern in jetziger Lage erforderlich war . Noch ehe er ankam , murrte es in der Armee umher , als ob ein Sturm losbrechen sollte . Infanterieregimenter schüttelten die Waffen , sie wollten keinen Reitergeneral , Anhänger Skrzyneckis erhoben ihre Stimmen , Deputationen der Offiziere drängten sich an die Reichstagsdeputation , die Russen griffen die Vorposten an , es war ein verworrenes , böses Wesen . Am elften erschien Dembinski , schalt die Deputierten , daß sie sich als Zivilgewalt so ausführlich in den Krieg mischten , wollte nur interimistisch auf sechzig Stunden annehmen , ergab sich dem Patronate Skrzyneckis , der ihn der Armee vorstellte . Dieser Antritt in all seinen Teilen mißfiel der Regierung , Dembinski ward nicht bestätigt , die Armee zog sich gegen die Verschanzungen von Warschau zurück in die Position von Utrata . Dieser neue Rückzug flog wie ein Klageschrei durch Warschau und gab den äußeren Stoß für die Aufruhrszene , welche nun mit dem 15. August ausbrach . An der Spitze stand Krukowiecki , welcher sich der Volkspartei und der Klubs bemächtigte , um die aristokratische Partei zu stürzen und selbst an die Spitze zu kommen . Während des Aufstandes erklärte er sich zum Gouverneur der Stadt und war an allen Orten und Enden , der Regierung immer neue Gefahren meldend , den Aufruhr selbst in aller Weise bis zu einem gewissen Höhepunkte fördernd . So waren die Zustände am Abend des 15. August , wo Valerius nahe daran war , aufgehängt zu werden ; in der Stadt war leise , aber sicher alle Gewalt in die langen Finger Krukowieckis geschlüpft ; die ohnmächtige Regierung , in welcher nur Lelevel zur Aufruhrpartei gehörte , hielt er durch immer neue Schreckbilder im Schach , die Volkspartei ermahnte er , nach einer gewissen Ordnung zu henken . Zu gleicher Zeit war die