damit er wieder weit von ihr sich entfernte und nie nach Nürnberg zurückkehre : aber daß man ihn hierher brachte , hier dem Henker überlieferte - das war zu viel für sie ! Sie hatte ihn doch einst geliebt , und die Schande , die ihm widerfuhr , empfand sie wie ihre eigene ! Er war das Ideal ihrer Jugend gewesen , und Alles , was sie von heiterem Jugendmuth , von gläubigem Vertrauen an Menschenadel , von froher Hoffnung auf Lebensglück besaß , das hatte nur da in ihr gelebt , da sie ihn liebte , das war da für immer vernichtet worden , als sie von dem Mann ihrer Liebe sich schmählich betrogen sah , einen Unwürdigen in ihm verachten mußte . Sie konnte nicht an ihn denken , ohne immer wieder die alte Pein zu empfinden - und eine neue hatte sich hinzugestellt . Sie hatte es verborgen gehalten , daß sie einst geliebt hatte und betrogen worden war : nun hatte Streitberg ' s Verfolgen immer gedroht , dies noch offenbar werden zu lassen , und wie bei ihrem Widerstand seine Leidenschaft mehr und mehr die Gestalt des Hasses und der Rachsucht angenommen , so mußte sie fürchten , daß er nun noch Angesichts des gewissen Todes vielleicht auf ihre Fürsprache sich berief - hatte er sie doch auch die Buhlerin des Königs genannt - ganz gewiß aber noch dafür sorgte , daß ihre Jugendgeschichte in einer Auffassung , welche für sie die demüthigendste war , zum Nürnberger Stadtgeschwätze ward . Alle diese Gedanken , Erinnerungen und Befürchtungen , die sie jetzt immer gehabt , summten mit Eins ihr durch das schon bis zum Uebermaaß erregte Herz und Hirn , als ihr auch diese entscheidende Nachricht von Streitberg ' s Gefangennehmung so plötzlich gebracht ward und erpreßte ihr den Schrei , der eine so falsche Deutung fand . Aus dem an Ort und Stelle angestelltem Verhör kam nichts heraus , als daß Elisabeth und Katharina wach gewesen in der Nacht und daß sich Beide verdächtig machten , weil ihre Stundenangaben differirten . Ein Commis behauptete , daß der Herr kurz vor Mitternacht nach Hause gekommen , und daß er ihn im Corridor mit einer Frauenstimme habe einige Worte wechseln hören , die er nicht verstanden . Er habe auch Licht schimmern sehen , und da er später weiter nichts gehört , habe er sich auch nichts dabei gedacht ; ob die weibliche Stimme die der Frau Elisabeth oder einer Magd gewesen , wisse er nicht zu sagen . Weiter hatte Niemand nur das Geringste bemerkt . Elisabeth und Katharina leugneten Beide den Herrn zur Nacht gesprochen zu haben , die Herrin mit ruhiger Würde , die Dienerin mit unruhiger Keckheit . Eine behauptete vor der Andern , daß sie wach gewesen . Gegen Katharina sprach doch der stärkere Beweis von Elisabeth ' s erster Aussage , daß sie von ihr erst nach einer Stunde einen verlangten Trunk habe erhalten sollen - und Katharina war ja auch nur eine fremde Dienstmagd . Man beschloß , sie mit und in Gewahrsam zu nehmen , und wenn sie nicht gestehe , durch die Tortur » in der Güte zu befragen « , wie man die Anwendung der entsetzlichsten Marterinstrumente nannte . Gegen die Hausherrin verfuhr man glimpflicher . Man verbannte sie nur in ihre eigenen Zimmer , und ordnete ihr unter der Bürgschaft ihrer Brüder , daß sie nicht entweiche , eine Wache zu - nur der Form wegen , wie man sagte , bis sich Alles aufgeklärt habe . Elisabeth fügte sich mit stummen Stolz dieser ihr edles Gefühl empörenden Handlung . In Nürnberg aber verbreite sich mit Blitzesschnelle das Gerücht von Herrn Christoph Scheurl ' s plötzlichem Tode - und daß er durch Gift gestorben , das ihm als Schlaftrunk beigebracht worden . Wer die That gethan - darüber waren die Stimmen getheilt . Die Einen meinten , eine Magd aus Regensburg , die erst seit ein paar Wochen angekommen , habe die That gethan und sei darum verhaftet ; die Andern aber sagten : Was hätte eine Magd für Vortheil von dem Tode ihres Herrn ? oder was könnte gerade diese an ihm zu rächen haben , die erst seit so kurzer Zeit im Hause ? Ist es doch ganz anders mit Frau Elisabeth - die ist nun den alten Gatten los , den sie doch nur des Reichthums oder um ihrer Familie Willen geheirathet , und kann nun als die reichste und schönste Wittwe von Nürnberg nach ihrem Herzen freien und leben . Oder hat sie nicht gar schon einen Buhlen ? - Man redete schon immer allerlei von ihr - aber freilich ! wer hätte das gedacht , daß es so weit mit ihr kommen werde ! Da sieht man , wohin Hochmuth und Eitelkeit führen , der Eigendünkel und die Herrschsucht eines Weibes , das immer nur seinem eigenen Willen folgen wollte , alles anders und besser wissen und thun als andere ehrbare Frauen ! - Siebentes Capitel Im Clara-Kloster Mitten im lebenslustigen , geschäftig bewegten Nürnberg hatte doch der fromme weibliche Sinn , der allem eitlen Welttreiben für immer entsagen und in ein beschauliches , nur dem Dienst der Heiligen gewidmetes Stillleben sich zurückziehen wollte , eine sichere Zufluchtsstätte gefunden . Das Kloster der heiligen Clara , das auf der Lorenzer Seite recht im Herzen der Stadt sich erhob , war ein stilles Asyl , das gerade von den Jungfrauen der edelsten Geschlechter Nürnbergs gewählt ward , und darum auch nicht nur zu den reichdotirtesten , sondern auch zu denjenigen Klöstern gehörte , die noch den alten Ruf edler Sittenstrenge und wahrer Frömmigkeit bewahrten , wie auch den : Pflanzstätten der Künste und Wissenschaften zu sein . Die Schwestern des Clara-Klosters waren wohl erfahren in allen weiblichen Handarbeiten , die Geschicklichkeit und Ausdauer erforderten . Sie stickten und webten herrliche Gobelins zum Schmuck ihrer Kirche , und sandten auch manche dieser Arbeiten aus den Klostermauern hinaus . Viele Nonnen übten die Kunst