es mit einem Lieblingsthema zu thun habe . Es war ganz eigen , daß er , doch ziemlich ungefragt , mir die Resultate seines Nachdenkens in so selbstverständlicher Weise dargelegt hatte , als ob er nur aus diesem Grund zu mir gekommen sei . Ein einfacher , armer Dschamiki , und solche Gedanken ! Ob richtig , ob falsch , es waren Gedanken , und zwar keine gewöhnlichen ! Die Bewohner dieses weltentlegenen Thales mußten mir von Stunde zu Stunde immer interessanter werden ! Als er mich jetzt , auf eine Aeußerung wartend , anschaute , fiel mir der Ausspruch eines neueren deutschen Philosophen ein , welcher die Musik als » tönende Weltidee « bezeichnet hat . Da neckte mich der Schalk , zu versuchen , wie weit der Chodj-y-Dschuna mit diesem Worte in Verlegenheit zu bringen sei . Ich sagte also : » Diese Art der Musik ist allerdings keine tönende Weltidee ; das gebe ich zu . « Mir geschah ganz recht : Ich hatte mich sofort meiner Hinterlist zu schämen . Die starken Brauen zogen sich für einen Moment zusammen ; ein kurzer , verweisender Blick zuckte aus den ernsten Augen zu mir herüber , doch unverändert und freundlich wie bisher klang seine Stimme , als er antwortete : » Tönende Weltidee ! Das klingt sehr gelehrt . Ist dieses Wort von dir ? « » Nein . Ich wohne nicht in so hohen Regionen . Es ist einer der größten Weltweisen in Dschermanistan , welcher der Musik diesen Namen gegeben hat . « » Jeder Weltweise hat seine eigene Sprache . Ich weiß also nicht , was grad dieser unter Weltidee versteht . Aber auch ich habe mir eine Idee von der Welt gemacht und ebenso eine von der Musik , und beide stehen in enger Beziehung zu einander . Sag , Effendi , giebt es nicht gelehrte Leute , welche behaupten , daß nichts in der Welt verloren gehe ? « » Ja ; die giebt es allerdings . « » Ich glaube dasselbe . Kein Mensch , kein Tier , keine Pflanze , kein Wassertropfen , kein Wort , kein Gedanke kann verloren gehen , kann sich so vollständig auflösen , daß nichts , gar nichts mehr von ihm vorhanden wäre . Alles Vorhandene ist dem Wandel unterworfen , kann aber nicht in Nichts zerfallen . Das Geistige kann körperlich , und das Körperliche kann geistig werden . So haben sich die Schöpfungsworte Gottes zu Welten verkörpert und zu allem , was sich auf diesen Welten befindet . Jedes dieser Worte hatte seinen eigenen Ton , und alle diese Töne sind auf die Verkörperungen der Worte übergegangen . Sie sind hörbar bei ihnen , oder sie ruhen in ihnen , bis sie hörbar werden , Gott sprach im Blitz das Wörtlein Donner aus ; nun rollen Donner , so oft die Blitze zucken . Die Verkörperung des Wortes löst sich in demselben Ton auf , in welchem das Schöpfungswort erklungen ist . Da werden Töne der Freude und des Schmerzes frei , der Klage und des Trostes , des Zornes und der Vergebung ; aber sie alle , alle vereinen sich zum Klange des einen großen Wortes , welches vom Munde Chodehs ausging und wieder zu ihm zurückkehrt . Das ist das Wort der Liebe . Und diese Liebe ist der Grundton und Urquell jeder wahren Kunst und jeder wahren Musik . Denn - - - « Er konnte nicht weitersprechen , denn jetzt kam Hanneh die Stufen herab , zu uns her und sagte zu mir : » Effendi , mein Halef ist erwacht und hat deinen Namen genannt . Er möchte mit dir sprechen . « Ich entschuldigte mich bei dem Chodj-y-Dschuna und bat ihn , zu warten , bis ich wiederkäme . Er aber schien es für höflich zu halten , mich freizugeben , indem er meinte , daß wir das jetzt unterbrochene Gespräch ja zu jeder Zeit wieder aufnehmen und fortsetzen könnten . Ich ließ ihn nicht gern gehen . Mir war , als ob er die Hauptpunkte erst noch vorzubringen gehabt habe , und so mitteilsame Augenblicke , wie der jetzige gewesen war , pflegen bei Männern seiner Art nicht eben häufig zu sein . Als er sich von uns gewendet hatte und ich mit Hanneh die Treppe hinaufstieg , was sie , um mich zu schonen , sehr langsam that , sagte sie : » Ich habe euch gestört ; aber du darfst mir nicht zürnen . Halef hatte so Angst um dich . « » Angst ? Warum ? « » Er sagte , du befändest dich in sehr großer Gefahr . « » Ich ? Ich saß ja so ruhig dort auf den Kissen ! Hast du ihm das nicht mitgeteilt ? « » Das that ich wohl ; aber er glaubte es nicht . Er verlangte dringend , dich sofort zu sehen . « Jetzt waren wir oben und traten in die Halle . Halef hatte sein Gesicht dem Eingange zugekehrt . Sein Auge schaute ängstlich zu uns her . Als er mich sah , gab ihm die Freude einen sichtbaren Ruck ; ein frohes Lächeln ging über sein hageres Angesicht , und er sagte , so laut er konnte : » Sihdi , du bist da , wirklich da ! Allah sei Dank ! Nun ist alles , alles wieder gut ! « Ich ging zu ihm hin , setzte mich auf den Rand seiner Lagerstätte , nahm seine Hand in die meinige und antwortete : » Ja , mein lieber Halef ; ich bin da ; ich bin bei dir . Ich befinde mich wohl . Du hast wohl einen schlimmen Traum gehabt , in welchem du mich sahst ? « » Es war kein Traum . - - - Warte ! - - - Ich bin vor Angst um dich so schwach geworden . - - - Ich muß erst ruhen ; - - - muß Kräfte sammeln . « Seine Stimme