ich so furchtsam bin um Dich . Ich hab auch jetzt schon lange wieder nichts von Dir gehört , auf den Clausner kann ich mich nicht verlassen , von Dir will ich keine Briefe fordern , Du hast viel zu denken , und vielleicht Deine Augen sind leidend , aber doch bin ich immer voll Sorgen , wenn ich an dem Tag keine Briefe von Dir hab , wo ich mir ' s in Kopf gesetzt hab ; dann steigert sich ' s bis zur Angst , wenn noch ein Posttag vergeht , und dann hilft mir ' s nur , wenn ich in der Sternennacht auf der Warte an Dich denke , da trau ich ' s meinem Geist seinem mächtigen Willen zu , daß er Dich schütze . Die Nächte war so tiefer Schnee gefallen , daß ich mir erst am Tag einen kleinen Pfad zum Turm schaufeln mußte , denn so lang ich vermag , wird mich nichts abhalten , daß ich da hinaufgeh und in Gedanken zu Dir dringe und für Dich bet , bis ich wieder bei Dir bin . - Im Rheingau hast Du mir auch geschrieben , nur kurz , weil Du Augenweh hattest , aber ich las doch in den zwei Zeilen , wie Du gestimmt warst , zutunlich . - An die Bettine Deine Briefe haben mir viele Freude gemacht , zweifle nicht daran , liebe Bettine , weil ich Dir selbst so sparsam geschrieben habe , aber Du weißt , viel denken und oft schreiben ist bei mir gar sehr zweierlei ; auch hab ich die Zeit schrecklich viel Kopfweh gehabt . Du schreibst mir gar nichts von Gundel und Savigny , tue es doch . Ich stelle mir Eure Lebensart recht still , vertraulich und heimlich vor . - Aber ich fürchte nur , Du kommst wieder zu gar nichts . - Dem Clausner hast Du geschrieben , Du treibst Mathematik mit einem alten Juden , und vielleicht werdest Du auch Hebräisch lernen , Du habest schon einen Teil vom Abc inne - mit der Geschichte treibst Du Dich herum wie ein Kätzchen mit einem Spielball , der am Faden hängt ; Du wirfst ihn hin und her , solang es Dich ergötzt , und dann läßt Du ihn müßig liegen , was Du über Musik vorbringst , ist lauter Larifari , meinst Du , wenn etwas schlecht gelingt und sich gegen den Geist sträubt , das sei ein Zeichen , daß man es aufgeben solle ? - Da bin ich grade der entgegengesetzten Meinung , und wenn auch etwas Dir trivial erscheint , so ist deswegen die Sache es gar nicht , sondern Dein Begriff ist nicht gelichtet , an was willst Du Deine Kräfte üben , wenn nicht an dem , was Dir noch schwer dünkt ? - Ich glaube , so manches , was Du Dir jetzt fremd glaubst , würde seine innere Verwandtschaft zu Dir geltend machen . - Du hast Wissenstrieb ohne Beständigkeit , Du willst aber alles zu gleicher Zeit wissen , und so weißt Du keinem Dich ganz hinzugeben und setzest nichts recht durch , das hat mir immer leid an Dir getan . Dein Eifer und Deine Lust sind keine perennierenden Pflanzen , sondern leicht verwelkliche Blüten . Ist es nicht so ? - Sieh , darum ist es mir gleich fatal gewesen , daß Dein Lehrmeister in der Geschichte Dich verlassen hat , die Begebenheiten unterstützen ordentlich Deinen natürlichen Hang , noch dazu , da er so geistreich und so faßlich und - so liebenswürdig sein soll , - so nehm ich es ihm übel , daß er nicht mehr Interesse an Dir nahm . Übrigens muß ich Deine Ausschweifungen im Lernen wieder tragen ; es wurde mir im vorwerfenden Ton mitgeteilt , und ich merkte , daß meiner Verwundrung hierüber , und daß ich nichts davon gewußt habe , nicht Glauben beigemessen wurde . Vom Clemens weiß ich nicht , ob ich wohltun würde , ihm so nachzugehen , wie Du es meinst , es läßt sich da nicht einbiegen und ihm in den Weg treten , um ihm zu begegnen , wo ich ihn aber begegnen werde , da sei überzeugt , daß es nur friedliche und herzliche Gesinnung sein wird , ich bin weit entfernt , ihn aufzugeben , er steht mir vielmehr zu hoch für meine Kräfte , die nicht an ihn reichen . Mein Tadel ist , daß er diese hohen Anlagen alle vergeude , aber ich glaube Dir , daß dies kleinlich von mir ist , und hab mich auch schon gebessert . Ich weiß nicht , ob ich so reden würde , wie er meinen Brief in dem seinigen reden läßt ; aber es kommt mir sonderbar vor , daß ich zuhöre , wie ich spreche , und meine eignen Worte kommen mir fast fremder vor als fremde . - Auch die wahrsten Briefe sind meiner Ansicht nach nur Leichen , sie bezeichnen ein ihnen einwohnend gewesenes Leben , und ob sie gleich dem Lebendigen ähnlich sehen , so ist doch der Moment ihres Lebens schon dahin ; deswegen kommt es mir vor , wenn ich lese , was ich vor einiger Zeit geschrieben habe , als sähe ich mich im Sarg liegen , und meine beiden Ichs starren sich ganz verwundert an . Mein Zutrauen war freilich kein liebenswürdiges Kind , es wußte sich nicht beliebt zu machen , nichts Schönes zu erzählen , dabei flüsterten ihm die Umstehenden immer zu : » Kind sei klug ! gehe nicht weiter vorwärts , der Clemens wird Dir plötzlich einen Streich spielen und Dir die Schuld geben , daß er Dich nicht mehr ausstehen könne . « Da wurde das Kind verwirrt und ungeschickt , es wußte nicht recht , wie man klug sei , und schwankte hin und her , darf man ihm das so übelnehmen ? - Aber eigensinnig ist das Kind nicht . Wenn es im Hause freundlich und gut aufgenommen