dann traten die Stechliner Bauern heran , die darum gebeten hatten , den Sarg tragen zu dürfen . Diener und Mädchen aus dem Hause nahmen die Kränze . Dann kam Adelheid mit Pastor Lorenzen , an die sich die Trauerversammlung ( viele von ihnen in Landstandsuniform ) unmittelbar anschloß . Draußen sah man , daß eine große Zahl kleiner Leute Spalier gebildet hatte . Das waren die von Globsow . Sie hatten bei der Rheinsberger Wahl alle für Torgelow oder doch wenigstens für Katzenstein gestimmt ; jetzt aber , wo der Alte tot war , waren sie doch vorwiegend der Meinung : » He wihr sowiet janz good . « Die Musik klang wundervoll ; kleine Mädchen streuten Blumen , und so ging es den etwas ansteigenden Kirchhof hinauf , zwischen den Gräbern hindurch und zuletzt auf das uralte , niedrige Kirchenportal zu . Vor dem Altar stellten sie den Sarg auf einen mit einer Versenkungsvorrichtung versehenen Stein , unter dem sich die Gruft der Stechline befand . Schiff und Emporen waren überfüllt ; bis auf den Kirchhof hinaus stand alles Kopf an Kopf . Und nun trat Lorenzen an den Sarg heran , um über den , den er trotz aller Verschiedenheit der Meinungen so sehr geliebt und verehrt , ein paar Worte zu sagen . » Wer seinen Weg richtig wandelt , kommt zu seiner Ruhe in der Kammer . Diesen Weg zu wandeln war das Bestreben dessen , an dessen Sarge wir hier stehn . Ich gebe kein Bild seines Lebens , denn wie dies Leben war , es wissen ' s alle , die hier erschienen sind . Sein Leben lag aufgeschlagen da , nichts verbarg sich , weil sich nichts zu verbergen brauchte . Sah man ihn , so schien er ein Alter , auch in dem , wie er Zeit und Leben ansah ; aber für die , die sein wahres Wesen kannten , war er kein Alter , freilich auch kein Neuer . Er hatte vielmehr das , was über alles Zeitliche hinaus liegt , was immer gilt und immer gelten wird : ein Herz . Er war kein Programmedelmann , kein Edelmann nach der Schablone , wohl aber ein Edelmann nach jenem alles Beste umschließenden Etwas , das Gesinnung heißt . Er war recht eigentlich frei . Wußt es auch , wenn er ' s auch oft bestritt . Das Goldene Kalb anbeten war nicht seine Sache . Daher kam es auch , daß er vor dem , was das Leben so vieler andrer verdirbt und unglücklich macht , bewahrt blieb , vor Neid und bösem Leumund . Er hatte keine Feinde , weil er selber keines Menschen Feind war . Er war die Güte selbst , die Verkörperung des alten Weisheitssatzes : Was du nicht willst , daß man dir tu . Und das leitet mich denn auch hinüber auf die Frage nach seinem Bekenntnis . Er hatte davon weniger das Wort als das Tun . Er hielt es mit den guten Werken und war recht eigentlich das , was wir überhaupt einen Christen nennen sollten . Denn er hatte die Liebe . Nichts Menschliches war ihm fremd , weil er sich selbst als Mensch empfand und sich eigner menschlicher Schwäche jederzeit bewußt war . Alles , was einst unser Herr und Heiland gepredigt und gerühmt und an das er die Segensverheißung geknüpft hat - all das war sein : Friedfertigkeit , Barmherzigkeit und die Lauterkeit des Herzens . Er war das Beste , was wir sein können , ein Mann und ein Kind . Er ist nun eingegangen in seines Vaters Wohnungen und wird da die Himmelsruhe haben , die der Segen aller Segen ist . « Einige der Anwesenden sahen sich bei dieser Schlußwendung an . Am meisten bemerkt wurde Gundermann , dessen der Rede halb zustimmende , halb ablehnende Haltung bei den versammelten » Alten und Echten « ( die wohl sich , aber nicht ihm ein Recht der Kritik zuschrieben ) auch hier wieder ein Lächeln hervorrief . Dann folgte mit erhobener Stimme Gebet und Einsegnung , und als die Orgel intonierte , senkte sich der auf dem Versenkungsstein stehende Sarg langsam in die Gruft . Einen Augenblick später , als der wiederaufsteigende Stein die Gruftöffnung mit einem eigentümlichen Klappton schloß , hörte man von der Kirchentür her erst ein krampfhaftes Schluchzen und dann die Worte : » Nu is allens ut ; nu möt ick ook weg . « Es war Agnes . Man nahm das Kind von dem Schemel herunter , auf dem es stand , um es , unter Zuspruch der Nächststehenden , auf den Kirchhof hinauszuführen . Da schlich es noch eine Weile weinend zwischen den Gräbern hin und her und ging dann die Straße hinunter auf den Wald zu . Die alte Buschen selbst hatte nicht gewagt , mit dabeizusein . Unter denen , die draußen auf dem Kirchhof standen , waren auch von Molchow und von der Nonne . Jeder von ihnen wartete auf seine Kutsche , die , weil der Andrang so groß war , nicht gleich vorfahren konnte . Beide froren bitterlich bei der scharfen Luft , die vom See her wehte . » Ich weiß nicht « , sagte von der Nonne , » warum sie die Feier nicht im Hause , wo sie doch heizen konnten , abgehalten haben ; es war ja da drin gar keine menschliche Temperatur mehr . Und nun erst hier draußen . « » Is leider so « , sagte Molchow , » und ich werde wohl auch mit ' ner Kopfkolik abschließen . Und mitunter stirbt man dran . Aber wenn man in Berlin is ( und ich habe da neulich auch so was mitgemacht ) , is es doch noch schlimmer . Da haben sie was , was sie ' ne Leichenhalle nennen , ' ne Art Kapelle mit Bibelspruch und Lorbeerbäumen , und dahinter verstecken sich ein paar Gesangsmenschen . Wenn man sie nachher aber sieht , sehen sie