zu versorgen , bis er dies selber thun kann , dies , theure Freundin , ist meine Sache . Die Ihrige ist ' s , ihn zu vermögen , daß er die Vorsorge Ihres alten Freundes nicht von sich weist , weil dieser sich einmal in der übeln Lage befunden hat , ihm einige kleine , nicht angenehme Vorstellungen zu machen . Ich schicke ihm morgen eine Anweisung auf meinen Banquier . Und damit gute Nacht , theure Herzogin ; gute Nacht , meine theure , treue Freundin ! Er wollte sich entfernen , ihr die Nothwendigkeit des Dankes zu ersparen ; sie aber hielt ihn zurück . Und Angelika ? fragte sie . Morgen , morgen ! entgegnete er ihr . Lassen Sie mir Zeit , mich zu fassen , mich zu überwinden , lassen Sie der Baronin die Zeit , zu überdenken , was sie gethan hat ! Sie bleiben ja mit uns ! Achtzehntes Capitel Herbert war kaum in die Stadt zurückgekehrt , als er zu Seba hinunterging , ihr die Nachricht von seiner Verlobung zu bringen . Sie kannte seine Erwählte nicht , aber sie kannte den Amtmann , und die einfache Tüchtigkeit desselben und das Gute , welches er bei seinen verschiedenen Geschäftsbesuchen im Flies ' schen Hause von der Schwester gerühmt , hatten sie für das Mädchen eingenommen und sie Herbert ' s wachsendes Wohlgefallen an Eva lange mit Freude bemerken lassen . Sie hatte von je gehofft , daß es Eva ' s Gradheit gelingen werde , den beunruhigenden Einfluß zu brechen , den die Baronin auf Herbert übte , und als er ihr jetzt mit Lebhaftigkeit von Eva ' s klarem , nur auf das Nächste gestellten Sinne , von ihrer schlichten Wahrhaftigkeit , von der unverhohlenen Wärme sprach , mit welcher sie ihm ihre Neigung immer kund gegeben , da füllten sich Seba ' s Augen schnell mit Thränen , und ihre Hände auf seine Schultern legend , sagte sie mit freudiger Bewegung : O , Gott segne Sie ! Gott segne Sie und all Ihr Glück ! Einfach wie ihr Ausruf und ihre Bewegung waren , ergriffen sie den Freund . Werde ich Ihnen denn einen solchen Segenswunsch nicht einst erwiedern können ? fragte er , indem er ihre Hände küßte . Sie schüttelte verneinend das schöne Haupt . Sie sind so gut , so edel , sagte er , Sie müssen Liebe finden , denn Sie verdienen sie ! Sie müssen lieben können , wie wenig andere Frauen ! Ja , versetzte sie , das habe ich Alles einstmals selbst geglaubt , aber - Sie wollte nicht weiter sprechen , er nöthigte sie jedoch dazu . Da glitt jenes melancholische Lächeln , das lange Zeiten hindurch nicht von ihrem Antlitze gewichen war , wieder einmal über ihre Mienen , und mit einem Tone , der den Schmerz ihrer Seele nicht zu verbergen wußte , obschon sie bemüht war , ihn zu unterdrücken , sagte sie : Damals , als ich glaubte , ich müsse glücklich werden können , weil ich es zu werden wünschte , kannte ich die Einrichtung der Welt noch nicht . Damals wußte ich noch nicht , daß man auf seinem Posten bleiben und geduldig und bescheiden sein muß , um nicht in wilder Hast an seinem Ziele vorüber zu eilen . Damals sah ich es auch noch nicht ein , daß wir nicht alle die gleiche Rolle im Leben spielen können und daß es auch Zuschauer für das Glück der Andern geben muß . Sie und Ihre Eva , Sie sind an Ihrem rechten Platz geblieben , Sie sind zwei Glückliche . Ich - ich verkannte meinen Platz , ich konnte mich nicht bescheiden , ich verstand nicht , zu warten , ich stürzte mich mit blinder Hast ins Leben - ich habe meine Rolle schlecht begriffen , schlecht gespielt , und muß sehr froh sein , daß ich Ihnen zusehen und mich an Ihrem Glücke erfreuen kann . Spielen Sie das Stück recht schön zu Ende , und Sie sollen es erleben , welche Genugthuung Sie mir damit gewähren . Herbert wollte sich damit nicht beruhigen . Als Eva ' s Verlobter fühlte er sich Seba gegenüber freier ; aber sie wollte nun von sich selber nicht mehr sprechen hören . Nur von Herbert sollte die Rede sein , und da inzwischen auch ihre Eltern hinzugekommen waren und Herbert erzählt hatte , wie seine Angelegenheiten ständen , sagte er , gegen Herrn Flies gewendet : Rathen Sie mir , was soll ich thun ? Was hat Ihr Herr Vater Ihnen zu thun gerathen ? fragte der Juwelier . Ich habe ihm noch gar Nichts von meinem Verlöbniß geschrieben , um ihm nicht von der Weigerung des Freiherrn sprechen zu müssen , den er immer für seinen Gönner , seinen Freund gehalten hat . Und mein Vater ist in einem Alter , in welchem man den Verlust eines Freundes nicht mehr leicht verschmerzt . Man muß jung und gut sein , meinte Herr Flies , um also von dem Alter zu denken , das vielmehr den traurigen Vorzug hat , von solchen Verlusten nicht mehr überrascht zu werden . Trotzdem haben Sie in jedem Falle Recht , wenn Sie Ihrem Vater eine Unannehmlichkeit ersparen , da Sie ohnehin in dieser Sache gar nichts thun können , als .... Nun , was denn ? fragten Herbert und Seba wie aus Einem Munde . Nichts als abwarten ! sagte der Juwelier . Bis der Sinn des Freiherrn sich etwa ändert ? rief mit sichtlichem Verdrusse der Architekt , welcher auf einen ganz anderen Rath gerechnet zu haben schien . Bis für Sie an des Freiherrn gutem Willen nichts mehr gelegen ist ! bedeutete der Andere . Wenn Herr Steinert aus seinem bisherigen Verhältniß zu dem Freiherrn austritt .... Würden Sie dies billigen und wünschen , lieber Vater ? fiel ihm Seba in die Rede . Ja , wenn er der Mann ist , für den ich ihn