ruhig das Gespräch mit dem Beamten fortsetzte , der sich allein von allen übrigen einer größern Vertraulichkeit bei ihm zu erfreuen schien . „ Nun , das ist gerade nicht überraschend , bemerkte er . Wenn man ein junges Mädchen vom vierzehnten bis zum siebenzehnten Jahre im Kloster läßt , muß man auf solche Entschlüsse gefaßt sein . Sind Sie dennn damit einverstanden ? “ „ Es wird mir schwer , mein einziges Kind für immer zu entbehren , “ sagte der Hofrath feierlich , „ aber fern sei es von mir , einer so heiligen Bestimmung hindernd in den Weg zu treten . Ich habe eingewilligt , meine Tochter wird noch auf einige Monate in mein Haus und in die Welt zurückkehren , um dann ihr Noviziat in dem Kloster anzutreten , wo sie bisher Pensionärin gewesen ist . Die hochwürdigste Frau Aebtissin wünscht , daß auch der geringste Schein des Zwanges vermieden wird . “ „ Die Frau Aebtissin wird ihres Zöglings wohl sicher sein , “ meinte der Freiherr , mit einer Ironie , die seinem Zuhörer zum Glück entging . „ Wenn es übrigens der eigene Wunsch und Wille des jungen Mädchens ist , so läßt sich nichts dagegen einwenden . Ich bedauere nur Sie , der Sie in der Tochter eine Stütze Ihres Alters zu finden hofften und sie nun den Nonnen abtreten müssen . “ „ Dem Himmel ! “ berichtigte der alte Herr mit einem frommen Aufblick , „ und davor müssen die Rechte des Vaters natürlich zurücktreten . “ „ Natürlich ! – Und jetzt zu den Geschäften ! Liegt irgend etwas von Bedeutung vor ? “ „ Die Meldung des Polizeidirectors – “ „ Ich weiß . Man erhebt in der Stadt unglaublichen Lärm über die neuen Maßregeln . Man wird sich fügen . Was giebt es noch ? “ „ Den bereits besprochenen ausführlichen Bericht an das Ministerium . Wen bestimmen Excellenz dazu ? “ Raven dachte einen Augenblick nach . „ Den Assessor Winterfeld . “ „ Assessor Winterfeld ? “ wiederholte der Hofrath in sehr gedehntem Tone . „ Ja , ich wünsche ihm Gelegenheit zu geben , sich auszuzeichnen oder doch wenigstens bemerkbar zu machen . Er ist trotz seiner Jugend einer der fähigsten und tüchtigsten Beamten . “ „ Aber nicht loyal , Excellenz , durchaus nicht loyal genug ! Er hat eine ausgesprochen liberale Richtung und neigt sich der Opposition zu , die jetzt – “ „ Das thun die jüngeren Beamten alle , “ fiel der Freiherr ein . „ Die Herren sind sämmtlich Weltverbesserer und halten es für charaktervoll , hin und wieder zu opponiren , aber das giebt sich mit der Beförderung . Schon mit dem Rath pflegt es gewöhnlich aufzuhören , und Assessor Winterfeld wird darin keine Ausnahme sein . “ Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Um hohen Preis aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 12 , S. 191 – 196 Fortsetzungsroman – Teil 4 [ 191 ] Der Hofrath schüttelte bedenklich den Kopf . „ Was seine Fähigkeiten und seine Persönlichkeit betrifft , so theile ich vollkommen die schmeichelhafte Meinung Euer Excellenz über ihn , aber es sind mir Dinge über den Assessor zu Ohren gekommen – Dinge , die von der höchsten Illoyalität zeugen . Es steht leider fest , daß er bei Gelegenheit seines jüngsten Urlaubs in der Schweiz die verdächtigsten Beziehungen angeknüpft und den intimsten Umgang mit allerlei Demagogen und Revolutionären gehabt hat . “ „ Daran glaube ich nicht , “ sagte der Freiherr mit Entschiedenheit . „ Winterfeld ist nicht der Mann , der seine Zukunft so nutzlos und zwecklos auf ’ s Spiel setzt : er ist überhaupt keine extravagante Natur , für die solche Versuchungen gefährlich werden könnten . Die Sache hängt vermuthlich anders zusammen ; ich werde sie untersuchen . Hinsichtlich des Berichtes bleibt es bei meiner Bestimmung . Bitte , rufen Sie den Assessor zu mir ! “ Der Hofrath ging , und wenige Minuten später trat Georg Winterfeld ein . Der junge Beamte wußte , daß ihm mit dem Auftrage , den er jetzt empfing , eine Auszeichnung vor seinen Collegen zu Theil wurde , aber diese offenbare Bevorzugung schien ihn eher zu drücken , als zu erfreuen . Er nahm mit ruhiger Aufmerksamkeit die Weisungen seines Chefs hin . Die kurzen , fachlichen Andeutungen desselben fanden bei ihm das vollste Verständniß , einzelne Winke , die er zu geben für nöthig fand , die schnellste Auffassung , und die wenigen , aber treffenden Bemerkungen des jungen Mannes zeigten , wie vollständig er mit der ihm [ 192 ] übertragenen Sache vertraut war . Raven hatte zu oft mit der Schwerfälligkeit und Unfähigkeit seiner Beamten zu kämpfen , um nicht die Annehmlichkeit zu empfinden , in wenigen Worten verstanden zu werden , wo er sich sonst zu ausführlichen Auseinandersetzungen herbeilassen mußte ; er war sichtlich zufrieden . Die Angelegenheit war in verhältnißmäßig kurzer Zeit erledigt , und Georg , der bereits ein Papier mit verschiedenen Notizen seines Chefs in der Hand hielt , wartete auf ein Zeichen der Entlassung . „ Noch Eins ! “ sagte der Freiherr , ohne den ruhigen Geschäftston zu ändern , in welchem er bisher gesprochen . „ Sie haben den Urlaub , den Sie vor einigen Wochen nahmen , in der Schweiz zugebracht ? “ „ Ja , Excellenz . “ „ Man behauptet , Sie hätten dort gewisse Verbindungen aufgesucht oder doch wenigstens angeknüpft , die mit Ihrer Stellung als Beamter unvereinbar sind . Was ist an der Sache ? “ Der Blick des Freiherrn ruhte mit seiner ganzen , von den Untergebenen so sehr gefürchteten Schärfe auf dem jungen Beamten , aber dieser zeigte weder Bestürzung noch Verlegenheit . „ Ich habe einen Universitätsfreund in Z. aufgesucht , “ erwiderte er ruhig , „ und bin auf dessen wiederholte , herzliche Einladung im Hause seines