kamen mit gleicher Verwunderung von den Lippen des Schichtmeisters und seines Sohnes , während Martha ebenfalls erstaunt den Diener ansah , der gleichmüthig fortfuhr : „ Sie müssen doch irgend etwas mit dem Director vorgehabt haben , Hartmann ! Er war heut schon in aller Frühe bei der gnädigen Frau , die sich sonst nie um die Geschäftssachen der Herren kümmert , und gleich darauf wurde ich Hals über Kopf zu Ihnen geschickt , obgleich wir wahrhaftig heut genug drüben zu thun haben . Die sämmtlichen Herren Beamten sind zu Tische geladen und aus der Stadt kommen auch , ich weiß nicht was alles für Respectspersonen – aber ich habe keinen Augenblick Zeit . Seien Sie ja pünktlich ! Um sieben Uhr nach dem Diner ! “ Der Mann schien es wirklich eilig zu haben ; er nickte den Anwesenden noch einen kurzen Gruß zu und ging . „ Da haben wir ’ s ! “ brach der Schichtmeister los . „ Jetzt wissen sie schon drüben bei der Herrschaft von Deinem unsinnigen Abschlag . Nun sieh Du zu , wie Du mit ihnen fertig wirst . “ „ Wirst Du gehen , Ulrich ? “ fragte Martha , die bisher stillgeschwiegen , plötzlich rasch und mit gespanntem Ausdruck . „ Was fällt Dir denn ein , Mädchen ? “ schalt der Oheim . „ Meinst Du etwa , er könnte wieder Nein sagen , wenn die gnädige [ 40 ] Frau ihn ausdrücklich rufen läßt ? Freilich Du und er , Ihr wäret im Stande dazu . “ Martha achtete nicht auf die Zwischenrede , sie näherte sich ihrem Vetter und legte die Hand auf seinen Arm . „ Wirst Du gehen ? “ wiederholte sie leise . Ulrich stand da und blickte finster zu Boden , wie im Kampfe mit sich selber ; auf einmal aber warf er heftig den Kopf zurück . „ Gewiß werde ich ! Ich möchte doch wissen , was es der gnädigen Frau denn eigentlich beliebt , von mir zu wollen , nachdem sie sich acht Tage lang nicht einmal die Mühe gegeben hat , nach mir – “ Er hielt plötzlich inne , als habe er bereits zu viel gesagt . Martha ’ s Hand war von seinem Arme herabgeglitten und sie trat zurück , der Schichtmeister aber sagte mit einem Seufzer : „ Nun gnade uns Gott , wenn Du drüben so auftrittst . Zu allem Unglück ist nun auch noch der alte Berkow gestern Abend angekommen ! Wenn Ihr beide aneinander gerathet , dann bist Du die längste Zeit hier Steiger gewesen , und ich bin nicht mehr lange Schichtmeister . Ich kenne den Herrn ! “ Ein verächtlicher Ausdruck spielte um die Lippen des jungen Mannes . „ Sei ruhig , Vater ! Sie wissen zu gut , wie sehr Du an der ‚ Herrschaft ‘ hängst und welche Noth Dir der ungerathene Sohn macht , der nun einmal vor dieser Herrschaft sich nicht ducken will . Dir wird Keiner etwas anhaben , und ich – “ hier richtete sich Ulrich voll trotzigen Selbstbewußtseins zu seiner vollen Höhe empor , „ ich werde wohl für ’ s Erste auch noch hierbleiben . Mich fortzuschicken wagen sie gar nicht , dazu fürchten sie mich viel zu sehr ! “ Er kehrte seinem Vater den Rücken , stieß die Thür auf und trat in ’ s Freie . Der Schichtmeister schlug die Hände zusammen und schien sehr geneigt , seinem rebellischen Sohne noch eine donnernde Strafrede nachzuschicken , aber er wurde daran von Martha verhindert , die auf ’ s Neue , und diesmal noch viel entschiedener , Ulrich ’ s Partei nahm . Des Streitens müde , griff der Alte endlich nach seiner Pfeife und schickte sich an , gleichfalls hinauszugehen . „ Höre , Martha , “ sagte er , sich schon in der Thür noch einmal umwendend , „ an Dir sehe ich ’ s , kein Trotzkopf ist so groß , es giebt doch noch einen , der ihn übertrotzt . Du hast richtig an dem Ulrich Deinen Meister gefunden , und der wird auch noch seinen Meister finden , so wahr ich Gotthold Hartmann heiße ! “ – Drüben im Landhause war man inzwischen mit den Vorbereitungen zu dem heute stattfindenden großen Diner beschäftigt . Die Diener liefen treppauf und treppab , in den Wirthschaftsräumen hantierten Köche und Mägde umher , überall gab es noch zu ändern und zu ordnen und das ganze Haus bot jenes Bild der geschäftigen Unruhe dar , die gewöhnlich einer Festlichkeit vorauszugehen pflegt . Eine um so größere Stille herrschte in den Zimmern des jungen Berkow : die Vorhänge waren hier tief herabgelassen , die Portièren geschlossen und im Nebengemach glitt der Diener mit unhörbaren Schritten über den dicken Teppich hin , dies und jenes ordnend . Sein Herr liebte es nun einmal , den größten Theil des Tages träge auf seinem Sopha zu verträumen , und wollte auch nicht durch den allergeringsten Laut darin gestört sein . Der junge Erbe lag mit halbgeschlossenen Augen auf der Ottomane ausgestreckt und hielt ein Buch in der Hand , in dem er las oder doch wenigstens gelesen zu haben schien , denn bereits seit geraumer Zeit lag genau dieselbe Seite vor ihm aufgeschlagen . Wahrscheinlich kostete es ihm zu viel Mühe , die Blätter umzuwenden , und jetzt glitt das nachlässig gehaltene Buch vollends aus den schmalen schlanken Händen auf den Teppich nieder . Es wäre eine leichte Mühe gewesen , sich danach zu bücken und es aufzuheben , eine noch leichtere , den nebenan beschäftigten Diener zu diesem Zwecke herzurufen , aber keins von beiden geschah . Das Buch blieb auf dem Teppich liegen , und Arthur machte während der nächsten Viertelstunde auch nicht die geringste Bewegung ; sein Antlitz verrieth aber dabei zur Genüge , daß er weder über das Gelesene nachdachte , noch in Träumerei versunken war ; er langweilte sich einfach . Ein ziemlich rücksichtsloses Oeffnen der Thür ,