nun noch einmal so gern die Fahrt mitmache , da ein Gesalbter des Herrn ihr Nachbar seyn würde , hängte den vergeßnen Rosenkranz an die Hand , das kupferne Kreuz an den Hals , und forderte nun die Männer auf , zu gehen . - Veit nahm den Falken auf die Faust , und warf noch einen Blick in dem Gemache umher . » Habt Ihr die Truhe verschlossen , Muhme ? « fragte er dann leise : » habt Ihr das Eisengeräth wohl verwahrt , das ich neulich heimbrachte , und die Gefäße , die vor Kurzem aus der Marxkapelle.abhanden gekommen sind ? « » Alles ist wohl verwahrt , Neffe , « erwiederte Petronella , indem sie das Gemach nach den vier Weltgegenden mit Weihwasser besprengte , das an der Thüre hing : » Gott und seine Heiligen werden in unsrer Abwesenheit unsre stille Klause wohl bewahren . « Damit ließ sie das Schloß zuschnappen , und hinkte den Männern nach , belastet mit Katze und Bündel . Veit hatte indessen dem Nachbar Jost die Aufsicht über seinen kleinen Palast empfohlen , und einen Sattel von ihm geliehen , ein , dem Nachbar , dessen Pferd erst kürzlich gefallen , sehr entbehrliches Geräth . Des Leuenberger ' s Klepper wurde geschirrt , Petronella auf denWagen neben den in seine Kaputze verhüllten Mönch gehoben ; die edeln Herren saßen zu Pferde , des Hornberger ' s Knecht auf dem Hintertheile des Karrens . Die Fenster und Pforten der angränzenden Burgwohnungen waren von den edeln Ganerben und ihren Sippschaften besetzt , die theils lachend auf das schlechte Fuhrwerk blickten , theils den Leuenberger beneideten , der trotz seiner , der Ihrigen nichts nachgebenden Armuth zu fernen Festlichkeiten auf so viele Stunden Wegs abgeholt wurde . Der arme Fuhrbauer warf noch einen trüben Blick auf den verletzten Gaul , der in einem fremden Stalle zurückbleiben mußte , um wohl nimmer zu seinem Herrn wiederzukehren . Dann schwang er mit einem Seufzer und abgewandtem Gesichte die Peitsche ; das dienstbare Roß zog an ; der Bullenbeißer bellte , und fort gings , wie auf einer Rennbahn . Siebentes Kapitel . Ach , daß die Hülfe aus Zion über Israel käme , und der Herr sein gefangen Volk erlöste ! So würde Jakob fröhlich seyn , und Israel sich freuen ! Psalm Davids . Schlösser und Riegel klangen . Eine helle Stube that sich auf . Die Augen der Gefangenen die hineingelassen wurden , zogen sich zusammen , ob der ungewohnten Klarheit . - » Was sollen wir hier ? « fragte Ben David den Schließer , der beiden wenigstens die Schellen an den Händen abnahm . - » Wem haben wir zu verdanken die Wolthat , wieder beisammen zu seyn ? « setzte Jochai hinzu , und rieb sich den Arm , wo die engen Ketten gesessen hatten . - » Werdet ' s schon sehen ! « brummte der Wärter entgegen : » Ihr werdet heute mancherlei Besuch haben , den man nicht in euer Verließ führen kann . « - Eine lange Stille folgte , während welcher der Wächter sich auf einen Schemmel setzte , und die Juden sich forschend beobachteten . » Dürfen wir denn miteinander reden ? « erkundigte sich Jochai demüthig . - » In Gottesnamen ; « erwiederte der Wächter : » der ehrbare Herr Oberstrichter meint , es könne nichts verschlagen . Denn ob Ihr bekennt oder nicht ; auf jeden Fall brennt man Euch zu Asche . « - Eine Bewegung zaghafter Angst konnten die Gefangenen bei dieser rohen Rede nicht unterdrücken . Ben David faßte sich jedoch zuerst , und gieng auf den bleichen Vater zu : » Wie geht Dir es Vater ? « fragte er in dem Dialect , der , aus hebräischen und deutschen Worten zusammengesetzt , für den Zuhörer von Amtswegen , beinahe unverständlich war . - » Frage die im Moor verdorrende Weide ; « antwortete Jochai schmerzhaft : » Die Lampe brennt aus allmählich , und bald werde ich liegen in dem angstvollen Zustande , wo die Seele unstät umherläuft durch alle Glieder und zittert vor der Nähe des Todesengels . O Sohn ! Sohn ! Dein Eigensinn und Starrmuth wird mich von der Welt bringen , dessen Liebe Dich zur Welt brachte . « - Ben David rieb sich bekümmert die Stirne . » Es ist beinahe verflossen eine Woche .... « sprach er wie verloren vor sich hin : » keine Kunde doch von Esther und ihrem Auftrag . - Weißt du nichts von dem Kinde ? « - » Der Wärter hat mir zweimal Wein gebracht ; « antwortete Jochai : » Gewiß hab ' ich nur Esther ' s Liebe verdankt diese Stärkung . « Ben David wendete sich an den Kerkerknecht : » Guter Mann , « sagte er : » wißt Ihr uns nichts zu sagen von Esther , unserm Kind ? Kömmt sie noch wohl wie früher täglich an die Pforte , und fragt nach ihrem Vater und dem Greise Jochai ? « - » Was weiß ich ? « polterte der Wärter : » Ich hätte viel zu thun , wollte ich auf all die Leute merken , die mir Jahr aus Jahr ein die Ohren voll jammern und heulen . Ihr Gesindel bekümmert euch wenig um die , die im Pfeffer sitzen . Eine Dirne ausgenommen , die ein Paarmal Wein für den Alten brachte , hat Niemand nach Euch gefragt . « - » Diese Dirne ist Esther ! Gott segne sie dafür im Reiche des Messias ! « stammelte Jochai unter Freudenthränen . » Hm ! « grunste der Knecht : » Eine Jüdin ist das Mädel nicht , denn es trägt ein Kreuz am Halse ; aber häßlich ist sie dafür , daß es alle Tage in eure Sippschaft gezählt werden könnte . « - » Also Esther ist ' s nicht ! « seufzte Ben David , und sah kummervoll zu Boden . »