Dich geht ! - Die Seligkeit , gesehen zu sein und Dich zu sehen ! - Ob ich Dich liebte ? - Das fragst Du ? - Macht Ihr es aus über unsern Häuptern , Ihr Schwingenbegabte . - Glaub an mich ! - Glaub an einen heißen Trieb , - Lebenstrieb will ich ihn nennen , - so sing ich Deinem träumenden Busen vor . - Du träumst , Du schläfst ! Und ich träume mit . Ja , die damalige Zeit ist jetzt ein Traum , der Blitz der Begeistrung hatte schnell Dein irdisch Gewand verzehrt , und ich sah Dich , wie Du bist , ein Sohn der Schönheit , jetzt ist ' s ein Traum . Ich hatte mich selbst , ein ernstes stilles schauerliches Geheimnis Dir opfernd zu Füßen zu legen , still und tief verborgen wie der unreife Same in seiner Hülle . An Dir , an Deiner vergebenden Liebe sollte er reifen ; jeden unwillkürlichen Fehl , jede Sünde wollt ich eingestehn , ich wollte sie wegsaugen aus Deinen Augen mit meinem tränenbeladenen Blick , mit meinem Lächeln ; aus Deinem Bewußtsein mit der Glut meines Herzens , die Du nicht zum zweitenmal findest , - aber dies alles ist nun ein Traum . Zehn Jahre der Einsamkeit haben sich über meinem Herzen aufgebaut , haben mich getrennt von dem Quell , aus dem ich Leben schöpfte , keiner Worte hab ich mich seitdem wieder bedient , alles war versunken , was ich gefühlt und geahnt hatte . Mein letzter Gedanke war : » Es wird wieder eine Zeit kommen , in der ich sein werde , denn für diesmal haben sie meine Sinne begraben und mein Herz verhüllt . « Diese zukünftige Zeit , o Freund ! schwebt über mir hin gleich den Winden der Wüste , die so manches Dasein mit leichtem Flugsand verscharren , und es wird mich keine Stimme wieder erwecken , außer der Deinen , - und das bleibt wohl auch nur ein Traum ? - Damals betete ich oft um das einzige , daß ich Deinen letzten Atemzug küssen dürfe , denn ich wollte gern Deine auffliegende Seele mit meinen Lippen berühren ; ja Goethe ! - Zeiten , die ihr vorüber seid , wendet euch am fernen Horizont noch einmal nach mir her , ihr tragt das Bild meiner Jugendzeit in dichte Schleier gehüllt . Nein ! Du kannst doch nicht sein , was Du jetzt bist : hart und kalt wie Stein ! - Sei es immer für diese Welt , für diese verrinnende Zeiten , aber dort , wo die Gewölke sich in triumphierenden Fahnen aufrollen , unter denen Deine Lieder zu dem Thron aufsteigen , wo Du ihr Schöpfer , und Schöpfer Deiner Welt , ruhest , nachdem Du das Werk Deiner Tage geschaffen , zum Leben geschaffen ; da laß mich mit Dir sein um meiner Liebe willen , die mir von geschäftigen Geistern jener höheren Welt zugetragen ward , wie der Honig dem wilden Fruchtbaum in den hohlen Stamm von tausend geschäftigen Bienen eingeimpft wird , der dann , ob auch nicht aus sich selber , dennoch einen köstlicheren Schatz in sich bewahrt als der Baum , der edle Früchte trägt . Ja , laß das wilde Reis seine Wurzeln mit den Deinen verstricken , verzehre es , wenn Du es nicht dulden magst . Jawohl ! Ich bin zu heftig , siehe da , der Damm ist verschüttet , welchen Gewohnheit baut , und Ungewohntes überströmt Herz und Papier . Ja ungewohnte Tränen , ihr überströmt mein Gesicht , das heute die Sonne sucht und vor Tränen nicht sieht , und auch nicht , weil sie mir heute nicht scheinen will . Den 23. November Alle Blumen , die noch im Garten stehen , einsammeln , Rosen und frische Trauben noch in der späten Jahreszeit zusammenbringen , ist kein unsittlich Geschäft und verdient nicht den Zorn dessen , dem sie angeboten sind . Warum soll ich mich fürchten vor Dir ? - Daß Du mich zurückgestoßen hast mit der Hand , die ich küssen wollte , das ist schon lange her , und heut bist Du anders gesinnt . - Dem Becher , aus dem Du heute getrunken , sei dieser Strauß in den Kelch gepflanzt , er übernachte diese letzte Blumen , er sei ein Grab diesen Blumen , morgen wirf den Strauß weg und fülle den Becher nach Gewohnheit . - So hast Du mir ' s auch gemacht , Du hast mich weggeworfen aus dem Gefäß , das Du an die Lippen zu setzen gewohnt bist . Den 24. Eine Zeitlang flattert die Seele am Boden , aber bald schwebt sie aufwärts in den kühlenden Äther . Schönheit ist Äther ! - Sie kühlt , - nicht entflammt . - Die Schönheit erkennen , das ist die wahre Handlung der Liebe . - Liebe ist kein Irrtum , aber ach ! der Wahn , der sie verfolgt . - Du siehst , ich will einen Eingang suchen mit Dir zu sprechen , aber wenn ich auch auf Kothurnen schreite - der Leib ist zu schwach , den Geist zu tragen , - beladne Äste schleifen die Früchte am Boden . Ach ! Bald werden diese Träume ausgeflammt haben . Den 29. Juni 1822 Du siehst an diesem Papier , daß es schon alt ist , und daß ich ' s schon lang mit mir herumtrage , ich schrieb ' s im vorigen Jahr , gleich nachdem ich Dich verlassen hatte . Es war mir plötzlich , als wollen alle Gedanken mit mir zusammenbrechen , ich mußte aufhören zu schreiben ; doch ruft von Zeit zu Zeit eine Stimme , daß ich Dir noch alles sagen soll . Ich geh aufs Land , da will ich womöglich den Blick über dies Erdenleben hinaustragen , ich will ihn in Nebel hüllen , daß er nichts gewahr werde außer Dir . - Außer der Sonne , die den Tautropfen in