so war es in ihrem Umkreise um alles getan , weswegen ein Mensch , der nicht rechnet , leben mag . Der Sinn für Schönheit fehlte hier ganz . Die Stunde regierte und die Glocke ; nach deren Schlage füllten und leerten sich die Arbeitsplätze , traten die Träger ihre täglichen Wege immer in der nämlichen Richtung an , versammelten sich die Hausgenossen zu den gemeinschaftlichen Mahlzeiten . Bei diesen griff ein jeder nach englischer Manier zu , wo es ihm beliebte ; der Reihenfolge der Speisen achtete man wenig , da sie fast sämtlich zu gleicher Zeit aufgesetzt wurden . Keine aufwartenden Diener ; eine Magd , welche ziemlich ungeschickt war , nahm Teller und Schüsseln weg , oder ließ sie auch wohl stehn , wie es sich eben traf . Auf niemand wurde gewartet ; verspätete Ankömmlinge setzten sich , kaum grüßend und begrüßt , nieder , und holten in Hast das Versäumte nach . Alle diese Unsitten waren für jemand , der in den letzten zwei Jahren in der besten Gesellschaft gelebt hatte , sehr empfindlich . Lästig fiel Hermann , welcher das Wasser nicht vertragen konnte , auch die Entbehrung jedes sonstigen Trinkbaren bei Tische . Der Oheim hatte nämlich die Laune , seine Tafel nur mit eignen Produkten besetzt sehn zu wollen . Hinsichtlich der Speisen tat dies der Güte des Mahls keinen Abbruch . Die Meiereien lieferten das saftigste Fleisch , die Gärten das zarteste Gemüse und die schönsten Früchte , die Weiher gaben schwere Karpfen und Hechte her . Allein mit dem Getränke verhielt es sich anders . Man braute hier ein sogenanntes Ale , und preßte aus Äpfeln und Birnen Cider . Nur diese Getränke kamen in geräumigen Flaschen auf den Tisch , wurden aber selbst von den daran Gewöhnten nur mit Zurückhaltung genossen . Hermann versuchte von beiden , bekam jedoch von dem Ale Kopfweh mit Schwindel verbunden , und wurde nach dem Genusse des Ciders von einem heftigen Erbrechen befallen , so daß er seitdem lieber Durst litt , als so schlimmen Einwirkungen abermals sich aussetzte . In den Zimmern sah es verworren aus . Meubles vom teuersten Holze mit schwerer Vergoldung standen neben tannenen Kommoden und Tischen , überall fehlte etwas , oder vielmehr der Widerspruch trat allerorten hervor ; ehemalige bürgerliche Einfachheit und neu erstrebte Pracht lagen miteinander in Streit . Wertvolle Gemälde , welche der Oheim in den damals aufgekommenen Kunstverlosungen erworben hatte , hingen in dunkeln Winkeln , meistens uneingerähmt , während geschmacklose kolorierte Kupferstiche in kostbarer Einfassung an den hellsten Stellen der Wände prunkten . Zwischen diesem Ungeschick und verdrießlichen Wesen blickte nur ein rührender Zug durch , des Oheims Liebe zu den Pflanzen . Für sie hatte er den feinsten Sinn , niemand verstand so , wie er , die Gruppen der Blumen , Stauden und Bäume zu ordnen ; die kundigsten Landschaftsgärtner hätten von ihm lernen können . Unter seinen Gewächsen mußte man ihn sehn , wenn man sich überzeugen wollte , daß die Natur keinem Menschen irgendeine zum Ganzen der Seele notwendige Richtung versagt . Diese Neigung und die Liebe zu seiner Familie waren die schönen menschlichen Eigenschaften des merkwürdigen Mannes . Täglich sah ihn Hermann in seinem Wägelchen durch die Anlagen fahren , und stundenlang oben im Gartenhause , oder bei der Gruft der Tante verweilen , deren Schmückung ihm die liebste Beschäftigung geworden war . Aus manchen Äußerungen ging hervor , daß seine Gedanken ebenso oft bei der schlafengegangenen Gattin , als bei den irdischen Dingen verweilten . Viertes Kapitel Von der Vergrößerung dieser gewaltigen Besitzungen durch die Standesherrschaft wurde unter den Geschäftsleuten des Oheims , wie von einer ausgemachten Sache gesprochen , obwohl Hermann nicht begreifen konnte , worauf sich , da der Adelsbrief der Ahnfrau aufgefunden worden war , diese Zuversicht stützte . In den Gesprächen jener Männer , welche , wie wir wissen , bei der Ausdehnung und dem erhöhten Schwunge der Geschäfte selbst beteiligt waren , traten weitgreifende Plane hervor , wie jene Güter zum Fabriknutzen umgewandelt , oder zerstückelt werden sollten , so daß dem Gaste , dessen Erinnerungen sich noch mit Vorliebe dorthin wandten , übel zumute ward . Einmal traf er den verdächtigen Amtmann vom Falkenstein bei dem Oheim , der ihm wieder die höhnisch freundlichen Blicke zuwarf , über welche Hermann schon auf dem Schlosse des Herzogs verdrießlich geworden war . Der Oheim ließ sich über diese Angelegenheit noch gleichgültiger als früher vernehmen . Seinen Adelshaß verriet er zwar auch jetzt wieder , und wiederholte mit Lebhaftigkeit die Meinung , daß es an der Zeit sei , das Eigentum aus den Händen derer , welche es nicht zu benutzen verständen , in fleißigere übergehn zu lassen . » Allein mir für meine Person « , fügte er hinzu , » liegt an dem Erwerbe der mir zedierten Besitzungen kaum noch etwas . Die Sache ist mehr für meine Direktoren , welche noch vorwärts wollen . Ich werde nur Last und Sorge von diesen Schollen haben . Zudem « , sagte er schwermütig , » für wen sammle ich ? « Diese Worte bezogen sich auf eine Verlegenheit , welche dem Oheim in seinem eignen Hause erwachsen war . Sein einziger Sohn Ferdinand , von dem er natürlich nichts heißer wünschen konnte , als daß er der Erbe seines Sinnes werden möchte , zeigte , sobald er sich zu entwickeln begann , auch nicht die mindeste Neigung zu dem , was eine solche Hoffnung rechtfertigen durfte . Alles Stillsitzen war ihm zuwider ; es kostete unendliche Mühe , ihm die Elemente der Rechenkunst beizubringen , die Maschinen , zu denen er früh geführt wurde , damit er Geschmack an ihnen bekomme , waren ihm lächerlich und widerwärtig . Er schlich sich heimlich zu den Werken , verdarb manches schadenfroh , und hatte einmal durch ein geschickt eingeworfnes Hemmnis eine Dampfpresse gewaltsam zum Stehn gebracht , dadurch aber beinahe den Mechanismus zerstört . Hingegen war es seine Leidenschaft , die gefährlichsten Orte zu erklettern